„Die Menschen sind hungrig auf Kultur“. Auch im Bezirk Gmünd herrscht für Kulturschaffende und Veranstalter weiterhin Planungsunsicherheit. Vom Aufgeben ist trotzdem keine Rede, man wird aber vorsichtiger.

Von Johannes Bode und Anna Hohenbichler. Erstellt am 25. Februar 2021 (05:50)
Die Kulturbranche: Totgesagt? Oder hilft eine Notoperation? Wenn alles nach Plan läuft, sind Ferry Öllinger und Kristina Sprenger heuer in „Arthur & Claire“ im Hoftheater zu sehen.
Monika Fellner

Nun soll es doch keine Öffnungsschritte mit Anfang März für die Kulturbranche geben – frühestens ab Ostern soll es so weit sein, doch auch darüber herrscht Ungewissheit. Derzeit dürfen nur Museen und Galerien begrenzt Besucher empfangen. Doch auch das Kunstmuseum in Schrems ist noch zu: Der Saisonstart ist am 20. März geplant, unter dem Titel „Analog“ werden Keramiken zu sehen sein.

Auch Ende März geplant war „Nordic Grooves“, der Musikworkshop mit zahlreichen Konzerten in Heidenreichstein, dessen 10-jähriges Jubiläum 2020 schon einmal verschoben wurde. „Wir haben es gestern abgesagt, es ist nicht planbar. Wir brauchen das derzeit besetzte Volksheim, die Räumlichkeiten in den Schulen“, so Martin Schuster am Montag vor Redaktionsschluss. Das Festival sei auf Ostern hin konzipiert – also heißt es noch ein Jahr warten.

Online-Alternativen gebe es weder für Konzerte noch für Theater, meint Schuster, der auch bei der Bühne Heidenreichstein tätig ist: „Wir sind Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Natürlich werden wir überleben, wir machen das ja ehrenamtlich. Aber die Menschen sind bereits hungrig nach Kultur – nicht nur die Kultur verliebten.“

Theater ab Mai?

Das Waldviertler Hoftheater hält weiter an seinem geplanten Saisonstart im Mai fest: Zu sehen sein soll „Der Blunzenkönig“ mit Erika Deutinger und Gerhard Ernst. „Wir überlegen derzeit, die Premiere von 6. auf 12. Mai zu verlegen. Aber im Grunde ist Planen ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt Intendant Moritz Hierländer. Denn: „Theaterproduktionen brauchen ja viel Vorlaufzeit.“ Das Programm mit derzeit vier Eigenproduktionen und zahlreichen Gastspielen für 2021 sei komplett fertig, nur: „Wenn man eine Produktion verschiebt, betrifft das auch alle anderen.“ Unklar sei auch, wie viele Leute mit den neuen Abstandsregeln schlussendlich im Saal Platz finden können. „Selbst wenn dann nur mehr 30 bis 40 Zuseher möglich sind – wir haben ein spannendes Programm vor und wollen das umsetzen.“

Die Bühne Heidenreichstein hat ihre „Lenziade“ bereits verschoben: Ab 18. Juni soll mit „20.000 Meilen unter dem Meer“ heuer endlich „Das Jahr der jungen Bühne“ starten. „Wir wollen auf jeden Fall heuer spielen - das ist für den Verein und die Mitglieder wichtig“, so Rupert Wurz, neben Jürgen Hanisch (siehe auch Seite 79) einer der beiden künstlerischen Leiter der Bühne. Man lasse nun sogar einzelne Akteure mittels Videoeinspielung auftreten: „Bei dem Stück geht das, weil es auch viele Rollen gibt, die nur ein Mal vorkommen.“ So seien auch weniger Schauspieler bei den Proben anwesend. Bei der Sommerproduktion soll das Publikum dann ohnehin wieder im Freien Platz nehmen.

Kulturinitiativen: Programm wieder verschoben

„Wir mussten das komplette Frühjahrsprogramm absagen und in den Herbst bzw. ins nächste Jahr verschieben“, sagt Dieter Edinger von der Kulturwerkstatt Hirschbach. Mitte September soll es dort bestenfalls wieder losgehen. Gute Erkenntnisse dafür habe das Team schon bei zwei Veranstaltungen unter Covid-Bestimmungen im Vorjahr sammeln können, erklärt er.

Aber: Bei lediglich 100 Besuchern im eigentlich großen Vereinssaal komme nicht die gewohnte Stimmung auf. Maskenpflicht sieht er als unproblematisch, anders schätzt er negative Testergebnisse als Voraussetzung ein: „Ich glaube schon, dass die Leute dann abwiegen und überlegen, worauf sie verzichten können“, sagt Edinger – und fürchtet, dass der Kulturbereich den Kürzeren ziehen wird. Dabei seien auch viele andere Branchen von den Kartenverkäufen abhängig: „Man verliert vielleicht etwas, wovon man gar nicht gewusst hat, wie wichtig es für unsere Gesellschaft ist.“

Der Doppelauftritt von Kabarettist Thomas Stipsits in Gmünd, den die Kulturinitiative Gmünd (KIG) um Beatrix Vischer-Simon organisiert, wurde inzwischen auf 16. Oktober verschoben. Der Verein warte darauf, wieder aktiv werden zu können: Wenn die Rahmenbedingungen stehen, könne sie auch kleinere Veranstaltungen kurzfristig organisieren. Weil: „Die Künstler sind froh, wenn sie wieder Auftritte haben.“

Planungen richten sich auf wärmere Jahreszeit

Sie sei sehr vorsichtig geworden, sagt Conny Stütz, Organisatorin diverser Veranstaltungen in Weitra: „Die Unsicherheit ist eine große Herausforderung, man hängt ständig bei den Nachrichten. Die Kultur wird immer noch sehr vernachlässigt.“ Negative Tests als Voraussetzung könnten sich aber auch negativ auf den Vorverkauf auswirken und Karten erst kurzfristig gekauft werden, meint sie: „Wir sind aber teilweise auf den Vorverkauf angewiesen.“ Mit ihren Kulturacts will sie Mitte Mai im Rahmen eines Schlagerabends starten. Denn: „Ich hoffe, dass es im Sommer wieder besser wird.“

Der Verein „großARTig Großschönau“ muss seine Besucher auch von einem Termin auf den nächsten vertrösten. Schon im Jänner war ein Neujahrskonzert geplant, das soll nun Ende April stattfinden. Die Kinosaison mit preisgekrönten europäischen Filmen wurde vorerst abgesagt. Aber: „Wir überlegen, ob wir all diese Filme in einer Art Festival im Sommer nachholen“, sagt Obmann Josef Gratzl. Für Ende Mai ist ein Musikabend mit Willi Resetarits, Ernst Molden, Hannes Wirth und Walther Soyka angesetzt. Die Vorfreude ist allerdings getrübt: „Wir haben sehr viel Geld in Präventionsmaßnahmen investiert und hatten bisher keine Chance, trotz dieser Maßnahmen aufsperren zu dürfen“, ärgert sich Gratzl: „Es fehlen jegliche Einnahmen und die Sponsoren sind etwas vorsichtiger geworden. Wir werden heuer sehr vorsichtig kalkulieren und hoffen auf den Herbst.“