Ausflugsziele: Natur liegt im Trend. Nach schwachem Frühjahr waren Waldviertler Landschaft & Themenwelten rund um die Natur bei Touristen beliebt.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 16. September 2020 (08:04)
Freuen sich über gute Sommermonate im Unterwasserreich Schrems: Vizebürgermeister Peter Müller, Bürgermeister Karl Harrer, Andrea Lhotak und Geschäftsführerin Barbara Dolak.
Karl Tröstl

Nach der Zeit des Covid-Lockdowns dürfte der Naturtourismus in der heurigen Sommersaison zum Trend aufgestiegen sein. Da hat das Waldviertel viel zu bieten: Eine Bilanz-Tour durch die Ausflugsziele des Bezirkes.

Fischotter: Ganz starker Sommer

„Wir haben extrem davon profitiert, dass die Leute in die Natur raus wollten“, blickt Christiane Mader, Geschäftsführerin des Unterwasserreichs Schrems, auf die Sommermonate zurück: „Wir merken, der Trend zum Naturtourismus ist in den letzten drei Jahren überhaupt stärker geworden.“

Das neue Fischotter-Exklusivprogramm mit Fütterung habe sich großer Beliebtheit erfreut. Im Juni fielen die Schülergruppen aus, die Ferienmonate schnitten dafür aber umso besser ab: Im Juli verzeichne man normalerweise 5.000 Besucher, heuer waren es 7.000, im August 8.100, resümiert Mader: „Wir sind mehr als positiv überrascht.“ Schlaflose Nächte habe sie vor allem im Frühjahr durchlebt: Durch die gemeindenahe Betriebsstruktur sei der Betrieb durch sämtliche Unterstützungen – wie Fixkostenzuschuss – gefallen: „Das war für unser ganzes Team sehr herausfordernd.“

Nebelstein genau zur richtigen Zeit neu inszeniert

Mit Natur und schöner Landschaft hat auch der Nebelstein bei Moorbad Harbach nach der Neu-Inszenierung gepunktet: „Die Investition kam zur richtigen Zeit“, sagt Bürgermeisterin Margit Göll. Auch in der Zeit des Lockdowns haben etliche Besucher das Angebot genutzt: „Die Verpflegung wurde selbst im Rucksack mitgebracht, es war nicht überrannt, man war aber trotzdem in der freien Natur.“ In den Sommermonaten habe sich nun auch die Auslastung der Quartiere gut entwickelt – inklusive Moorheilbad. Mit September und Oktober beginnt die Wandersaison eigentlich erst so richtig: Sie hoffe, dass diese beiden Monate noch gut werden, aber aufholen könne man das schwache Frühjahr trotzdem nicht, sagt Göll.

Ob der Trend zum Naturtourismus ein langfristiger ist? „Ich glaube schon. Generell hat sich gezeigt, dass man das Näheste oft am wenigsten kennt.“

Ein Fläschchen für jeden Besucher der Sonnenwelt

Viele Ausflüge finden in den Monaten April, Mai und Juni statt, sagt Großschönaus Bürgermeister Martin Bruckner. Das fiel heuer aus. Juli und August seien aber erfreulich verlaufen – mit mehr Individualtouristen. Gruppenbuchungen haben noch immer Seltenheitswert: „Die Unsicherheit ist enorm hoch.“ Zu Absagen von Reservierungen komme es immer noch. Aber: „Wenn die Besucher einmal bei uns sind, gibt es keine Verunsicherung mehr, aufgrund der Präventionsmaßnahmen.“ Jedem Besucher wird ein Fläschchen Desinfektionsmittel mit auf den Weg durch die Ausstellung gegeben, die interaktiven Angebote werden nach der Nutzung gereinigt.

Käsemacher profitierten von Individualgästen

Auch der Käsemacherwelt in Heidenreichstein fehlen die größeren Gruppen: „Allerdings muss man sagen, dass der Sommer mit den Individualgästen zufriedenstellend war“, sagt Geschäftsführerin Doris Ploner. Für die Rundgänge durch die Schaukäserei wurden die Gruppengrößen reduziert, es gilt Maskenpflicht. Bei den Verkostungen darf nicht mehr frei zugegriffen werden, die Häppchen werden von Mitarbeitern vorbereitet. Das Bewusstsein für regionale Produkte – so die Erfahrungen aus dem Verkauf – sei zuletzt jedenfalls gestiegen. „Ich hoffe ganz stark, dass auch jetzt im Herbst noch Ausflüge gemacht werden“, sagt Ploner.

Waldviertelbahn verbindet Ausflugsziele

Unter dem Wegfall der Reisegruppen litt man auch hier. „Bei den Individualgästen war es vielleicht sogar ein bisschen mehr. Die können den Wegfall der Gruppen aber nicht auffangen“, sagt Dienststellenleiter Herbert Frantes. An die gute Saison des Vorjahres hätte – betrachtet er die Stornierungen – durchaus angeknüpft werden können. Fahrten wie der Candle-Light-Train zum Litschauer Stadtfest oder der Zubringer zum Weitraer Bierkirtag fielen aus – weil es die Veranstaltungen nicht gab. Der weitere Saisonverlauf sei wetterabhängig, betont Frantes. An die Programm-Planung für 2021 gehe man dennoch optimistisch.