Fasten ist mehr als nicht essen. Viele Menschen nutzen die Auszeit vom Essen, um sich etwas Gutes zu tun und innere Kraftquellen zu finden.

Von Martina Hofer. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:19)
Moorheilbad Harbach
Moorheilbad Harbach

Mit Aschermittwoch beginnt für viele das alljährliche Ritual der 40-tägigen Fastenzeit. Während einige aus religiösen Hintergründen fasten, nutzen andere die Zeit für den bewussten Verzicht auf bestimmte Lebens- und Genussmittel.

Ausgewogene Ernährung ist der strikten Fastenkur vorzuziehen, sagt Diätologin Birgit Müllauer vom Moorheilbad Harbach.
Moorheilbad Harbach

Diätologin Birgit Müllauer vom Moorheilbad Harbach: „Es gibt unterschiedliche Beweggründe fürs Fasten. Zum einen die Stärkung von Seele und Geist und zum anderen eine Gewichtsreduktion. Fasten kann ein Wendepunkt sein, um mit alten Gewohnheiten zu brechen, aber es ist nicht dazu geeignet, um möglichst schnell viel Gewicht zu verlieren.“

Wer eine Fastenkur antreten möchte, solle dies nur unter ärztlicher Kontrolle machen, da Fasten gesundheitliche Risiken nach sich ziehen könne, etwa Kreislaufbeschwerden. Bereits vor der Fastenkur solle ein Arzt kontaktiert werden, um abzuklären, ob aus medizinischer Sicht Einwände bestehen. Während des Fastens sollten bestimmte Parameter wie der Herzrhythmus beobachtet werden, um bei Komplikationen rechtzeitig gegensteuern zu können. Um das Körpergewicht nachhaltig zu normalisieren und die Gefahr des Jo-Jo-Effekts zu vermeiden, empfiehlt Müllauer eine langfristige Ernährungsumstellung in Kombination mit ausreichend Bewegung.

Vorab Ziele definieren

Eine weitere Möglichkeit bietet das Intervallfasten nach der Methode 16:8. Dabei wird 16 Stunden am Stück nichts gegessen. In den restlichen acht Stunden des Tages kann man sich wie gewohnt ernähren. In dieser Zeit empfiehlt sich eine ausgewogene Ernährung. „Es ist eine sehr gute Sache, da dadurch die Zellerneuerung aktiviert wird und ‚überschüssiger Zellmüll‘ entsorgt wird“, sagt Müllauer. In der Fachsprache wird dieser Effekt „Autophagie“ genannt. Auf diese Weise sei es durchaus möglich, neue Energie zu erlangen und sich fitter zu fühlen.

„Wenn man sich entscheidet, bestimmte Lebensmittel in der Fastenzeit zu meiden, sollte man sich vorab bewusst werden, welches Ziel man erreichen möchte“, erklärt Diätologin Elisabeth Maringer vom Herz-Kreislaufzentrum. Dabei betont sie: „Wir erfüllen einen medizinischen Auftrag und dabei sind Fastenkuren nicht sinnvoll. Wir legen den Fokus auf eine gute Versorgung mit Mikro- und Makrostoffen.“

Auch Kollegin Magdalena Hohl sagt, dass eine Fastenkur mit Nahrungsverzicht immer ärztlich abgeklärt werden soll, um keine Nachteile daraus zu ziehen. Prinzipiell könne jeder gesunde Erwachsene fasten, bei bestimmten Personengruppen wie zum Beispiel Schwangeren, Stillenden oder Kindern bis zum 14. Lebensjahr, wird jedoch generell von längerer Nahrungskarenz abgeraten. Auch bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten solle von Fastenkuren ohne ärztliche Abklärung Abstand genommen werden.

Durch eine dauerhaft niedrige Energiezufuhr sei der Körper unterversorgt und der Grundumsatz sinke. Wer abnehmen möchte, solle seine Ernährung dauerhaft umstellen. Gezielte Essenspausen würden helfen, den Insulinspiegel zu senken und somit Fettverbrennungsphasen zu schaffen. Dafür genüge es jedoch, vier bis sechs Stunden zwischen den Mahlzeiten auf Nahrung und gesüßte Getränke zu verzichten.

Trends in der Gastro in der Fastenzeit

Gastronom Josef Hag bietet im Hopferl in Gmünd keine speziellen Gerichte in der Fastenzeit an, sagt aber: „Im Frühling wird weniger Fleisch und mehr Fisch gegessen. Die leichte Küche wird bevorzugt und ist eine willkommene Abwechslung am Speiseplan.“

Das Gea-Hotel Schrems bietet jeden Tag vegetarische Speisen an. Geschäftsführer Heini Staudinger berichtet, dass zunehmend mehr Gäste wegen der variantenreichen, vegetarischen Menüs kommen würden. Auf die Frage, ob dies mit der Fastenzeit zusammenhänge, verneint er im NÖN-Gespräch allerdings.

Zeit von Umkehr und Neuwerden

Nicht nur der Organismus entledigt sich beim Fasten von überflüssigen und krankmachenden Stoffen, auch die Seele wirft Ballast ab. Viele Fachleute wissen um die heilsame und segensreiche Wirkung des Fastens, nicht nur bei ernährungsbedingten, sondern auch bei lebensbedingten Krankheiten.

Für Dechant Herbert Schlosser ist die Fastenzeit eine Zeit, in der man wieder näher zu Gott rückt. „Es ist gut, dass im Jahreskreis nicht immer alles gleich ist“, sagt der Geistliche. „Es gibt eine Zeit der Freude und eine Zeit für die ernsten Dinge im Leben. Zeiten, in denen man das Leben auskostet und Zeiten, in denen man sich besinnt und sich bewusst macht, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht wie uns.“

Schlosser verweist auf die traditionelle Fastenaktion der Diözese St. Pölten, durch die kirchliche Hilfsprojekte in Österreich, Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt werden. Die Fastenwürfel, die in den Pfarren ausgetragen werden oder in der Kirche aufliegen, sollen dazu ermuntern, in den Wochen vor Ostern den eigenen Lebensstil zu reduzieren und diese Ersparnis Notleidenden zu spenden. „Die Fastenzeit ist eine Zeit des Teilens und eine Zeit für das Gebet. Man kann auch Zeit teilen mit Menschen im eigenen Umfeld oder mit der Familie.“

Gmünd: „Fastenbrote“ für den guten Zweck

In der Pfarre Gmünd-Neustadt gibt es heuer wieder die „Fastenbrote“ der Bäckereien Döller und Pilz. Die eigens für diese Aktion gebackenen Brote können in der Fastenzeit nach den Sonntagsgottesdiensten gekauft werden.

Die Bäckerei Pilz wird wie im Vorjahr ihre Körnerbrote, die speziell auf die Bedürfnisse von Fastenden abgestimmt sind, die ganze Fastenzeit über im Geschäft anbieten. Die Bäckerei Döller stellt die Natur-Sauerteig-Brote für die Aktion wieder für die Sonntage zur Verfügung. Der Erlös dieser Aktion geht heuer an eine Familie oder mehreren Familien aus Gmünd.

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