Eltern als Spaßkiller beim Kicken. Probleme nicht am Platz, sondern vor und nach den Spielen.

Von Maximilian Köpf und Mathias Schuster. Erstellt am 13. März 2019 (04:00)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrand vergessen das oft.

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der NÖ Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Das Kernziel: Erwachsene Sportplatzbesucher an ihre Vorbildfunktion zu erinnern.

Das scheint bitter nötig, denn der Ton wird auch im Waldviertel rauer. „Grundsätzlich sind wir hier aber noch auf einer Art Insel der Seligen“, betont Thomas Höbarth, seit fast neun Jahren Nachwuchsleiter beim SC St. Martin.

„Es kommen schon mal Emotionen hoch. Die gehören ja auch dazu. Die lassen sich aber genauso schnell wieder beruhigen.“ Ähnlich formuliert es Jürgen Prüfer, von 2010 bis 2018 Nachwuchsleiter beim ASV Schrems und jetzt gerade wieder interimsmäßig: „Grobe Schimpfereien oder Raufereien, wie es sie anderswo schon gibt, davon sind wir im Waldviertel weit entfernt.“

LAZ-Leiter: „Da ist teils richtiger Hass dabei“

Ein anderes Bild zeichnet Helmut Lamatsch, Leiter der Zwettler Vorstufe des LAZ Waldviertel: „Da ist teilweise richtiger Hass dabei. Eltern beflegeln sich gegenseitig. Sie werden immer verständnisloser und haben dabei selbst so wenig Ahnung.“

Das Schiri-Urgestein Fritz Laschober meint, 95 Prozent seien in Ordnung, Zwischenfälle habe aber auch er miterlebt: „Gemeinsam mit den Betreuern beider Teams hatten wir das aber schnell im Griff.“ Eine umsichtige, überaus faire Spielleitung sei gerade im Nachwuchsfußball sehr wichtig.

Die NÖFV-Aktion begrüßen alle. „Grundsätzlich ist jede Maßnahme, die gesetzt wird, um den Druck zwischen Betreuern, Kindern und Eltern zu vermindern, gut“, sagt Jürgen Prüfer. „Obwohl einem schon der Hausverstand sagen sollte, dass man Kinder am Platz nicht anplärrt…“, betont Andreas Blauensteiner, Obmann der Jugendhauptgruppe Waldviertel. Er würde Eltern überhaupt vom Spielfeldrand verbannen.

„Der Trainer sagt ‚Mach dies!‘, der Papa sagt ‚Mach das!‘. Dazwischen steht ein Kind, das die Lust am Fußball verliert.“Andreas Blauensteiner, Obmann der Jugendhauptgruppe Waldviertel

Problematisch werde es, wenn sich diese in die Arbeit der Trainer einmischen. Blauensteiner: „Der Trainer sagt ‚Mach dies!‘, der Papa sagt ‚Mach das!‘. Dazwischen steht ein Kind, das die Lust am Fußball verliert.“

Wie groß der Nagel ist, den man mit diesem Thema bei den Vereinen im Bezirk auf dem Kopf trifft, lässt sich an den Antworten ablesen – es gab keine. Trotz Nachfragen bei mehreren Vereinen. Niemand möchte Öl ins Feuer gießen. Nur unter der Hand erfährt man von immer mehr Eltern auch im Bezirk Gmünd, die meinen, ihr Kind werde der nächste Lionel Messi und verdiene deshalb eine Sonderbehandlung. Gibt‘s diese nicht, stecken die Eltern das Kind nicht selten einfach in einen anderen Verein, wo es dann so weitergehe.

Dass Fußball ein Teamsport ist, bleibe immer mehr auf der Strecke. Dass die Nachwuchstrainer ihre Funktion ehrenamtlich machen, ebenso.

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