Ehrenamt im Sport: „Viele Arbeiten passieren im Hintergrund“

Erstellt am 05. Juli 2022 | 20:03
Lesezeit: 4 Min
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Über den Gemeinschaftsgedanken sollen beim ASV Schrems Menschen zur ehrenamtlichen Mitarbeit animiert werden. Zu Geburtstagen, Hochzeiten, Geburten und diversen anderen Anlässen stellt sich Sektionsobmann Claus Tampier (links) – hier im Bild mit Sohn Niklas und Jubilar Helmut Meindl – mit Geschenken ein. „Als Zeichen der Anerkennung“, wie der Obmann sagt.
Foto: privat
Der Funktionärsjob wird oft unterschätzt. Nicht nur Schrems-Obmann Claus Tampier wünscht sich mehr Anerkennung.
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„Im Grunde genommen ist es im Amateur-Fußball nicht anders als in einem Profi-Bereich“, sagt einer, der es wissen muss: Andreas Zinkel, Geschäftsführer beim 2. Liga-Klub Horn, war selbst jahrelang Funktionär im Unterhaus. Beim USV Nappersdorf war er als Obmann tätig. „Du musst die Leute bei der Stange halten, und das ist gar nicht so einfach. Machst du ein Fest, brauchst du 30 oder mehr Helfer – und dann können sich einige noch anpöbeln lassen, weil das Essen nicht warm genug ist. Es ist schwer.“

Zinkel spricht an, was im Unterhaus gang und gäbe ist: Oftmals bleiben heute die freiwilligen Helfer aus. Oder zumindest sind diese schwerer zu motivieren, als das noch früher der Fall war. „Oft kommt gleich einmal die Frage, ob denn etwas für die Tätigkeit bezahlt werde“, sagt Claus Tampier, Sektionsobmann des ASV Schrems, dem derzeit erfolgreichsten Fußball-Verein des Gmünder Bezirks. „Bei uns wird aber jeder Funktionärs- und Mitarbeiterjob nur ehrenamtlich erledigt.“ Tampier benutzt den Begriff der „ASV-Familie“. „Wir unternehmen viel, damit sich die Menschen bei uns wohlfühlen.“

Das betreffe auch die Spieler und vor allem die Jugend. „Wir haben einen Raum mit einer Play Station, einen Fitnessraum, der auch privat genutzt werden kann, einen Whirlpool. Wir möchten, dass die Spieler auch nach dem Training, oder nach dem Spiel noch da bleiben.“ Dass der Funktionärsjob unterschätzt wird, weiß er: „Viele Arbeiten passieren im Hintergrund, wo man die Arbeit gar nicht sieht.“ Wie viel zum Beispiel ein Kassier oder ein Buchhalter tatsächlich arbeiten, sieht ja niemand.“

Heute haben die Kinder ein wesentlich höheres Angebot an Freizeitaktivitäten. Manche machen drei, vier Dinge nebeneinander.“ mario prohaska Obmann SC Amaliendorf über die Schwierigkeit, Nachwuchs an den Verein zu binden.

Er selbst war in verschiedenen Funktionen tätig, ehe er 2018 Obmann wurde. „Ich wurde quasi ins kalte Wasser gestoßen.“ Das sei auch oft ein Grund, warum manche Funktionärs-Tätigkeit kürzer dauert, als erwartet. „Daher wollen wir den Leuten Zeit geben, dass sie sich auf ihre Funktion einstellen können.“ Corona und die langen Sport-Pausen hätten hier auch gute Seiten gezeigt: „Als Gemeinschaft sind wir sicher zusammengerückt.“

„Bin für alle Anliegen da“

Als Obmann hat Tampier eine Vorbild-Funktion. „Ich bin für alle Anliegen da, nehme auch an jeder Sitzung teil – egal, ob es um die Kampfmannschaft, den Nachwuchs oder die Infrastruktur geht. Man muss auch gewisse Dinge delegieren, sollte aber dennoch über alles innerhalb des Vereins Bescheid wissen.“ Das alles nehme auch sehr viel Zeit in Anspruch. Dass der Altersdurchschnitt der Funktionäre hoch ist, gibt ihm zu denken: „Gerade deswegen ist es wichtig, jungen Leuten eine Mitarbeit schmackhaft zu machen.“

Das sieht auch Mario Prohaska, Obmann des SC Amaliendorf so. Bei ihm beginnt das Problem bereits bei den Kindern, die an den Verein gebunden werden können. „Früher gab es nur Fußball. Heute haben die Kinder ein wesentlich höheres Angebot an Freizeitaktivitäten. Manche machen drei, vier Dinge nebeneinander.“ Dadurch „falle“ auch weniger für den Fußballverein ab, wodurch es von Beginn an weniger Interesse für die Kicker gebe. Prohaska sieht bei seinem Verein aber einen Vorteil: „Wir haben eine gute Gemeinschaft, wo es Spaß macht, etwas miteinander zu bewegen.“

Top aufgestellt bezüglich „Ehrenamt“ sind die Volleyballer der URW Waldviertel. „An die 35 Personen sind immer dabei, wenn wir sie brauchen“, kann Manager Werner Hahn auf ein erprobtes Stammpersonal zurückgreifen. „Bei uns werken alle ehrenamtlich.“

Das Erfolgsgeheimnis? „Man muss den Menschen die Begeisterung vorleben – und man muss jeden richtig einsetzen. Es bringt ja nichts, wenn jemand etwas macht, bei dem er keine Freude hat. Jeder Helfer ist wichtig, für jeden braucht es ein offenes Ohr vom Verein.“

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