Fahrradsaison gestartet: Radeln beliebt wie nie zuvor. Händler freuen sich zwischen den Lockdowns über eine hohe Nachfrage, Vereins-Radeln ist aber schwierig.

Von Werner Grubeck. Erstellt am 07. April 2021 (05:03)
Walter Katzenbeisser aus Heidenreichstein freut sich schon auf die neue Fahrrad-Saison.
F. Dangl, F. Dangl

Dass die warme Jahreszeit mit großen Schritten näher rückt, war um Ostern an den Temperaturen nicht wirklich zu erkennen. Aber auf den Straßen sind allmählich wieder mehr Radfahrer unterwegs. Wie sehr „boomt“ das Fahrrad im Gmünder Bezirk heuer eigentlich?

Aus alt mach neu. Thomas Schindler, Betreiber von „Radfuchs“ in Gmünd, sieht eine gesteigerte Nachfrage seit dem Vorjahr: Das habe man gleich nach dem ersten Lockdown gemerkt. „Gekauft wird alles – vom City-Bike über Mountainbikes und Rennräder bis zu den E-Bikes“, sagt er. Die hohe Nachfrage nach Rädern habe er auch vorige Woche – also vor dem aktuellen Lockdown – noch gespürt.

Während der Fahrradhandel geschlossen ist, hat die Fahrradwerkstätte übrigens geöffnet. Auch dort hat Thomas Schindler in den vergangenen Monaten Spannendes beobachtet: „Es wurden viele ältere Räder reaktiviert, die zum Beispiel schon seit zehn Jahren im Keller gestanden sind.“ Was beim Rad nach der Winterpause jedenfalls gemacht werden sollte? Bremsen, Bremsbelege und Kette checken, rät der Fachmann. Und: Schauen, ob die Reflektoren der StVO entsprechen und die Beleuchtung funktioniert. Der Radneukauf sollte hingegen auf die Bedürfnisse und Verwendungsgebiete abgestimmt sein – und erst nach umfangreicher Beratung stattfinden.

Probefahren ganz kontaktlos. Radfahren ist angesagt – und ganz besonders die Fortbewegung per E-Bike. Dementsprechend groß ist auch die Nachfrage. Das freut Walter Katzenbeisser, der mit seinem Fachgeschäft in Heidenreichstein diesem Trend Rechnung trägt: „Wir haben schon vor Saisonbeginn Bestellungen getätigt und es treffen laufend neue Modelle in allen Preisklassen ein, wobei der Trend momentan eher zu qualitativ hochwertigen E-Bikes geht“, erklärt er: „Die Stärken des Fachhandels offenbaren sich dann natürlich in der persönlichen Beratung, dem fachgerechten Service oder auch an Ratschlägen, mit denen kleine Servicearbeiten selbst erledigt werden können.“

Vor allem nach dem „Winterschlaf“ empfiehlt der Fahrrad-Profi ein kleines Service, bei dem sicherheitsrelevante Teile und Einstellungen genau gecheckt und gewartet werden. Wenn auch derzeit der Geschäftsgang etwas eingeschränkt ist, so bietet der Fachhandel kontaktlose Beratung via Telefon oder Chat an. Probefahrten oder Leihräder können kontaktlos bereitgestellt werden. Auch das Radservice ist kontaktlos möglich: „Wir halten uns strikt an die Verordnungen, wollen aber gleichzeitig den Kunden die Möglichkeit zum Probefahren oder Kaufen, streng an die geltenden Regeln angepasst, geben“, erklärt Walter Katzenbeisser, der allen Widrigkeiten zum Trotz optimistisch in die neue Fahrradsaison startet.

Bleiben Verbesserungen im Radverkehr auf der Strecke? Die Pandemie hat im vergangenen Jahr persönliche Treffen weitgehend unterbunden – das war auch bei der Gmünder Radlobby so. Obwohl es ohnehin kaum gemeinsame Ausfahrten gebe, wirke sich die Pandemie vor allem auf die Kommunikation aus, erklärt Kristin Harrich: Gespräche mit der Stadtgemeinde Gmünd seien dadurch schwieriger geworden und auch innerhalb der Gruppe können Ideen mangels Zusammenkünften nicht so leicht wachsen.

Durch das Homeoffice und weniger Einkaufsfahrten bleiben zudem weniger Gelegenheiten fürs Alltagsradeln. Dass das Interesse am Radfahren steigt, merke auch sie, sagt Harrich: „Ich denke aber, dass es hier am Land ein genereller und langfristiger Trend ist, der weniger mit Covid zu tun hat.“ Niederösterreichweit hat sich die Mitgliederzahl der Radlobby in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Wesentlich wichtiger seien aber Investitionen in die Radinfrastruktur, um den Trend zu einem nachhaltigen zu machen, betont sie. Auf der Agenda der Gmünder Radlobby steht heuer vorerst das Radparken.

Es juckt schon in den Beinen. Helmut Mölzer, Obmann des Radvereins „Gmünder Radritter“, sagt: „Ich bin ständig in Kontakt mit einem Großteil der etwa 25 aktiven Mitglieder. Angesichts des frühlingshaften Wetters juckt es schon jeden, das Bike in Bewegung zu bringen, was auch bei vielen schon der Fall ist. Alle halten sich an die Corona-Verordnungen, machen entweder alleine oder maximal zu zweit kleinere Touren in der Umgebung.“ Die Ausfahrten nach Tschechien, die wegen der geografisch ebenen Radwege sehr beliebt sind, fehlen. Aber: „Mich freut es, dass noch keiner unserer Mitglieder den Spaß am Radfahren verloren hat und niemand aus dem Verein Austrittsgedanken gehegt hat“, sagt Mölzer.

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