Erstellt am 18. Januar 2017, 02:37

von Markus Lohninger

Kritik: Sonderschulen vor dem Aus?. Gegenwind nach Vorstoß von Ministerin Hammerschmid. Göll: „Zusammenlegung wäre respektlos.“

Direktorin Maria Schandl: „Wäre schade um diese Schulform.“  |  aso-gmuend.schulweb.at

Geht es nach Bildungsministerin Sonja Hammerschmid, so gehören Sonderschulen bald der Vergangenheit an. „Mittelfristig“ sei es gemäß UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen das Ziel, „dass wir keine Sonderschulen mehr brauchen“, so die SPÖ-Ministerin. Bereits im Jahr 2020 sollen Sonderschulen in „inklusiven Mittelschulen“ aufgegangen sein.

Im Bezirk Gmünd erntet sie dafür wenig Applaus. Man sei mit der bereits gelebten Inklusion von Kindern mit Behinderungen in normalen Schulklassen auf einem guten Weg, sagt etwa die Landtags-Abgeordnete und Bezirksobfrau im Gemeindevertreterverband (GVV) der ÖVP, Margit Göll. „Viele Kinder mit besonderen Bedürfnissen benötigen aber einfach andere Rahmenbedingungen und Lehrer mit spezieller Ausbildung“, sagt Göll, aus der die Erfahrung aus mehr als zwei Jahrzehnten in Kindergärten spricht: „Einige Kinder können nicht sitzen, andere halten den Trubel einer großen Schulklasse nicht aus. Es bringt nichts, wenn es dem Kind dabei nicht gut geht.“

"Ein gemeinsamer Unterricht wäre kein Nachteil"

Derzeit sei etwa ein Mädchen mit einer schweren Form der Epilepsie an einer Sonderschule im Bezirk, in einer gewöhnlichen Klasse hielte Göll das für „unvorstellbar“. Eine pauschale Zusammenlegung hält sie daher für einen Rückschritt in Sachen Integration und „respektlos gegenüber behinderten Kindern.“

Karl Harrer, Schremser Bürgermeister und GVV-Bezirksobmann der SPÖ, ist nicht gegen den Vorstoß seiner Genossin Hammerschmid. „Ein gemeinsamer Unterricht für alle Kinder wäre wahrscheinlich kein Nachteil. Kinder verstehen es, wenn es auch Kinder mit gewissen Handicaps gibt. Sie lernen, dass es auch etwas Anderes gibt“, sagt Harrer.

Personalbedarf würde deutlich ansteigen

Aber: Es müsse für Kinder mit und ohne Behinderung gewährleistet sein, dass die Qualität des Unterrichts nicht darunter leide. Und: „Es bräuchte auf jeden Fall deutlich mehr Personal an den Schulen. Ich fürchte, dass das wieder die Gemeindebudgets belastet.“

15 spezifisch geschulte Lehrer und sieben von den Gemeinden finanzierte Stützkräfte werden derzeit für 45 Kinder an den beiden Sonderschulen des Bezirkes in Gmünd und Schrems beschäftigt, sie arbeiten in insgesamt acht Klassen. In Weitra besuchen etwa ein Dutzend Kinder zwei der Volksschule angeschlossene Klassen mit eigenem Personal. Verteilen sich die Kinder künftig auf weit mehr Schulklassen, dann steigt der Bedarf nach Pädagogen und Stützkräften exponentiell an.

Maria Schandl leitet die beiden Sonderschulen im Bezirk und das Sonderpädagogische Zentrum in Gmünd für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf aus allen Teilen des Bezirkes. Diskussionen über die Zukunft der Sonderschulen sind für die Direktorin nichts Neues mehr, zur aktuellen Debatte beschränkt sich ihr Wissensstand aber auf das, was sie aus Medien erfuhr.

„Es wäre schade um diese Form der Schule. Wir arbeiten gut, fördern unsere Schüler – ich finde, dass wir zurecht bestehen“, sagt sie jedenfalls auf NÖN-Nachfrage: „Kommen Schließungen, dann bedarf es funktionierender Konzepte für die anderen Schulen.“ Und eben mehr Personal. Deswegen macht sie sich auch um die Zukunft des Personals keine Sorgen, der Bedarf bleibe ja auch weiterhin. Schandl: „Ich mache mir eher Sorgen um die Kinder, die derzeit in Kleingruppen zwischen sechs und zwölf Personen – teils auch weniger – gefördert werden können. In größeren Gruppen wird das schwieriger.“

Sonderschulen werden derzeit ausschließlich auf Elternwunsch hin besucht. Noch können sie in Rücksprache mit Pädagogen selbst entscheiden, was sie als beste Förderung für ihr Kind empfinden.

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