Brennmaterial vor der Haustüre

Erstellt am 02. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 5 Min
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Die Nachfrage bei Fernheizwerken ist derzeit groß.
Foto: Nawaro
Im Bezirk Gmünd wird der Engpass bei Pellets spürbar, genauso wie die hohe Nachfrage bei Holz nach der Borkenkäfer-Katastrophe.
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Gänsehaut kommt bei vielen auf, wenn sie an den Winter denken – nicht nur wegen der für die Saison typischen Kälte, sondern wegen der gestiegenen Kosten für das Heizmaterial. Öl, Gas, Holz und Pellets kosten aktuell mitunter mehr als das Doppelte als noch vor einem Jahr – wenn man überhaupt noch Heizmaterial bekommt. Vor allem bei den Pellets wird es eng.

„Viele haben schon ihre Heizung getauscht und sind auf Pellets umgestiegen. Das haben noch sehr viele vor, aber heuer geht da nichts mehr“, sagt Günter Zaiser, Geschäftsführer im Raiffeisen-Lagerhaus Gmünd-Vitis: „Auch wir sind an unsere Grenzen gestoßen. Heuer können wir keine neuen Anlagen mehr montieren und installieren, wir sind ausgebucht.“

Die Förderkampagne „Raus aus dem Öl“ trage zur hohen Nachfrage bei, ebenso Sorgen, dass Öl oder Gas knapp werden könnten. „Die Aufträge werden sich ins kommende Jahr verschieben, wir gehen aktiv auf unsere Kunden zu. Preiszusagen können wir aber keine geben“, sagt Zaiser.

Heizmaterial kostet das Doppelte und Dreifache

Brennholz wird uns regelrecht aus der Hand gerissen, wir könnten gut 200 Euro pro Kubikmeter verlangen.“ Josef Gärtner Brennholzproduzent, Großpertholz

Hinsichtlich Pellets sei für August wieder ein Kontingent geliefert worden. „Damit versuchen wir, unsere Stammkunden und jene zu beliefern, die von uns eine neue Pelletsheizung bekommen haben. Vermutlich müssen wir unseren Kunden die Pellets in mehreren Tranchen zustellen“, denkt der Geschäftsführer. Mittlerweile ist im Lagerhaus der Pelletspreis auf über 500 Euro pro Tonne geklettert. Die Nachfolge nach Brennholz steige genauso, erklärt Zaiser: „Ich schätze, dass sich doch einige das Brennholz auf Vorrat legen.“

Bei der Franz Eigl GmbH in Zwettl – die Pellets in Rastenfeld produziert – stieg der Pelletspreis binnen eines Jahres von 220 auf zuletzt 494 Euro, das Heizöl von 77,40 auf 171,90 Euro pro 100 Liter (bei Mindestabnahme von 2.500 Litern). „Kein Lieferproblem gibt es beim Heizöl, auf Pellets müssen Kunden wegen der enormen Nachfrage bis zu einigen Monaten warten“, erklärt Robert Hahn. Den Preisanstieg begründet er auch durch gestiegene Preise bei Sägespänen und Strom. „Der Strombedarf ist bei der Pelletsproduktion sehr hoch“, betont er. Einen Engpass an Sägespänen – Eigl bezieht diese vom nahe gelegenen Sägewerk Steininger in Rastenfeld – gebe es nicht.

Mit weiteren Pelletsproduktionen in der Region dürfte es noch dauern. Nach dem Konkurs der Firma Yamuna, die in Gars Pellets produzierte und in Altweitra ein Werk errichtet, ist derzeit Insolvenzverwalterin Ulla Reisch mit dem Verkauf der beiden Anlagen beschäftigt: „Es gibt mehrere Interessenten, ein Kaufvertrag wurde aber noch nicht abgeschlossen.“

Ein Brennholzproduzent ist auch Josef Gärtner, der mit seiner Nordwald Energie GmbH das Heizwerk in Bad Großpertholz betreibt. Auch bei ihm ist die Nachfrage nach Brennholz gestiegen. „Das wird uns regelrecht aus der Hand gerissen, wir könnten gut 200 Euro pro Kubikmeter dafür verlangen“, sagt Gärtner, der den Brennholzpreis aber nur um 20 Prozent angehoben habe – für hartes, trockenes und ofenfertig geschnittenes Buchenbrennholz aus der Region.

„Bisher wurden wir immer wegen der angeblich hohen Kosten kritisiert. Jetzt sind wir aber recht, denn wir produzieren gesicherte Wärme“, schüttelt er den Kopf. Bei dieser Wärme sei die Teuerung überschaubar. Man gebe nur die Erhöhung des Biomasse-Indexes an Kunden weiter, der liege seit Juli bei 29,98 Prozent. Entsprechend groß sei die Nachfrage nach Neuanschlüssen. „Um die 160 Anschlüsse haben wir, unser Netz wird aktuell um zehn Anschlüsse erweitert, darunter sind auch Großkunden.“

An sich genug Brennholz, aber das dauert…

Die hohe Nachfrage beim Brennholz bestätigt Forstberater Josef Weichselbaum von der Bauernkammer. Das Problem sei, dass es ausreichend Brennholz gebe, das aber bis zu zwei Jahre trocknen müsse. „Die Waldbesitzer haben nicht mit einer derartigen Nachfrage gerechnet und daher in den vergangenen Jahren zu wenig Brennholz gemacht“, so Weichselbaum. Diese Verknappung führe zum Anstieg der Preise. Dass es generell zu einem Brennholz-Engpass kommen werde, schließt er aus: „Holz gibt es im Waldviertel ausreichend, viele Waldbesitzer haben noch Brennholz aus Zeiten der Borkenkäfer-Katastrophe.“

Fernwärme: „Nachfrage ist nachvollziehbar“

Wärme produziert auch die Fernwärme Waldviertel aus Vitis und Heizwerken unter anderem in Gmünd, Zwettl und Horn. „Unsere Preiserhöhungen nach dem Holzenergie-Index zwischen fünf und zehn Prozent sind überschaubar“, meint Obmann Martin Steiner. Die Werke werden mit Waldhackgut betrieben, das quasi vor der Haustür wächst. „Gäbe es im Waldviertel kein Waldhackgut, wäre das so, wie wenn die Saudis kein Öl mehr hätten.“

Die hohe Bereitschaft in der Bevölkerung, auf Fernwärme umzusteigen, sei nachvollziehbar – auch die Förderungen beim Umstieg von bis zu 5.000 Euro dürften verlockend sein. Die Fernwärme Waldviertel beliefert unter anderem EVN-Heizwerke in Gmünd, Waidhofen, Zwettl und Horn. Rund 130.000 Kubikmeter Hackgut werden jährlich geliefert. Derzeit wird auch das Fernwärmenetz in der Stadt Gmünd erweitert. Wie berichtet investiert die Kelag Energie & Wärme GmbH fast eine Million Euro. Die Wärme kommt vom Heizwerk im Access-Industrial-Park, das die G11-Gruppe betreibt.

Herausfordernd sei der Netzausbau in weniger dicht bebauten Gebieten allemal. „Anfragen gibt es extrem viele, aber es braucht auch Großabnehmer“, erklärt Andreas Nemeth von Kelag, aber: „Bei den teuren Energiepreisen rechnet sich aktuell vieles anders.“

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