Auf alten „Taferln“ unterwegs. Selten, aber doch sind noch Fahrzeuge mit schwarzen Kennzeichen unterwegs: Oldtimer-Besitzer erzählen.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 07. August 2019 (04:10)
Anna Hohenbichler
Seit über 30 Jahren Fan der „Ente“: Judith Dlask aus Gmünd fährt ihren Citroën C2 Charleston seit 1986. Die alten schwarzen Kennzeichentafeln gehören für sie zum Auto dazu.

Sie sind die Oldies unter den Fahrzeug-Kennzeichen: die alten schwarzen „Taferln“. Dem Gmünder Bezirk waren ursprünglich die Nummern von 5.000 bis 5.999 zugeordnet. Die Kombinationen wurden durch Addieren von beispielsweise 30.000 und 60.000 erweitert. Seit Beginn des Jahres 1990 werden für den regulären Fahrzeuggebrauch nur mehr die weißen Kennzeichen mit schwarzer Schrift ausgegeben. Die alten schwarzen Nummerntafeln sind aber nach wie vor – wenn auch als Auslaufmodell – in Verwendung. Wie kommt es, dass ältere Autos ihre Besitzer über all die Jahre noch nicht gewechselt haben und dadurch noch mit alten Nummern fahren?

1.572 schwarze Kennzeichen im Bezirk Gmünd

Seit 1986 ist Judith Dlask aus Gmünd im Besitz ihres Citroën 2CV Charleston – inklusive der schwarzen Kennzeichen. Für sie und ihren Ehemann Peter funktioniert die „Ente“, wie diese Autos gemeinhin bezeichnet werden, nach wie vor als Sommerfahrzeug. Früher sind sie damit mit ihren Kindern sogar in den Skiurlaub gefahren. Ob sie sich vorstellen kann, das Auto jemals zu verkaufen? „So etwas gibt man nicht her“, lacht sie.

Den Grund dafür, dass Judith Dlask den Retro-Citroën immer noch fährt, erklärt Gatte Peter Dlask im NÖN-Gespräch so: „Meine Frau kann sich einfach nicht von dem Auto trennen.“ Vor etwa zehn Jahren zog es die beiden sogar nach Frankreich zu einem Treffen der 2CV-Fahrer. Diese Treffen finden in regelmäßigen Abständen in unterschiedlichen Ländern statt. Peter Dlask erzählt, dass dort etliche Erfahrungen ausgetauscht wurden. Eine Seltenheit ist ihre „Ente“ mit den alten Nummerntafeln allemal: „Leute fragen oft nach, ob diese Kennzeichen überhaupt noch gültig sind“, sagt Judith Dlask.

Insgesamt 1.572 schwarze Kennzeichen gibt es im Bezirk Gmünd noch, ein großer Teil davon entfällt aber auf alte Traktoren und Anhänger. Es gibt keine Verpflichtung zum Austausch der alten Tafeln, sie bleiben weiterhin gültig. Erst bei einer Fahrzeugneuanmeldung, beim Wechsel des Wagens oder bei Verlust des Kennzeichens erfolgt die Umstellung auf neue weiße Kennzeichen. „Solange das Auto nicht ausgedient hat, behalten wir die alten Nummerntafeln“, sagen die Dlasks.

„Wollten unseren VW Käfer nicht verkaufen“

Bei Herta Koller und Helga Sandtner aus Ehrendorf ist es das Kultauto schlechthin, das es ihnen angetan hat: der VW Käfer. Ihr Vater, Thomas Schönsgibl, hat das Auto Anfang der 1970er-Jahre angekauft. „Das Baujahr müsste um 1969/1970 sein“, sagt Helga Sandtner im Gespräch mit der NÖN.

Schon vor einigen Jahren hat ihr mittlerweile 90-jähriger Vater das Autofahren aufgegeben – und damit auch beinahe seinen Käfer. Wären da nicht die beiden Töchter gewesen. „Unser Papa wollte das Auto verkaufen, aber meine Schwester und ich haben das nicht zugelassen“, erzählt sie. Somit haben sich Herta und Helga des Autos angenommen, hegen und pflegen es bis heute.

Vor allem die Erinnerungen der Schwestern an ihre Kindheit und Jugend machen die Faszination für den VW Käfer aus. Damals konnten sie sich nicht viel leisten, erklärt Helga Sandtner. Somit war das Auto für die ganze Familie etwas Besonderes.

„Wir sind mit dem Auto in den Urlaub gefahren, bis in die Schweiz“, schwärmt sie. Wenn sie mit dem Oldtimer unterwegs sind, werden sie selten auf das schwarze Kennzeichen angesprochen. Sandtner meint, es sei meist normal für die Leute, die alte Nummerntafel gehöre in ihrer Rarität einfach zum Käfer dazu. Dass die Töchter von Thomas Schönsgibl am alten VW hängen, beweisen sie auch damit, dass sie jährlich zum VW-Käfer-Treffen nach Eggenburg fahren. Der Vater komme nicht mehr mit, so Helga Sandtner. Immerhin ist das Fahrzeug in Originalausstattung erhalten, der Komfort entspricht nach wie vor jenem vergangener Tage.

Niedrige Nummern waren besonders begehrt und oft öffentlichen Vertretern vorbehalten. Das führte in einigen Bezirken zum „Nummernadel“. Dass es dieses Phänomen auch im Gmünder Bezirk gab, ist Bezirkshauptmann Stefan Grusch nicht bekannt. „Das würde ich auch nicht gut heißen“, sagt er zur NÖN. Mit den weißen Tafeln, bei der das Kennzeichen per Zufall bestimmt wird, ist das ohnehin obsolet geworden.