Bezirk Gmünd: 584 verloren im März ihren Job!. Es war kaum anders zu erwarten, die jüngsten Zahlen aus dem AMS Gmünd belegen es nun: Die Coronavirus-Pandemie hat den jahrelangen Höhenflug am Arbeitsmarkt im Bezirk brutal gestoppt. Nach fast vier Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen mit Ende März erstmals wieder gestiegen, die geschätzte Arbeitslosenquote kletterte gegenüber dem März 2019 gleich um ein Drittel auf 12,0 Prozent.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 03. April 2020 (13:31)
Negative Nachrichten kommen aus dem Gmünder AMS.
NOEN, ML

Guter Start, böses Ende

Dabei sei die Arbeitslosigkeit zum Monatsbeginn saisonbedingt noch um 273 Personen bzw. 16,9 Prozent zurückgegangen, betont AMS-Gmünd-Geschäftsstellenleiter Gerhard Ableidinger: „Dann kam die Trendwende.“ Mit Ende März waren 1.817 Personen im Bezirk arbeitslos gemeldet, 460 bzw. 33,9 Prozent mehr als Ende März 2019 – laut Ableidinger der höchste Wert in mehr als 20 Jahren. Trotz Rückkehrern Saisonarbeitslosigkeit lag der Wert auch um 198 über jenem vom letzten Februartag. In konkreten Zahlen verloren im März nicht weniger als 584 Einwohner aus dem Gmünder Bezirk ihren Job – um 165,5 Prozent mehr als im März 2019. Dazu kommen 196 Arbeitslose in Schulung (-30). 

„Existenzielle Sorgen von Kunden"

 „Das ist eine enorme Herausforderung fürs AMS Gmünd“, sagt Ableidinger, verspricht aber: „Wir setzen alles daran, dass Arbeitslose in dieser schweren Zeit trotz Rekordarbeitslosigkeit pünktlich und so rasch wie möglich zu ihrem Geld kommen.“ Er dankt seinen Kollegen für das „beachtliche Engagement, manchmal bis an die Grenze der Belastbarkeit“ in der aktuellen Situation. Zugleich würden die existenziellen Sorgen von Kunden – Arbeitslosen wie Unternehmen –immer öfter spürbar. Ableidinger: „Ich bitte auch in solchen Situationen, Geduld und Verständnis für unbedingt notwendige Abläufe aufzubringen.“


Jugendarbeitslosigkeit stieg um 58 Prozent

Männer (+36,3 %) waren in Gmünd durch die Coronakrise etwas stärker vom Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen (+30,9%). Die Jugendarbeitslosigkeit (unter 25 Jahre) stieg laut AMS um gleich 58 Prozent, jene in der Generation 50+ nach einigen guten Monaten um 20,4 Prozent. Am schlimmsten traf es die Branchen Fremdenverkehrs- (+116 oder +80 %) und Bau- (+88 oder +58,7 %) sowie Hilfsberufe (+57 oder +25,3 %). Ein Viertel der insgesamt 1.817 Vorgemerkten (413) haben eine Einstellungszusage für die kommenden Monate, der Zeitpunkt ist wegen der Coronakrise freilich vage.  

Immerhin 201 Jobs sind über das AMS derzeit ausgeschrieben – lediglich 5,2 Prozent weniger als Ende März 2019. 84 neue Stellen wurden laut AMS im März „geworben“, 60 mit geeigneten Arbeitskräften besetzt. 

„Der Verantwortung bewusst"

Als größter Existenzsicherer für die Menschen sei sich das AMS seiner Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung bewusst, erklärt Gerhard Ableidinger, der von „enormen Mengen“ an Anträgen spricht, die es noch abzuarbeiten gelte, um Arbeitslosengeld sowie Kurzarbeitsbeihilfen so rasch als möglich zu berechnen. „Gleichzeitig ist auf die Erhaltung der Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter und damit auf die Funktionsfähigkeit des AMS zu achten.“ Man setze alles daran, das März-Arbeitslosengeld zeitgerecht anzuweisen.

Kurzarbeit vielfach absolutes Neuland

„Eine nicht minder große Herausforderung sind die Anträge auf Kurzarbeitsbeihilfe. Für alle Betriebe ist das Neuland. Damit verbunden sind viele Unklarheiten und Detailfragen“, gibt der Gmünder AMS-Chef zu bedenken. Er verweist auf erste Hilfestellungen zu vielen Themen rund um die Kurzarbeit auf www.ams.at/kurzarbeit, wo auch ein Antragsformular und Ausfüllvideo stehen zum Download bereit stehen. Ableidinger: „Gerne geben Mitarbeiter einer eigens aufgestellten Taskforce Auskünfte. Sowohl bei Arbeitslosengeld als auch Kurzarbeit führen unvollständig ausgefüllte Anträge zu Verzögerungen.“

Keine persönlichen Vorsprachen

Arbeitslosmeldungen sollen derzeit online oder telefonisch erfolgen, persönlich sollen nur jene Menschen zum Arbeitsmarktservice kommen, die aus individuellen Gründen weder über das Internet noch telefonisch kommunizieren können (eingeschränkte Öffnungszeiten: Montag-Freitag, 8-12 Uhr).