Erstellt am 19. Januar 2017, 04:06

von Markus Lohninger und Karin Pollak

Einwohner-Bilanz: Bevölkerungszahl leicht rückläufig. Wieder leichtes Minus nach der Trendwende im Jahr 2015 trotz Geburten-Steigerung. Aber Zuwächse in Gmünd, Litschau & Heidenreichstein.

Heidenreichstein: Plus dank Asyl.  |  waldviertelnord.at

Wieder leicht rückläufig war die Entwicklung der Einwohnerzahl im Bezirk Gmünd im vorigen Jahr, nachdem es 2015 erstmals seit Jahrzehnten ein Einwohner-Plus gegeben hatte: Mit 37.555 Hauptwohnsitzern lag der Bezirk – wie eine Erhebung der NÖN unter allen Gemeindeämtern ergab – zum Jahreswechsel leicht unter dem Stand Ende 2015 (37.622).

Bemerkenswert war, dass neben einem Rückgang der Sterbefälle die Zahl der Geburten erstmals seit mehreren Jahren wieder anstieg – und zwar gleich um 15 Prozent von 266 auf 305.

 „Wir bemühen uns nach bestem Wissen und Gewissen, gute Voraussetzungen zu schaffen.“

SPÖ-Bürgermeister Karl Harrer kann sich das Schrumpfen von Schrems nicht erklären 

Das Einwohner-Minus wurde von insgesamt zwölf der 21 Gemeinden im Bezirk verursacht – der Rest verzeichnete teils kräftige Zuwächse (Heidenreichstein +35, Hoheneich +31, Hirschbach +26). Auf der anderen Seite mussten mit Großdietmanns (-33), Waldenstein (-27) und Großschönau (-24) drei Gemeinden nach jahrelang guten Entwicklungen massive Einbußen hinnehmen.

Und in Schrems , einst größte Gemeinde im Bezirk, geht die Talfahrt in der Einwohner-Statistik weiter. 2016 endete mit 19 Einwohnern weniger als es begann, der Schwund binnen fünf Jahren ist hier mit Abstand der größte im Bezirk (vor Brand-Nagelberg mit -66 und Hoheneich mit -59): 150 Hauptwohnsitzer gingen seit Ende 2011 verloren, mit 5.487 Einwohnern liegt Schrems inzwischen recht deutlich hinter Gmünd (5.523).

„Wir bemühen uns nach bestem Wissen und Gewissen, gute Voraussetzungen zu schaffen. Wir sind mit Arbeitsplätzen immer noch gut bedient, haben praktisch in allen Ortschaften freie Bauplätze, und in Zusammenarbeit mit Genossenschaften entsteht auch laufend neuer Wohnraum“, sagt Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ): „Neue Wohnmöglichkeiten werden auch voll genützt.“ Das „Junges Wohnen“-Projekt in der Josef-Widy-Straße ist als erstes im Bezirk ausgebucht, eine zweite Anlage soll wie berichtet im ehemaligen Bergkindergarten entstehen. Auch der Wohnpark steht vor einer Vergrößerung. Einzig in der Katastralgemeinde Langschwarza sind die letzten freien Baugrundstücke bereits weg, Harrer: „Wir sind dran, neues Bauland zu erschließen.“

Kirchberg verlor 44 Einwohner.  |  waldviertler-stadtland.at

Den größten Verlust musste Kirchberg hinnehmen (-44 auf 1.327 Einwohner). Der Hauptgrund liegt für VP-Gemeindechef Karl Schützenhofer in der Flüchtlings-Situation: Deren Zahl sei von 36 auf etwa zehn zurückgegangen, „viele ziehen weg, sobald sich die Möglichkeit ergibt. In einer kleinen Gemeinde ist es für sie schwer, Deutschkurse zu organisieren oder einen Job zu bekommen.“ Der Wegzug an sich sei nicht gravierend, der Abgang erfolge anhand der negativen Geburtenbilanz auch „durch Gottes Hand“.

Schützenhofer sieht seine Gemeinde als guten Ort zum Leben: „Wir haben mit Schule, Kindergarten, Nahversorger, je einem praktischen Arzt, Zahnarzt, Orthopäden und Internisten eine gute Infrastruktur – müssten das für stärkeren Zuzug aber besser vermarkten.“ Neues Bauland soll am Ortsrand von Kirchberg, in Süssenbach, Hollenstein und Weißenalbern erschlossen werden. Die leidige Frage „Sanierung oder Neubau Kindergarten“ soll im ersten Halbjahr entschieden werden, wobei der Bürgermeister auf einen Neubau mit drei Gruppen und Nachmittags-Betreuung drängt. Impulse erhofft er sich von der anstehenden Inbetriebnahme des neuen Firmengeländes von KL-Lufttechnik, „ich hoffe, dass der Eine oder Andere aus der Gemeinde hier Beschäftigung finden kann.“

+14 Einwohner gibt es in Gmünd.  |  Karl Tröstl

„Nicht erklärbar“ sind für Bürgermeister Alois Strondl (ÖVP) minus 27 Hauptwohnsitzer in der nun 1.189-Seelen-Gemeinde Waldenstein , zumal sich auch die Zahl der Geburten von zwölf auf sechs halbierte. Bauflächen sind in allen Ortschaften verfügbar. Frei sind auch Genossenschafts-Wohnungen, und zur optimalen Betreuung des Nachwuchses wird heuer der Neubau des Kindergartens begonnen.

