Karfreitag: Was, wenn das Schule macht?. Regierung reagierte am Dienstag auf Proteste. Wirtschaft hatte mit „halber Lösung“ wenig Freude.

Von Karin Pollak. Erstellt am 27. Februar 2019 (04:11)
F. Dangl
Für Erich Redl stehen noch weitere Feiertagsdebatten an.

Der Karfreitag sollte infolge einer Regelung der türkis-blauen Regierung ein halber Feiertag werden. So weit der Plan bis Dienstag – an dem alles wieder gekippt wurde. Viele Details bleiben offen, dementsprechend gedämpft ist die Stimmung in der Wirtschaft.

„Da diese Entscheidung sehr kurzfristig getroffen worden ist, haben wir noch nicht entschieden, wie wir damit umgehen werden“, zeigte Thomas Graf von der Firma Eaton mit Sitz in Schrems vor dem Dienstag auf. Bei Eaton gibt es mehrere Schichtmodelle. So gibt es Schichten, bei denen auch an Feiertagen gearbeitet wird - natürlich mit entsprechenden Zulagen. Andere Schichten können die Feiertage halten.

"Generell finde ich, dass sich die Gesellschaft in Österreich bereits sehr viel Freizeit gönnt"

Bei Fertigteilhausbauer Elk mit Sitz ebenfalls in Schrems war man bezüglich des halben Feiertages in intensiver Abstimmung mit der Wirtschaftskammer. Man hätte die nächsten Schritte, so Geschäftsführer Thomas Scheriau, erst anhand der gesetzlichen Details setzen können.

Bei Leyrer+Graf ging man davon aus, dass die Entscheidung umgesetzt werde. Der Karfreitag fällt hier heuer in die „kurze Woche“, an der die komplette Belegschaft am Freitag sowieso frei hat. Feiertage wirken sich laut CEO Stefan Graf insofern aus, als die Wochenarbeitszeit durch dementsprechend reduziert wird. „Generell finde ich, dass sich die Gesellschaft in Österreich bereits sehr viel Freizeit gönnt“, merkt Graf an.

Die Handelsketten Rewe und Spar kommentieren die Entscheidungen auf Regierungsebene angesichts unklarer Details noch nicht. Fakt sei aber, dass der Karfreitag einer der stärksten Einkaufstage im Jahr sei, heißt es von Rewe. Dort hoffte man auf eine Regelung, die Mehrkosten für das Unternehmen verhindert.

Die Probleme, die die Debatte insgesamt nach sich ziehen kann, zeigt Bäckermeister Erich Redl aus Heidenreichstein auf. „Was tun wir, wenn es bei allen Hauptfeiertagen aller Glaubensrichtungen so gehandhabt wird, wird dann überhaupt noch gearbeitet werden?“ Redls Ansicht nach sei der EU-Entscheid nämlich ein „Vorzeigeurteil“, das bis zu 50 Feiertage bringen könnte.

Über ein Bild reden, den Rahmen thematisieren

Außerdem könne es bei den Wochenendzuschlägen nochmals zu Extraausgaben für die Arbeitgeber kommen: „Die Araber haben den Sonntag am Freitag, die Juden den Sonntag am Samstag. Wann wird dann der Wochenend-Zuschlag fällig?“, fragt sich Redl, der die „Zweiklassengesellschaft“ auch beim niederösterreichischen Landesfeiertag am 15. November (Leopold) verweist. „Dass nur gewisse Berufsgruppen an diesem Tag frei haben, spricht auch gegen das Gleichheitsprinzip.“ In seiner Bäckerei selbst hätte der halbe Feiertag am Karfreitag nur seine Gattin und eine Verkäuferin betroffen, die Backstube ist bereits um 14 Uhr geschlossen.

Das ist auch in der Bäckerei von Katrin Pilz in Gmünd so. „Wir haben ja an Feiertagen und Sonntagen geöffnet und zahlen dafür die erforderlichen Zuschläge, das wird am Karfreitag-Nachmittag also auch so sein“, so Pilz, für die die Feiertagsregelung ein „Ich möchte, aber ich kann nicht“ war.

Für Dechant Herbert Schlosser aus Schrems war diese Lösung ebenfalls nur ein für keine Seite zufriedenstellender Kompromiss. Ihn stört an der gesamten Diskussion vor allem, dass niemand den eigentlichen Grund dieses Tages, nämlich den Tod von Jesus Christus, anspricht: „Das ist, wie wenn ich über ein Bild rede, aber nur den Rahmen thematisiere.“ Schlosser hat auch einen Lösungsvorschlag bereit: „Am einfachsten wäre ein Feiertagstausch: Den Karfreitag frei, dafür den Oster- oder Pfingstdienstag arbeiten. Das würde auch die Kinderbetreuung erleichtern.“

Derartige „Schnellschüsse“ seitens der Regierung könnten einen „Schwanz nachziehen“. Denn: „Wir sind ja nicht nur Christen, auch Moslems und Juden werden auf ihre Feiertage drängen, und das zurecht.“