Gastro-Legende rüttelt auf: Ärger um Lkw in Ortskern. Hundertfache Reaktionen auf Wut-Schreiben Karl Kaufmanns. Schleritzko kündigt 100.000-Euro-Investition in Lichtanlage an – und Info zu Umfahrungsplan.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 12. November 2019 (17:04)
Nicht seltenes Bild: Es staut an der Engstelle zwischen L66 und L68 im Ortszentrum von Kirchberg.
NOEN

Wohin mit dem ungeliebten Schwerverkehr? Diese Frage verbindet große Teile des Waldviertels – genauso die häufigste Antwort: „Nicht zu uns!“ In Gmünd und eské Velenice mit massivem Holztransport durch die Zentren wird seit Jahren (mit mäßigem Erfolg) dagegen vorgegangen, in Kirchberg platzte am Wochenende nach Jahren der Lkw-Lawinen aus drei Hauptrichtungen in den Ortskern der Gastro-Legende Karl Kaufmann der Kragen.

„Sofortige Maßnahme erforderlich“. In einem Beitrag, der auf Facebook vielfach mit wütenden Kommentaren bestätigt wurde, beklagt er eine „untragbare Verkehrssituation“, Kirchberg werde im Viereck Gmünd-Nagelberg-Schrems-Zwettl seit Jahren von Pkw- und Schwerverkehr überrollt. Täglich würden mehrere hundert Lkw und mehrere tausend Pkw etwa bei der Engstelle an der Marktplatz-Ausfahrt mit Kindern und Einwohnern zusammentreffen. Wegen dramatisch zunehmender Holztransporte sei eine „sofortige Maßnahme erforderlich“: Er sieht die Politik am Zug.

Verbot in Aussicht. In der Gemeinde sprachen sich VP und SP mehrmals gegen den Lkw-Schwerverkehr im 500-Seelen-Ort, Ullrichs und Fromberg aus. SP-Vorsitzender Werner Fischer pflichtet Kaufmann auch jetzt bei, politisch sei „nahezu alles ausgeschöpft“. Er schlägt die Bildung einer Bürgerinitiative vor. Bürgermeister Karl Schützenhofer (VP) spricht indes von einer bestehenden Vereinbarung mit dem Land NÖ, wonach die Durchfahrt für ortsfremden Schwerverkehr verboten werde, sobald die Ausweichroute über Vitis und Zwettl ausgebaut ist.

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B36-Umfahrungen als Basis für Entlastung. Genau dort spießt es sich. Die B2 zwischen Schrems und Vitis bleibt vorerst bei zwei Spuren, Fahrten durch Langschwarza und Großrupprechts. Über Pläne für die Dörferkette an der B36 zwischen Vitis und Großhaslau vor Zwettl berichtete die NÖN erstmals vor 15 Jahren. Für heuer wurde immerhin die Umweltverträglichkeitsprüfung für eine 8,5 km lange Umfahrung mit angedachten zwölf Brücken und drei Anschlussstellen angekündigt, der Start des bei Kosten von über 40 Millionen Euro verorteten Projektes werde 2021 erwartet. ÖVP-Landesrat Ludwig Schleritzko hatte schon vor Kaufmanns Schreiben für Mitte dieser Woche neue Infos zum Planungsstand angekündigt, die NÖN wird berichten.

Lichtanlage soll Besserung bringen. Zur Entlastung sei an der Engstelle an der Marktplatz-Ausfahrt jedenfalls noch für heuer die Schaffung einer Gegenverkehrs-Regelung mittels Lichtsignal geplant, heißt es auf NÖN-Nachfrage aus dem Büro Schleritzko: „Damit soll sich eine Entspannung bei kritischen Verkehrs-Situationen bei der Begegnung zweier Lkw ergeben.“ Etwa 100.000 Euro sind dafür eingeplant. Karl Schützenhofer verspricht sich „auf jeden Fall eine Besserung. Sobald ein Fahrzeug in der Engstelle ist, erscheint für die anderen ein Stopp-Signal. Staus sollen durch maximal 45 Sekunden Stehzeit vom Marktplatz raus verhindert werden.“

Kaufmann kontert: Das schaffe noch mehr Rückstau ins Zentrum. Er fordert Umfahrungen, Verkehrszählungen und sofortigen Zwang zumindest für Leertransporte auf den Umweg über Vitis. Bürgermeister Schützenhofer: „Dort sind ebenfalls Ortsdurchfahrten mit noch stärkerem Verkehr als bei uns. Unsere Lkw dort durchzuschicken, nur damit wir unsere Ruhe haben, wäre auch nicht in Ordnung.“