Bus-Wirbel reißt nicht ab. Mutter berichtet von kollabiertem Mädchen auf Stehplatz. NÖN-Leser zeigt neuen „Schildbürgerstreich“ auf Route Gmünd-Freistadt-Linz auf.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 22. Dezember 2017 (04:15)
Wenig erbaut über den Umsteige-Platz Sandl-Schönberg sind auch SPÖ-Landesparteichef Franz Schnabl (links) und Konrad Antoni.
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Die Beschwerden nach dem Wechsel des Bus-Fahrplans per 10. Dezember reißen nicht ab. Auch vorige Woche wurde die NÖN von mehreren verärgerten Fahrgästen mit Problemen konfrontiert.

Eine Mutter berichtet von einem „total überfüllten“ Schulbus auf der Morgenverbindung Gmünd-Freistadt, in dem ein zum Stehen verurteiltes Mädchen „zusammengesackt“ und der Fahrer ohne zu helfen weiter gefahren sei. Schüler würden bereits über Anreisen in eigenen Fahrzeugen nachdenken.

Die Linie wurde im Herbst nach Protesten in der NÖN mit einem Doppeldecker-Bus bedient, mit dem Wechsel wurde aber wie berichtet – weil angeblich „maximal 20 Stehende“ registriert wurden – zum 50-Sitzer zurückgekehrt. Dort müssen nun, wie auch die Mutter schreibt, nun 20 bis 30 Schüler mit ihren Schultaschen jeweils 40 Minuten lang stehen.

„Wir arbeiten mit Steuergeldern, müssen ein Auge auf die Bedarfs- Gerechtigkeit haben.“ Georg Huemer (VOR) hält einen Wochenend-Bus Gmünd-St. Pölten für unfinanzierbar

Im Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) rudert Sprecher Georg Huemer nach Aussagen seiner Kollegin in der vorigen NÖN – sie hatte den Bedarf zum Aufstocken nicht unbedingt gesehen – zurück. Ein Stehen auf letzten Halten müsse akzeptiert werden, „auf einer so langen Strecke ist es aber nicht ideal“. Die Verbindung sei „Gegenstand von Evaluierungs-Gesprächen im VOR bzw. zwischen uns und den betreffenden Busunternehmen sowie Gegenstand engster Abstimmungsgespräche zwischen uns und dem OÖVV“. So werde die Option zur Kapazitäts-Ausweitung geprüft.

Auf einen „besonderen Schildbürgerstreich“ macht indes der Buspendler Alexander Wisbauer aufmerksam. Die bisher an allen Werktagen bediente Direktverbindung mit Abfahrt 16.22 Uhr in Freistadt und Ankunft 17.31 Uhr in Gmünd führt nun etwas später ab, beinhaltet ein Umsteigen in Sandl-Kohlstatt in die Linie 1332 und ein Ankommen um 17.50 in Gmünd. Das Kuriose: An schulfreien Werktagen – laut Plan erstmals in der nächsten Woche – fällt die Verbindung Freistadt-Sandl aus, der Bus von Sandl nach Gmünd fährt dann ohne Zubringer ab.

Auch dieses Problem soll laut VOR-Sprecher Huemer mit den OÖ Kollegen besprochen werden, wobei es aus seiner Sicht zwei Optionen gibt: Entweder bucht der VOR die in Oberösterreich scheinbar nicht als nötig erachtete Verbindung Freistadt-Sandl dazu, oder der VOR stellt die dann nicht bediente Linie Sandl-Gmünd an schulfreien Werktagen ein. Dazu soll rasch eine Abstimmung mit dem OÖ Verkehrsverbund her.

Nach mehreren NÖN-Exklusivbeiträgen über Probleme, die mit der Fahrplan-Umstellung in Kombination mit einer Neuausschreibung der Dienste in Oberösterreich einhergegangen waren, schalteten sich auch die NÖ Sozialdemokraten ein. Der Umstieg im Mini-Halt Sandl-Schönberg ohne WC und Licht sei, so SPNÖ-Parteichef Franz Schnabl, als „innerösterreichische, regionale Kleinkrämerei“ nicht mehr rational erklärbar. Gmünds SPÖ-Bezirksvorsitzender Konrad Antoni wertet den Stopp im Niemandsland als erstes Indiz dafür, dass „schwarz-blaue Koalitionen“ (wie sie in Oberösterreich besteht) „nicht funktionieren.“

Für den VOR hält Georg Huemer eine fünfminütige Wartezeit an dem Halt für „keine Tragödie“, überschneidende Verbindungen gebe es auch in andere Bundesländer, und teils müsse eben nach dem Planwechsel nachjustiert werden.

Wochenende: Weiter kein Bus nach St. Pölten

Die aufgrund der rasanten Direktverbindung nach Wien zunehmend zum Wohnsitz von Waldviertlern erkorene Landeshauptstadt wird indes auch mit dem neuen Plan an Wochenenden durch keinen einzigen Bus mit dem Bezirk Gmünd verbunden. Klagen an die NÖN häufen sich, weil die Strecke öffentlich an Wochenenden nur am Schienenweg bewältigbar bleibt – samt zweimaligem Umsteigen in bestenfalls 2:20 Stunden.

Lösung sieht VOR-Sprecher Huemer in dieser Angelegenheit allerdings zumindest noch keine. Ohne Schüler und mit nur wenigen Berufspendlern sei eine solche Verbindung „nicht optimal für ein Massen-Beförderungsmittel. Wir arbeiten mit Steuergeldern, müssen auch ein Auge auf die Bedarfs-Gerechtigkeit haben.“