Bank-Shuttle bis Kommunalzentrum

Enttäuschung, Verständnis, und neue Ideen nach angekündigter Schließung von acht Raiffeisenbank-Filialen im Bezirk Gmünd.

Erstellt am 18. November 2021 | 05:32
Raiffeisen Symbolbild
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Foto: APA, Helmut Fohringer

Großes Echo gab es zur NÖN-Meldung über Umstrukturierungen in der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel: Sie lässt schon ab 15. Dezember acht Filialen auf und stellt in drei weiteren das Kassageschäft ein, um Personal freizuspielen, das die Spezialisierung an den Hauptstandorten vorantreiben und längere Öffnungs- sowie Beratungszeiten ermöglichen soll. Aus den betroffenen Gemeinden dringt Enttäuschung, aber auch Verständnis. Und: Vielerorts wird bereits über alternative Wege und Nachnutzungen nachgedacht.

In Dietmanns sieht Bürgermeister Erhart Weißenböck (ÖVP) etwa nun die Option, das frei werdende Banklokal für Vereine zu nutzen. Das Gebäude, in dem die Bank untergebracht ist, gehört der RBOW und der Marktgemeinde Großdietmanns. „Im unteren Geschoß ist die Bank, im oberen Geschoß der Kameradschaftsbund und die Dirndlweiber“, erklärt der Bürgermeister, der sich dafür einsetzen will, dass das Erdgeschoß zugekauft wird. „Dadurch könnte es für die Vereine einen zusätzlichen Platz geben“, betont er.

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Alois Strondl: „Wir werden die Räumlichkeiten wieder sinnvoll nutzen.“
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In der Nachbargemeinde Waldenstein ist die Raiffeisenbank-Filiale indes erst vor vier Jahren ins Gemeindeamt übersiedelt, hat Platz für Nahversorger Andreas Walenta gemacht. Auch wegen der Frequenz für den Nahversorger bedauert Bürgermeister Alois Strondl (ÖVP) die anstehende Schließung. „Für eine kleine Gemeinde ist es natürlich schade, wenn Infrastruktur verloren geht. Aber wir werden die Räumlichkeiten wieder sinnvoll nutzen“, sagt Strondl. Wofür, das stehe noch nicht fest.

Auch in Hoheneich spricht Bürgermeister Christian Grümeyer (ÖVP) von einem Infrastrukturverlust – insbesondere was die Geldabhebung am Bankomaten betrifft: „Wir sind noch am Überlegen, wie wir das ausgleichen könnten.“

Amaliendorf: Nachdenken über Bank-Shuttle

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Gerald Schindl: „In der Bank hat man jeden getroffen.“
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Dass eine Alternative zum Bankomaten nicht so einfach zu finden ist, stellt Bürgermeister Gerald Schindl (SPÖ) für Amaliendorf fest: „Ein Bankomat ist teuer. Würden wir das über die Gemeinde anbieten, würden wir mit Steuergeldern ein Bankunternehmen subventionieren.“ Das Aus der Filiale kommt hier wegen der nahenden Pensionierung des Mitarbeiters erst im März, dennoch beschäftigt Schindl schon jetzt, wie vor allem ältere Bürger künftig ihre Bankgeschäfte erledigen können: Er will im Gemeinderat einen Taxi-Dienst zu Bankfilialen der Umgebung vorschlagen. Mit der Raiffeisenbank gehe jedenfalls auch ein Treffpunkt verloren: „Dort hat man jeden gesehen.“

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Andreas Kozar wünscht sich Bankomat-Alternative für die Gemeinde Reingers.
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Alles andere als erfreut ist auch Andreas Kozar, ÖVP-Bürgermeister in Reingers : „Betriebswirtschaftlich verstehe ich es. Der Schritt ist aber schmerzlich und die Raiffeisenbank hat damit ihr Alleinstellungsmerkmal verspielt.“ Es gehe wieder ein Stück Infrastruktur verloren, es mangle auch an Unterstützung seitens des Landes: „Wir fühlen uns im Stich gelassen.“ Neben dem Kassengeschäft geht auch der Bankomat verloren.

