Gmünd

Erstellt am 12. September 2018, 06:00

von Markus Lohninger und Karin Pollak

Nächste Opfer: Wolf auch vor den Toren Gmünds. Wölfe vermutlich erstmals auch in Nähe zu dicht bebautem städtischem Gebiet auf Beutezug: zwei Schafe, ein Reh tot.

Die Bilder aus der Wildkamera verstärkten die Hysterie, als Draufgabe schlug der Wolf wohl erstmals vor Gmünd zu.  |  privat

Zwei der fünf meistgelesenen Beiträge auf gmünd.NÖN.at seit September 2016 handeln von der Rückkehr des Wolfes. Das Thema zieht die Bevölkerung in den Bann, es ebbt seit Beginn einer Serie an gerissenen Schafen in den Nachbargemeinden Bad Großpertholz und Langschlag Anfang August nicht mehr ab. Nach ersten Bildern von fünf Tieren eines ganzen Rudels drei Kilometer außerhalb von Karlstift dürfte der Wolf nun erstmals vor den Toren der Bezirkshauptstadt Gmünd zugeschlagen haben.

Gmünds Vizebürgermeister Hubert Hauer (AfG): Debatte könnte bald Gmünder Thema werden.  |  ml

In Höhenberg in der Marktgemeinde Großdietmanns – nur gut fünf Kilometer Luftlinie von Gmünd entfernt – wurde vorige Woche jedenfalls ein Schaf gerissen, eines musste wegen seiner schweren Verletzungen notgeschlachtet werden. Auch ein totes Reh habe sich im Gehege mit einst fünf Schafen und einigen Rindern befunden, sagt der Vitiser Fleischermeister Gottfried Herzog, Eigentümer der Tiere.

Wolfsbeauftrager Georg Rauer kann den Übeltäter nicht eindeutig bestimmen: Als er vor Ort war, seien beim sofort getöteten Schaf aufgrund der Verwesung keine Fraßspuren mehr feststellbar gewesen, „die Todesursache war nicht zu beurteilen“. Das verletzte Schaf habe da noch gelebt – habe aber niemanden in seine Nähe gelassen. Auch die weiteren Schafe seien „deutlich schreckhaft“ gewesen, „es können Wölfe gewesen sein, bloß ist das nicht klar zu sagen“.

Auch 32. totes Schaf war ein Opfer des Wolfes

Beim notgeschlachteten Tier verzichtete Herzog auf den DNA-Test und damit auch auf seine Entschädigung.

Jedenfalls wurden laut Rauer auch bei dem zuletzt in Angelbach nahe eines Weges gefundenen Schaf der Familie Prinz (die NÖN berichtete) DNA-Spuren des Wolfes ausgemacht, es war das bestätigte 32. Opfer im Großraum Großpertholz/Langschlag. Am Vorhandensein des Wolfes wird sich hier in absehbarer Zeit nach Ansicht Georg Rauers angesichts des dokumentierten Rudels mit mehreren Jungtieren wenig ändern.

„Vergrämungs-Maßnahmen“ durch Gummi-Munition oder Schreckschüsse sind seit 21. August in einzelnen Jagdrevieren gestattet. Zur Anwendung kamen sie auch in der dritten Woche nicht, sagt Bezirkshauptmann Stefan Grusch: „Bislang kam noch keine Meldung.“

Druck aus den Reihen der ÖVP steigt

Auf politischer Ebene steigt indes innerhalb der ÖVP der Druck. Ergänzend zu der von Nationalrats-Abgeordneter Martina Diesner-Wais,

VP-Landtags-Abgeordnete Margit Göll nimmt das Land NÖ in die Pflicht.  |  ml

betroffenen VP-Bürgermeistern oder Bauernkammer-Bezirksobmann Markus Wandl gestarteten Wolfs-Petition schaltete sich vorige Woche die Harbacher Bürgermeisterin und Landtags-Abgeordnete Margit Göll ein: Sie habe die „Sorgen und Ängste, die in der Bevölkerung vorherrschen, am 6. September beim Land vorgebracht“, sagt sie. Es gehe um Menschen, Bauern, Touristen und natürlich Tiere. „In unserer anstehenden Klausur erwarte ich mir Antworten von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf“, betont Göll: „Es muss vorrangig geklärt werden, wie wir mit dem Wolf umgehen müssen. Ein Verschrecken mit Gummigeschoßen ist zu wenig.“

Göll selbst ist quasi Schafbäuerin – auf ihren Wiesen sorgen Leihschafe für die Landschaftspflege. „Wenn es keine Schafe gibt, dann wird es auch bald keine Kulturlandschaften mehr geben. Das ist ein Faktum.“

Arbeitsgemeischaft/ Grafik: Bischof

In Gmünd werde das Thema emotionsgeladen, aber als eines diskutiert, das die Bevölkerung nicht wirklich betreffe, sagt AfG-Vizebürgermeister Hubert Hauer. Die Risse im nahen Höhenberg würden daran vielleicht nicht gleich etwas ändern, bloß: „Spätestens, wenn erstmals auf unserem Gemeindegebiet etwas passiert, wird es ein wirkliches lokales Thema sein.“

Als Jäger hatte Hauer in seinem Jagdgebiet bei Altmanns noch keinen Wolfkontakt. „Er kommt hier vor, es gibt aber keine Zwischenfälle“, sagt er: „Dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass man der Vermehrung nicht tatenlos zusehen darf.“ Land NÖ und Landesjagdverband seien am Zug.