Hundehaltergesetz: Sind neue Regeln nötig?. Tierfreunde im Bezirk Gmünd sind zufrieden mit FP-Landesrat Gottfried Waldhäusls Forderungen, jedoch werden auch die Grenzen der zusätzlichen Gesetze gesehen.

Von Sebastian Dangl, Kerstin Oberbauer und Karin Pollak. Erstellt am 29. Juli 2020 (04:49)
Im Hundeclub Schrems ist man um einen sicheren Umgang mit den Vierbeinern bemüht, wie hier bei einem Veranlagungstest für Junghunde.
Ferry Gutlederer

Immer mehr Menschen schaffen sich einen vierbeinigen „Besten Freund“ an. Damit das Zusammenleben harmonisch und problemlos verläuft, soll nach den Plänen von FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl die Hundehaltung in Niederösterreich reformiert werden (siehe Seite 2). Die NÖN hat sich im Bezirk umgehört, wie man dazu steht.

Landtagsabgeordnete und Hundebesitzerin Margit Göll sieht die ohnehin guten Regelungen in Niederösterreich, aber auch die Reformen, vor allem bei großen Hunden, positiv. Besonders wichtig sei ihr aber die Aufklärung und Vorbereitung von zukünftigen Hundehaltern. „Vielen ist nicht bewusst, was es bedeutet, einen Hund zu haben, wie viel Zeit man investieren muss und welche Eigenschaften die verschiedenen Rassen haben“, meint Göll. Dadurch liege bei Fehlverhalten des Hundes das Problem oft auf der anderen Seite der Leine.

Mehr Hunde im Tierheim sieht die Hundebesitzerin durch die neuen Maßnahmen nicht: „Leider kommt es oft genug vor, dass Hunde unüberlegt angeschafft werden und dann im Tierheim landen“. Einen dieser Hunde, nämlich dem Jack Russel Terrier Taylor, hat Margit Göll ein Zuhause gegeben.

Zur überlegten Haftpflichtversicherung meint sie, dass diese sowieso jeder verantwortungsvolle Hundehalter habe. „Viele Hunde haben bei ihren Besitzern ein gutes Leben, einige werden leider aber auch vernachlässigt“, meint Göll. Ob die neuen Regeln die Sicherheit erhöhen, ist noch unklar.

Kaum Polizeieinsätze wegen Hunde

„Bei uns im Bezirk gibt es sowieso nicht viele Vorfälle mit Hunden“, erzählt Chefinspektor Alois Strondl vom Bezirkspolizeikommando. Kleinere Einsätze oder Verletzungen durch Hunde gäbe es zwar ab und zu, jedoch seien diese nicht wirklich nennenswert.

Johann Fritz aus Weitra züchtet seit mittlerweile 30 Jahren Jagdhunde der Rasse „Deutsch Langhaar“. Für ihn ist eine Ausweitung des niederösterreichischen Hundehaltegesetzes nicht erforderlich. „Die Beratungsgespräche führe ich schon immer mit interessierten Hundehaltern durch. Die Ausbildung von Jagdhunden ist top“, betont Fritz, der sich das neue Herrl oder Frauerl für seine Hunde immer genau anschaut. „Ich informiere mich im Vorfeld über diese Personen und mache mir bei einem persönlichen Gespräch dann selbst ein Bild.“ Dass der Hundehalter mit dem Vierbeiner von Johann Fritz Kurse absolvieren muss, ist auch im Kaufvertrag fixiert. „Außerdem bin ich mit den Hundebesitzern laufend in Kontakt“, so Fritz, der seine Hunde bis Deutschland und Finnland verkauft.

Im Hundeclub Schrems herrschen noch ambivalente Gefühle den Reformen gegenüber. Ausbildungsleiter Markus Mayer meint, dass Beratungsgespräche zumindest für erstmalige Hundebesitzer Sinn machen. „Man merkt, dass viele die Signale ihres Hundes nicht lesen können und bessere Information ist an sich keine schlechte Sache.“ Trotzdem ist er den Reformen, vor allem der Sachkundepflicht gegenüber noch recht kritisch eingestellt. „Sachkunde alleine kann nicht verhindern, dass ein Hund zubeißt.“ Das Problem liege an der mangelhaften Einhaltung und auch Kontrolle der Hundehaltergesetze sowie der Leinen- und Beißkorbpflicht. „Die meisten Hundebisse passieren in Familien mit Kindern“, erklärt Hundeclub-Geschäftsführer Robert Müller. „Die Menschen müssen lernen, Kinder nicht mit Hunden allein zu lassen und vor allem die Zeichen des Hundes deuten zu können.“

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