Medizinische Versorgung: Situation ist angespannt

Praktiker aus dem Bezirk Gmünd klagen über mangelnden Impfstoff und zusätzliche Belastungen abseits der Hausarzt-Aufgaben.

Erstellt am 18. November 2021 | 05:24
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Vor einem Monat begrüßte Ralf Österreicher (rechts) Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner in seiner neuen Ordination. Aktuell sei die Lage „frustrierend“, sagt er.
Foto: Archiv/ml

Während das Impfzentrum im Access-Industrial-Park wieder den täglichen Betrieb aufgenommen hat, gibt es andernorts Frust in Zusammenhang mit Impfungen gegen Covid-19: Der vor Kurzem ins Healthacross-Gesundheitszentrum übersiedelte praktische Arzt Ralf Österreicher bietet hier Covid-Impfungen an. „Ich wollte im mittelgroßen Rahmen impfen, habe inzwischen die nötige Infrastruktur mit Anmeldemöglichkeiten, zusätzlichem Personal und Ressourcen geschaffen“, erzählt er. Und nun? Er sehe sich damit konfrontiert, dass Impfstoff abgezogen werde, der ihm eigentlich zugesprochen wurde.

Einige bevorzugen Impfung in der Ordination

Österreicher spricht von etwa 500 Personen, die er für die nächsten Wochen eingeplant hat. Noch reiche der Impfstoff. „Aber wie lange noch? Wir haben Termine eingeplant und wissen nicht, ob wir dem nachkommen können“, sagt er: „Sonst werde ich die Patienten wohl ins Impfzentrum schicken müssen“, sagt er. Das wollte er eigentlich vermeiden – immerhin gebe es Menschen, die die Impfung in einer Arzt-Ordination bevorzugen. Für ihn ist das nachvollziehbar: „Es ist meine tiefste Überzeugung, dass das Impfen Sache des Hausarztes ist.“ Er verstehe nun, warum Praktiker-Kollegen das Impfen in der Ordi eingestellt haben.

Bei Ralf Österreicher habe es Anfang November ein „kleines Problem“ mit der Erfassung seiner Termine gegeben, heißt es von Notruf NÖ: „Jeder Arzt bekommt zusätzlich zum vollen Kontingent aller möglichen bei ihm buchbaren Termine auch noch die doppelte Anzahl an Impfstoff, wie vom Kontingent vorgesehen gewesen wäre.“ Es sei niemandem Impfstoff „weggenommen“ worden.

Im Gmünder Impfzentrum wurden zwischen 10. und 15. November 1.294 Personen geimpft. Seit Montag gibt es auch wieder fixe Impftermine, buchbar über Notruf NÖ. „Wer einen Termin hat, kommt pünktlich dran“, betont Koordinatorin Bettina Weiß. Aktuell wird Biontech/Pfizer gespritzt – die Drittimpfung können sich aber auch Personen holen, die zuvor mit mRNA-Impfstoffen anderer Hersteller geimpft wurden, sagt Weiß: „Das ist kein Problem.“

Die Gesamtsituation im Gesundheitsbereich sei „frustrierend“, sagt Praktiker Österreicher. Er ist einer von wenigen Ärzten, die in Ordinationen kostenlose PCR-Tests anbieten. „Die Nachfrage ist überbordend. Unsere eigentliche Arbeit leidet ein bisschen darunter“, sagt er. Das trifft auf die 3G-Regelung am Arbeitsplatz und massive Anlaufschwierigkeiten bei PCR-Gurgeltests. Die Tests in der Ordination zwischendurch durchzuführen, sei überhaupt nicht mehr möglich, er habe nun zwei fixe Testzeiten vorgesehen, sagt Österreicher.

Ärztesprecher Preißl: „An der Belastungsgrenze“

Dass die eigentlichen Aufgaben des Hausarztes trotz Pandemie weiterlaufen, gibt auch Bezirksärztesprecher Christoph Preißl zu bedenken: „Wir kämpfen an vielen Fronten.“ Das sei mit ein Grund, warum er keine Covid-Tests für symptomfreie Personen mehr anbieten könne. Was die Situation zusätzlich belastet, seien Schwierigkeiten bei der Personalsuche und unbesetzte Kassenarztstellen. Preißl: „Mein Personal ist am Limit, ich bin am Limit. Wir sind an der Belastungsgrenze, haben keine Ressourcen mehr.“

Angesichts der angespannten Situation auch im Pflegebereich mangle es oft schon an kleinen Dingen: „Ein Dankeschön und etwas Wertschätzung fehlen zunehmend.“