Frauen im Bezirk: Ein großes Vorbild, dem erst wenige folgten

Erstellt am 12. Juni 2022 | 04:28
Lesezeit: 3 Min
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Die Politikerin Anna Körner war vielen ein Vorbild in Sachen Gleichberechtigung. Sie verstarb 2007.
Foto: Stadtarchiv Gmünd
Gmünd stellte mit Anna Körner Vorreiterin in Gleichstellung von Frauen in Niederösterreich. Bezirkshauptfrau gab es noch keine.
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Am Foto des Gmünder Gemeinderates sind heute 29 Mitglieder zu sehen, gut ein Drittel davon ist weiblich. Genauso wie in Schrems – dort sind die 29 Mandate lediglich mit sechs Frauen besetzt – ist Luft nach oben, trotzdem hätte sich in beiden Städten vor einigen Jahrzehnten ein anderes Bild gezeigt. Ein historischer Blick auf Frauen in wichtigen Funktionen im Bezirk.

Ein Name darf dabei freilich nicht fehlen: Anna Körner zog 1950 für die SPÖ als erste Frau in den Gmünder Gemeinderat ein, zwei Jahre zuvor hatte sie die Funktion der Bezirksfrauen-Vorsitzenden der SPÖ übernommen. 1958 wurde sie schließlich Stadträtin. Körner wurde auch auf Landesebene zur Vorreiterin. 1954 kam sie als SPÖ-Abgeordnete in den niederösterreichischen Landtag, 1970 zog sie als erste Frau in die Landesregierung ein. Dort war sie für die Bereiche Gesundheit und Soziales zuständig. Zudem brachte sie sich im SPÖ-Bundesparteivorstand ein, war Landespartei-Vorsitzende und zweite Präsidentin des NÖ Landtages.

Als Anna Körner 2007 verstarb, würdigte sie auch der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll: „Mit ihrem Wirken hat sie vielen Frauen den Weg in die Politik geebnet.“ Vielen war Körner ein Vorbild, ihr Weg gilt als Meilenstein für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen trat in Österreich 1918 in Kraft. Es dauerte 92 Jahre, bis im Bezirk eine Frau an der Spitze einer Gemeinde stand: Margit Göll wurde 2010 für die ÖVP Bürgermeisterin von Moorbad Harbach.

Bis auf zwei weitere Beispiele blieb das Amt aber auch nachher fest in männlicher Hand. In der Bezirkshauptstadt Gmünd ist Helga Rosenmayer (ÖVP) seit 2015 Bürgermeisterin, in Bad Großpertholz war es Martina Sitz (ebenfalls ÖVP) von 2019 bis 2020. Dafür hat der Bezirk aktuell einige Vizebürgermeisterinnen: Stefanie Lendl (Reingers), Eva Houschko (Eisgarn), Renate Biedermann (Eggern), Margit Weikartschläger (Heidenreichstein), Claudia Allram (Amaliendorf-Aalfang) und Petra Zimmermann-Moser (Weitra). In die oberste Verwaltung hat es noch keine Frau geschafft: Bisher hatte Gmünd nur Bezirkshauptmänner.

Aber in anderen Bereichen wurde es vor allem in den vergangenen Jahren weiblicher: 2019 hat Barbara Dienstl als erste weibliche Primarärztin die Leitung der Chirurgischen Abteilung am Landesklinikum Gmünd übernommen, Doris Schreiber ist seit 2020 an der Spitze der Wirtschaftskammer und im vergangenen Februar ging Helga Zimmermann aus Amaliendorf als erste Feuerwehrkommandantin in die Bezirks-Geschichte ein.

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