Auch Reingers und Weitra verloren – obwohl in der Braustadt gleich neun Geburten mehr als im Jahr 2015 verzeichnet wurden – jeweils 13 Hauptwohnsitzer (Weitra: jetzt 2.702).

In Großdietmanns führt ÖVP-Bürgermeister Johann Weissenbök die Entwicklung auf fehlenden Wohnraum und die Parksituation in Wien (Parkpickerl nur für Hauptwohnsitzer) zurück, letztere ziehe laufend junge Menschen ab. „Das wird zunehmend zum Problem. Der Bezug zur Heimat bleibt, abgewanderte Hauptwohnsitzer fehlen den Herkunftsgemeinden aber finanziell“, sagt er – Ertragsanteile über den Finanzausgleich werden nämlich nur für Hauptwohnsitzer ausgezahlt.

Die lange Wartezeit auf den Start des Junges/Betreutes-Wohnen-Projektes habe zudem bereits mehrere Einwohner gekostet, sagt Weissenbök: „Interessierte ziehen weg, weil sich dort nichts tut. In einer Woche mussten wir drei junge Wohnungs-Suchende vertrösten.“ Das Argument der beteiligten Siedlungsgenossenschaft, das Interesse sei zu gering, sieht er nicht, „wir hatten bereits so viele Bewerber, dass das Haus schon zweimal voll sein könnte.“

Die Stadtgemeinde Litschau , die Ende 2014 nur vier Einwohner von Großdietmanns getrennt war, wuchs 2016 wieder um fünf Hauptwohnsitzer – genau jene Zahl, die es gegenüber 2015 mehr an Geburten gab.

Schrems: -150 Einwohner seit 2011.  |  Markus Lohninger

Ebenfalls auf der Gewinnerseite steht die Gemeinde Hirschbach , die als zweitkleinste Kommune im Bezirk um 24 auf 596 Hauptwohnsitzer wuchs. SPÖ-Bürgermeister Rainald Schäfer: „2016 kamen neun Flüchtlinge, zudem gab es Zuzug aus anderen Bundesländern und relativ starke Bauaktivität – von den vor wenigen Jahren aufgeschlossenen Gründen wurden 2016 fünf verkauft, die heuer bebaut werden dürften.“ Das Bauland werde allmählich knapp, neue Bauplätze werden gesucht. Aber, so Schäfer: „Das ist gar nicht einfach – in wirtschaftlich ungewissen Zeiten ist ein Grund auch eine gute Wertanlage.“ Die Lebensqualität werde durch den baldigen Breitband-Anschluss kräftig aufgewertet, freut er sich.

Konsolidiert hat sich indes die Bezirkshauptstadt Gmünd . 2016 wuchs die Einwohnerzahl – auch dank mehr Geburten als 2015 (+13) – auf 5.523 Hauptwohnsitzer (+14). Gmünd hat in den jüngsten fünf Jahren um stattliche 146 Hauptwohnsitzer zugelegt und ist in dieser Bilanz die klare Nummer eins im Bezirk vor Heidenreichstein (+52) und Moorbad Harbach (+39).

 „Wir hatten bereits so viele Bewerber, dass das Haus schon zweimal voll sein könnte.“

ÖVP-Bürgermeister Johann Weissenbök versteht die lange Wartezeit auf Junges/Betreutes Wohnen in Dietmanns nicht 

Heidenreichstein gewann nach dem Tiefpunkt 2013 – als samt Nebenwohnsitzern die 5.000er-Marke unterschritten wurde – wieder 35 Haupt- und sieben Nebenwohnsitzer dazu. Die Erklärung dafür liegt nach Ansicht von SPÖ-Bürgermeister Gerhard Kirchmaier primär im Flüchtlings-Zustrom: „Vor allem Familien sind auch nach Erhalt der Aufenthalts-Bewilligung geblieben.“ Kindergarten und Schulen erfreuen sich, so Kirchmaier, steigender Zahlen, stabile Betriebe würden teils zusätzliche Arbeitskräfte einstellen und damit auch Ansiedelungen fördern.

Vor allem in den Edlau-Gründen wäre genug Platz – bis dato steht dort kein einziges Haus. „Oft braucht es einen Ersten, der den Stein ins Rollen bringt“, ist der Stadtchef optimistisch.