Geduld gefragt: Kritik an Corona-Test. Weitraer ließ sich in Salzburg operieren. Kein Corona-Test in der Heimat.

Von Markus Lohninger und Karin Pollak. Erstellt am 10. September 2020 (05:34)
Foto: CDC-Alissa Eckert, Dan Higgins
ZVG

Besondere Zeiten bieten besondere Herausforderungen. So erzählt ein Pensionist aus Weitra am NÖN-Telefon von einer wahren Rosskur am Weg zum Coronatest im Vorfeld einer planmäßigen Operation.

Für eine OP bei einem Spezialisten in einem Salzburger Spital, mit dem er bereits sehr gute Erfahrungen gemacht habe, hatte er neben anderen Voruntersuchungen einen maximal drei Tage alten Coronatest mitzubringen. Zwei Mediziner aus dem Gmünder Bezirk – einer aus dem Lainsitztal, einer aus dem Großraum Gmünd – seien vom Hausarzt als Coronatester genannt worden, „beide waren zugleich im Urlaub“.

In den Landeskliniken Gmünd und Zwettl sei er abgelehnt worden, diese würden nur hauseigene Patienten testen. An der Hotline 1450 sei er nach 58 Minuten in der Warteschleife am Tonband gelandet. Also habe er sich bei der Apotheke wegen eines Gurgeltests erkundigt: 180 Euro für das Testset plus 120 Euro für die Auswertung eines Ergebnisses mit zweifelhaftem Aussagewert waren ihm dann zu viel.

Kroatien-Heimkehrern seien kostenlose Tests nachgeschmissen worden, zuhause sei aber ein verlässlicher Test mitunter unmöglich, klagt der Pensionist.

„Es gibt einige Ärzte im Bezirk Gmünd, die freiwillige Tests anbieten" Christoph Preißl

Bezirkshauptmann Stefan Grusch verweist allerdings auf Nachfrage auf die Drive-In-Station in St. Pölten, bei der man nicht einmal das Auto verlassen müsse. „Das ist etwas weit weg, aber man kann einen Drive-In nicht in jedem Bezirk machen, weil er mit Kosten etwa für das Fachpersonal verbunden ist und eine Transportlogistik für das Labor aufrecht erhalten werden muss.“ Der Drive-In in Zwettl habe mangels Nachfrage gestoppt werden müssen, ist aber seit der Vorwoche wieder aktiviert worden. Laut NÖN-Recherche werden hier aber nur jene Personen getestet, die mit Corona-Erkrankten in Kontakt waren.

Seitens der Behörde könne ein Test etwa im Zuge des „Contact Tracing“ angeordnet werden, für freiwillige Tests könne normal jederzeit über 1450 ein Termin organisiert werden. Praktische Ärzte könnten freiwillig testen, es gebe aber keine Verpflichtung, betont Grusch.

„Es gibt einige Ärzte im Bezirk Gmünd, die freiwillige Tests anbieten. Die Ärztekammer Niederösterreich informiert darüber auf ihrer Homepage“, gibt Bezirksärztevertreter Christoph Preißl bekannt (siehe Infos unten). Er selbst führt diese Tests durch, die vor allem jene Personen in Anspruch nehmen, „für die das Gesundheitssystem keine Tests vorsieht“, meint Preißl. Das seien vorwiegend Reiserückkehrer, aber es gab auch schon Personen, die als Filmkomparsen arbeiten wollten und dafür einen aktuellen Coronatest benötigt haben.

Externe sollten sich an niedergelassene Labore wenden Philipp Hebenstreit

Allen, die einen Operationstermin haben und dafür einen Coronatest brauchen, rät Preißl, sich frühzeitig mit dem jeweiligen Krankenhaus dazu in Verbindung setzen. „Dort, wo operiert wird, gibt es auch diese Tests.“

Das wird auch seitens des NÖ Sanitätsstabes bestätigt: „Es ist vorgesehen, dass der OP-Freigabe-Test bei geplanten, stationären Eingriffen in jenem Klinikum gemacht wird, in dem die tatsächliche Behandlung durchgeführt wird. Externe sollten sich an niedergelassene Labore wenden“, erklärt Pressesprecher Philipp Hebenstreit gegenüber der NÖN.

Letztendlich habe das dann auch der Weitraer Pensionist gemacht. Das Salzburger Spital habe den Test schließlich am 24. August, dem Tag seiner „Einrückung“ im Krankenhaus auch vorgenommen, die Kosten dafür übernahm die Krankenkasse.

Übrigens: Die OP ist am 25. August erfolgreich vonstatten gegangen. „Mit etwas gutem Willen und weniger Bürokratie geht vieles“, meint der Weitraer.