Aber: Man denke an einen Ersatz beim Nahversorger der Familie Riedl in Leopoldsdorf. Die Bankfiliale war bei der Gemeinde eingemietet, Kozar sieht mehrere Möglichkeiten zur Nachnutzung. „Wir sind offen für alles, was die Zukunft bringt. Wenn sich sonst nichs ergibt, machen wir daraus eine kleine Wohnung.“

„Wochentags ist der Marktplatz praktisch tot“

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Karl Schraml denkt nach Bank-Schließung an ein Kommunalzentrum.
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In Eggern sei die Bankschließung ein weiterer Schlag nach der Schließung des Nahversorgers, ist Bürgermeister Karl Schraml (ÖVP) zerknirscht: „Wochentags ist der Marktplatz praktisch tot.“ Die Bevölkerung sei enttäuscht, weil Raiffeisen so schnell und übergangslos die Filiale im ihr gehörenden Gebäude schließe. Allerdings: „Der Großteil hat damit gerechnet, weil der Parteienverkehr wegen der eingeschränkten Geschäftszeiten natürlich zurückgegangen ist.“ Die Gemeinde denkt nun ein Kommunalzentrum an, in dem auch ein Nahversorger und eine Gaststätte untergebracht werden sollen. Er habe diesbezüglich schon Kontakt zu Landesrat Schleritzko aufgenommen, sagt Schraml.

Auch die Eisgarner sind enttäuscht. „Das hat man sich bei Raiffeisen sicher gut überlegt, es ist zu akzeptieren“, meint Bürgermeister Günter Schalko (ÖVP) aber. Nicht verstehe er, dass „der Platzhirsch“ sich in einer Zeit, in der es Zuzug in die Region gebe, zurückzieht, nachdem er sich bis jetzt „durchgewurstelt“ habe. Ihm sei zudem immer vermittelt worden, dass die Bankstelle Eisgarn gute Ergebnisse bringe.

Schalko: „Da verzichtet man sicher auf neue Kunden.“ Für Einwohner, die ihre Bankgeschäfte zu Fuß erledigt haben, gehe ein Stück gewohnte Lebensqualität verloren. Da die Bank in einem Privathaus eingemietet war, gebe es keine Berührungspunkte mit der Gemeinde bezüglich Nachnutzung der Räumlichkeiten.

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Peter Höbarth bedauert, dass auch die Automaten abgebaut werden.
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Auch in der Bevölkerung in St. Martin sei die Schließung ein großes Thema, betont der dortige Bürgermeister Peter Höbarth (ÖVP). „Schade ist der Verlust einer Bankstelle allemal. Es stimmt mich traurig, dass auch die technischen Einrichtungen im Foyer abgebaut werden“, sagt er: „Ich hätte mir für unsere Bevölkerung doch gewünscht, dass zumindest dieses Service bleibt. Jetzt gibt es die nächste Möglichkeit, schnell einmal Geld abzuheben, erst in Weitra.“

Wie es mit der Nachnutzung der Räume der Bankstelle aussehen wird, das sei noch unklar: „Das Haus gehört der Gemeinde und der Raiba.“ Gespräche dazu habe es noch nicht gegeben.

„Sie waren die Letzten, das muss man ihnen lassen“

Die Bankstellen in Brand, Bad Großpertholz und Großschönau verlieren den Schalter, bleiben aber wie berichtet als Beratungsstellen auch mit vollem Selbstbedienungs-Foyer und Bankomat erhalten.

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Franz Freisehner: „Gemeinde wird wieder vor vollendete Tatsachen gestellt.“
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In Brand-Nagelberg, der größten davon betroffenen Gemeinde, bringt es Bürgermeister Franz Freisehner (SPÖ) auf den Punkt: „Wieder wird die Gemeinde vor vollendete Tatsachen gestellt, kann überhaupt nichts ändern, und wieder geht etwas verloren. Aber die Raiffeisen-Manager sind die Letzten, die schließen – das muss man ihnen lassen.“ Als Trost sieht er auch, dass zumindest die Einzahl- und Bankomat-Funktion weiterhin vor Ort nutzbar ist.