„Persönliche Assistenz“: Covid erschwert Hilfesuche. Für die Kirchbergerin Silke Kropacek ist es schwer, „Persönliche Assistenten“ zu finden. Sie fordert andere Verträge.

Von Karin Pollak. Erstellt am 26. September 2020 (04:58)
Silke Kropacek mit ihrer persönlichen Assistentin Tania Wöger.
Karin Pollak

Das Coronavirus hat vieles verändert. Besonders schlimm betroffen ist laut Silke Kropacek von der Selbsthilfegruppe „Anders“ der Bereich der „Persönlichen Assistenz“.

„Persönliche Assistenten ersetzen die Arme, Beine, Muskelkraft oder Augen von Menschen mit Behinderung, dadurch können wir ein selbstbestimmtes Leben führen“, sagt Kropacek. Ihr Problem: „Es ist allgemein sehr schwierig, geeignete Personen zu finden, die das kompetent umsetzen. Während Corona ist das nahezu aussichtslos.“

Silke Kropacek, die seit 24 Jahren aufgrund hochgradiger Körperbehinderung auf Hilfe angewiesen ist, baut seit acht Jahren auf Persönliche Assistententen. „Ich habe fünf Wochen in Wien bei meinen Söhnen verbracht, weil ich keine persönlichen Assistenten gefunden habe. Das ist wirklich schlimm“, zeigt sie auf. Zwei bis drei Assistenten unterstützen sie normalerweise abwechselnd für einige Stunden pro Tag: „Sie haben freie Dienstverträge und bekommen elf Euro netto in der Stunde. Das passt aber nicht für jene, die eine Anstellung wollen. Es fehlt einfach an den gesetzlichen Rahmenbedingungen.“

Ich will ein selbstbestimmtes Leben führen, das ist ein Menschenrecht Silke Kropacek

Seit Corona werden die Pflegebediensteten als „Helden“ bezeichnet, Persönliche Assistenten scheinen in der Helden-Liste laut Kropacek allerdings gar nicht auf – obwohl sie sich diese Auszeichnung mehr als verdient hätten: „Ich will ein selbstbestimmtes Leben führen, das ist ein Menschenrecht. Das geht nur mit Assistenten. Wir brauchen eine Lobby und vor allem ordentliche Dienstverträge.“ Sie will diese „extrem problematische Situation“ nicht mehr einfach hinnehmen: „Ich habe schon an die zuständigen Politiker bei Land und Bund geschrieben. Ich bin gespannt, ob mein Anliegen auch gehört wird.“

Persönliche Assistenten mit freien Dienstverträgen werden über das Land gefördert, über „Assistenz 24“ vermittelt und auch abgerechnet. Für Kropacek bleibt ein Selbstbehalt zu bezahlen. Das tut sie auch für ihre Assistentin Tania Wöger aus Hoheneich. Die 24-Jährige unterstützt Silke Kropacek seit zweieinhalb Jahren. „Ich studiere Ergotherapie in Krems. Ich habe einen Nebenjob gesucht, der sinnvoll ist und bei dem ich Kontakt mit Menschen habe“, so Wöger.

"Man ist sowieso machtlos"

Den Dienstplan spricht sie mit Silke Kropacek ab. „Bei dieser Arbeit lernt man auch sehr viel über sich selber, lernt seine Grenzen kennen und das Selbstvertrauen wächst“, meint Wöger, die im nächsten Jahr ihr Studium abschließt. „Wie es dann mit mir als Persönliche Assistentin weitergeht, ist ungewiss.“

Genau diese Ungewissheit macht Kropacek zu schaffen: „Einen Notfallplan habe ich nicht. Erst wenn dieser eintritt, arrangiere ich mich mit der Situation. Man ist sowieso machtlos und Angst ist ein ganz schlechter Partner. Irgendwie geht es immer weiter.“ Sie ist nun intensiv auf der Suche nach Persönlichen Assistenten, die zehn bis zwölf Stunden an drei bis fünf Tagen in der Woche Unterstützung bei der Körperpflege, bei Ausflügen, bei Arztterminen oder bei der Arbeit am PC bieten und leichte Haushalts tätigkeiten durchführen.

Seitens des AMS unterstützt man Kropacek: „Es ist aber nicht einfach, jemanden zu finden, der für diese Tätigkeit in Frage kommt und diese auch durchführen will“, berichtet AMS-Leiter Gerhard Ableidinger.