Mehr als „Retten vor der Tonne“. Organisationen im Bezirk Gmünd unterstützen Bedürftige. Wenn doch was im Müll landet, muss es richtig entsorgt werden.

Von Anna Hohenbichler und Franz Dangl. Erstellt am 16. Juni 2021 (04:23)
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Ein großes Sortiment an günstigen Produkten bietet der soogut-Markt in Heidenreichstein dank großzügiger Spenden von anderen Geschäften. Die Mitarbeiter Charly Hohentaner und Mario Schrunk freuen sich jedesmal über regen Besuch.
Franz Dangl

Während viele Menschen auf der Welt hungern müssen, werden in unseren Breiten viele Lebensmittel ganz einfach weggeworfen oder entsorgt. Vor allem bei älteren Semestern, die selbst noch in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen sind, sorgt das mitunter für Unverständnis.

Einige Organisationen wirken dem entgegen und führen Restbestände aus Geschäften einer sinnvollen Verwendung zu. Die NÖN hörte sich um, welche Alternativen es zur Mülltonne gibt – und wo die Verschwendung eigentlich beginnt.

„Soogut“ für finanzschwächere Bevölkerung. Zu den ersten Adressen für diese Wiederverwendung gehören die „Soogut-Märkte“ in Niederösterreich, darunter auch einer in Heidenreichstein. Dort wird der finanzschwächeren Bevölkerung ressourcenschonendes und preisbewusstes Einkaufen ermöglicht und damit ein großer ökologischer und sozialpolitischer Beitrag unter Einhaltung aller Qualitätsprüfungen für die Allgemeinheit geleistet.

Zurzeit gibt es davon landesweit zehn Standorte und sieben mobile Verkaufsstellen. „Nachdem schon vor einiger Zeit die Förderungen für diese Institution abgeschafft wurden, sind wir stets auf der Suche nach Unterstützern und Geschäftspartnern, die uns mit nicht mehr benötigten Waren beliefern. Wir können dabei auch auf viele freiwillige Helfer zählen, die täglich Waren von den Spendern abholen oder auch vielseitige Hilfestellung leisten“, erklärt Sprecherin Ursula Oswald.

Auch Landwirte liefern an die „Tafel“. Einmal pro Woche öffnet in Gmünd-Neustadt indes die „Team Österreich Tafel“ des Roten Kreuzes ihre Türen. Jeden Samstag sammeln die Freiwilligen aus Supermärkten und Bäckereien Lebensmittel ein – von Heidenreichstein über Schrems bis Gmünd. Das Einzugsgebiet der „Tafel“ sei ähnlich groß, wie Fachbereichsleiter Christoph Schattauer-Schmidt erklärt.

Auch von Landwirten bekommt die Tafel immer wieder Lebensmittel, seien es die nach wie vor guten Kartoffeln vom Vorjahr oder die zu kleinen Eier von jungen Legehennen. „Wir freuen uns, dass wir diese Produkte für den guten Zweck verwenden dürfen“, sagt Schattauer-Schmidt. 2020 hat die Tafel in Gmünd knapp 8.100 Personen versorgt, heuer waren es mit Stand Ende Mai auch schon fast 4.000.

Tafel: 76 Tonnen für Bedürftige. Zweite Wahl sind die Waren, die bei der Tafel angeboten werden, keineswegs: Gerade Obst und Gemüse würde im Supermarkt übers Wochenende verderben. Dank der Tafel können Erdbeeren, Äpfel & Co nach dem Supermarkt-Ladenschluss noch günstig verkauft werden. „Da sieht man dann auch, dass die Leute Freude damit haben und die Lebensmittel verwenden können“, betont Schattauer-Schmidt.

Die Tafel in Gmünd-Neustadt wurde im Juni 2019 eröffnet. Bis zum Jahresende wurden damals rund 37.000 Kilogramm Waren an Bedürftige abgegeben, im Vorjahr waren es knapp 76.000 Kilogramm. Dabei ist die Leistung von Einrichtungen wie der Team Österreich Tafel eigentlich viel mehr, als „nur“ Lebensmittel vor der Tonne zu retten und sie dann an Bedürftige auszugeben: „Wir sind auch Sozialbegleitung und wichtige Drehscheibe für die Leute“, sagt der Leiter. Im Vorjahr wurden rund 5.000 Stunden freiwilliger Arbeit geleistet, über Unterstützung jeglicher Art freut sich das Team freilich immer.

Und was, wenn bei der Tafel etwas übrig bleibt? Dann kommen die Lebensmittel nicht in die Tonne. Hartes Brot und Gebäck wird zum Beispiel getrocknet und als Tierfutter verwertet, erzählt Schattauer-Schmidt. Was er sich denkt, wenn er an den Tafel-Samstagen die geretteten Lebensmittel sieht? „Es blutet einem manchmal wirklich das Herz, weil man sich denkt: Darum wäre echt schade.“

Nur, weil ein Lebensmittel das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat, sei das noch kein automatisches Ticket für den Müll: „Mein Tipp ist, Lebensmittelverschwendung durch riechen, schmecken und ansehen zu verhindern“, erklärt er. Auch ein im Vorhinein geplanter Wocheneinkauf helfe schon beim Kauf, die richtigen Waren in der richtigen Menge zu wählen.

GV-Koppensteiner: Hamsterkäufe landeten im Müll. „Das ist schon seit längerer Zeit ein großes Thema“, sagt GV Gmünd-Geschäftsführer Martin Koppensteiner, angesprochen auf Lebensmittel im Müll. Gleichzeitig sei es sehr vielschichtig, betreffe neben dem Restmüll auch den Biomüll. Analysen zeigen, dass die Problematik im städtischen Bereich größer ist als im ländlichen. Den Bezirk Gmünd sieht Koppensteiner in Sachen Lebensmittelverschwendung tendenziell unterm NÖ-Schnitt.

Meistens sind es abgelaufene Lebensmittel, die im Müll landen – aber nicht immer: „Das ist besonders bitterlich und muss wirklich nicht sein“, bedauert er. Gerade nach den Hamsterkäufen zu Beginn der Coronavirus-Pandemie seien noch mehr Lebensmittel weggeschmissen worden. Weil: Es wurde viel gekauft, aber wenig verbraucht.

Wenn Lebensmittel in die Tonne wandern, ist das ein Problem. Ein zweites ist, wenn sie falsch entsorgt werden. Fleisch gehört zum Beispiel nicht in die Biotonne – sondern in den Restmüll, erklärt Koppensteiner. Am besten allerdings vakuumverpackt. Denn andernfalls könnte es Fliegen und Parasiten anziehen. Besonders wenn das Fleisch längere Zeit in der Mülltonne auf deren Entleerung warten muss, ist das ein Risiko.

„Wenn es einmal bei uns im Fahrzeug ist, geht die Entsorgung ganz schnell“, sagt er. Aber auch im Biomüll werden Abfälle gefunden, die dort nicht hingehören: Verpackungen. Weil Biomüll unter anderem zum Kompostieren an Landwirte geht, sorgen sie dort für Probleme und müssen separat aussortiert werden, erklärt Koppensteiner.

Wie kann man der Verschwendung vorbeugen? Da sind sich alle Seiten einig: Das effektivste Mittel gegen Lebensmittelverschwendung setzt an der Wurzel an. Martin Koppensteiner fasst es zusammen: „Man muss eben bewusst einkaufen gehen. So schwer ist das eigentlich gar nicht.“