Ein Drittel mehr Covid-Patienten, erste OPs vertagt

Entwicklung in Waldviertler Spitälern nimmt Fahrt auf. Meldungen über Todesfall nach in Gmünd abgelehnter Behandlung.

Erstellt am 24. November 2021 | 04:34
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Das Gmünder Spital versorgt aktuell die meisten Covid-Patienten des Waldviertels, vier davon belegen bereits Intensivbetten.
Foto: Michael Schwab

Als der vierte bundesweite Lockdown verkündet wurde, da war der vorläufige Höhepunkt der Covid-Pandemie im Gmünder Bezirk sogar schon leicht überschritten. Der Sonntag stach mit 102 Neuinfektionen aber wieder hervor – wenngleich die Neuinfektionen an den beiden Tagen zuvor bei 51 bzw. 59 lagen. 588 Personen galten am Montag als aktuell an Covid-19 erkrankt, 1,62 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die „7-Tage-Inzidenz“ lag bei etwa 1.320, gleichzeitig haben alleine am Montag 80 Personen ihre Quarantäne beendet und gelten als „genesen“. Die Zahl der Todesopfer war auf 72 geklettert. Ein Todesfall nach verweigerter Behandlung im Spital sorgte besonders für Betroffenheit.

Etwa 60 Prozent der aktuell an Covid-19 Infizierten des Gmünder Bezirkes sind laut Bezirkshauptmann Stefan Grusch nicht geimpft, das setze sich im Spital und bis zu den Todesfällen fort. Je drei Coronatote wurden ihm zufolge im Oktober und bis zur Ausrufung des Lockdowns am Freitag auch im November im Bezirk registriert.

Der Todesfall eines ungeimpften Pensionisten aus dem Gmünder Bezirk macht vielfach fassungslos, wenngleich die Causa auf NÖN-Nachfrage weder von der Behörde, noch von der Landesgesundsheitsagentur bestätigt wird. Auch aus seriösen Quellen wird aber von einem 71-jährigen Covid-Positiven berichtet, der die Gefahr des Virus selbst nach Einlieferung ins Landesklinikum Gmünd abstritt, das Personal beschimpfte und eine Beatmung ablehnte. Mittels Revers habe er das Spital trotz eindringlicher Warnungen wegen zu geringer Sauerstoff-Sättigung im Blut auf eigenes Risiko hin verlassen – zwei Tage später verstarb er.

Impf-Appell aus den Waldviertler Kliniken

Insgesamt waren per 21. November laut Landesgesundheitsagentur 59 Covid-Patienten in den Waldviertler Spitälern in Behandlung, ein Drittel mehr als am Sonntag davor. Auch in den Intensivstationen ging die Belegung nach oben – von sechs auf neun. Anfang November waren es erst 22 Covid-Patienten gewesen, davon einer in Intensivbehandlung.

Gerüchte über erste Operationen auch in der vierten Welle, die vertagt werden mussten, bestätigt Sprecher Thomas Schmallegger: In Abstimmung mit betroffenen Patienten müssten für die Deckung der erforderlichen Personal- und Bettenressourcen „aufgrund der massiv steigenden Fallzahlen an Covid-Fällen und der damit verbundenen Notwendigkeit, weitere Kapazitäten in unseren Kliniken für die Versorgung von Covid-positiven Patienten aufzubauen“, fallweise wieder „elektive, planbare Eingriffe“ verschoben werden. Kapazität binde zudem eine saisonbedingt steigende Anzahl an Aufnahmen mit internistischen Erkrankungen. Aber, so Schmallegger: Aktuell „notwendige Eingriffe werden wie bisher durchgeführt.“

Generell kommt aus den Waldviertler Kliniken eine „dringende Empfehlung“ zur Erst-, Zweit- oder „Boosterimpfung“: Mitarbeitende in Kliniken, Pflege- und Betreuungszentren, Kollegen im niedergelassenen Bereich und in der mobilen Pflege würden nicht nur im beruflichen Umfeld teils schwere Schicksale erleben, heißt es in einem Statement: „Trotz der langen Dauer der Krise sind sie noch immer bereit, oft über die eigenen Belastungsgrenzen die Versorgung für die Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Die Impfung bietet die Möglichkeit, Erkrankung und vor allem auch schwere Verläufe zu verhindern und ist aus unserer Sicht der einzige Weg in Richtung Normalität.“

Impfzentrum: Starker Zustrom übers Wochenende

Das Zivilschutzzentrum im Heli-Hangar im Access-Industrial-Park Gmünd wurde mit 10. November wieder zum fixen Impfzentrum des Landes NÖ mit täglichem Betrieb, bis NÖN-Redaktionsschluss am Dienstag nahmen genau 3.599 Personen die Möglichkeit wahr – der stärkste Zustrom war mit 404 Impfwilligen am 20. November, am Sonntag waren es 353.

Das Impfzentrum kann montags bis freitags jeweils von 14 bis 19, samstags und sonntags von 9 bis 14 Uhr aufgesucht werden, für Personen mit Termin ist jeweils eine Stunde länger geöffnet.

Infos dazu unter: http://www.impfung.at