Neue Regeln für Kreditvergabe: Teure Wohnräume?

Erstellt am 16. August 2022 | 20:54
Lesezeit: 4 Min
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Noch ist die Nachfrage nach Grundstücken fürs Eigenheim hoch, ob das so bleibt, ist aber ungewiss. Größte Unsicherheit neben neuen Kreditregeln sind die Teuerungen beim Bau.
Foto: Shutterstock.com/Pavel_D
Bank sieht niedrigere Nachfrage nach Krediten für Hausbau & Wohnungskauf. „Run“ auf Immobilien und Bauplätze ist im Bezirk Gmünd weiter groß.
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Vorbei sind nicht nur die Zeiten, in denen Wohnkredite wie noch vor einem Jahr für knapp über einem halben Prozent Fixzinsen zu haben waren: Die Zinsen sind angesichts der Teuerungswelle empfindlich gestiegen, und parallel dazu wurden die Schrauben für Kreditnehmer in Österreich per 1. August massiv angezogen. Im Bezirk Gmünd sind die Folgen daraus bereits jetzt deutlich wahrnehmbar.

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Dietmar Stütz sieht mehrere Gründe für rückläufige Kreditanfragen.
Foto: Archiv

Die Nachfrage nach Krediten für Hausbauten oder Wohnungskäufe sei seit Monatsbeginn nicht ruckartig, aber doch spürbar zurückgegangen, sagt etwa Dietmar Stütz, Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Oberes Waldviertel (RBOW), zur NÖN. Allerdings: „Wir sind nicht sicher, ob diese Entwicklung primär wegen der neuen Verordnung oder wegen der generellen Preiserhöhungen eingetreten ist. Der Wohnbau ist in den vergangenen eineinhalb Jahren sehr teuer geworden.“ Teils trage die Inflation dazu bei, dass potenzielle Häuslbauer vorerst die weitere Kostenentwicklung abwarten.

Teurer Hausbau: Ohne Erbe mitunter schwierig

Die bundesweite Richtlinie mit verpflichtender 20-%-Eigenkapitalquote, maximaler Kreditrate von 40 Prozent des Nettoeinkommens und maximal 35 Jahren Laufzeit sei in der RBOW wie bei allen anderen Bankhäusern tagtäglich mehrfach ein Thema.

Wohnträume auch eigentlich gut verdienender junger Menschen würden dadurch nun oft platzen, selbst wenn die sich die Kreditbedingungen in der Praxis gut leisten könnten, sagt Dietmar Stütz: „Kommt ein Hausbau auf 400.000 Euro, dann müssten nun zumindest 80.000 Euro an Eigenmitteln gestellt werden. Ist da nicht zum Beispiel ein Erbe vorhanden, dann wird das mitunter schwierig.“

Immobilien-Nachfrage bleibt weiterhin hoch

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Johannes Wild: „Haus im Grünen ist immer noch gefragt.“
Foto: Foto Archiv

Die Regeln für die Kreditvergabe haben sich geändert, an der seit Beginn der Covid-Pandemie gewachsenen Beliebtheit von Immobilien im Waldviertel ändere das bisher aber nichts, sagt Johannes Wild, Geschäftsführer der J. u. E. Wild Immobilientreuhänder GmbH mit Sitz in Großdietmanns und Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder: „Einfamilienhäuser im Grünen werden immer noch gerne gekauft und dementsprechend auch die finanziellen Mittel dafür aufgebracht.“

Dass es bei der Finanzierung einer Eigentumswohnung oder eines Einfamilienhauses eng wird, komme insgesamt eher selten vor, sagt Wild – Investitionen seien in diesem Bereich meist gut überlegt, dahinter stünde großteils solide Eigenkapitalaufbringung: „Ich denke auch, dass es in Zukunft kein allzu großes Thema sein wird.“ Dass die Preise für Baugründe und Immobilien in der Region durch die hohe Nachfrage gestiegen sind, sei kein Nachteil, meint Wild: „Sie haben nun endlich den Wert, den sie auch verdienen.“

Wie steht es um die Nachfrage nach Baugründen?

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Patrick Layr hält auch künftig am Schaffen neuer Bauplätze fest.
Foto: Archiv

Noch vor Einführung der neuen Kreditvergabe-Regelungen und auch noch vor den starken Preisanstiegen, Lieferverzögerungen und Materialengpässen am Baumarkt haben etliche Gemeinden im Gmünder Bezirk mit der Aufschließung neuer Bauplätze – oder gleich ganzer Siedlungsgebiete – um Häuslbauer geworben.

Für Weitra kann Bürgermeister Patrick Layr noch keine Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen auf die Nachfrage nach Baugrundstücken erkennen: „Wir haben bereits 16 der 20 Bauplätze im Reinprechtsfeld vergeben und sind nach wie vor dran, weitere Bauplätze zu schaffen, vor allem in den Katastralen.“ Gleichzeitig müsse man aber auch Alternativen zum Eigenheim-Neubau anbieten – etwa Reihenhäuser, sagt Layr: „Mittelfristig gehe ich schon davon aus, dass sich vor allem die Teuerungen auf das Bauen auswirken werden.“

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Erhart Weißenböck: „Die Interessenten sind meist sehr entschlossen.“
Foto: Archiv

Ähnlich sieht es Erhart Weißenböck, Bürgermeister von Großdietmanns. In der „Spanbichlsiedlung“ wurde wie berichtet großzügig aufgeschlossen, die Nachfrage bleibe in der Gemeinde hoch: „Die Interessenten sind meist sehr entschlossen, die laufenden Bauprojekte schreiten zügig voran.“ Von den 20 neuen Bauplätzen seien bereits acht vergeben worden.

 

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Helga Rosenmayer: Warteliste für Gemeindewohnungen ist unverändert.
Foto: Archiv

Dass Gemeindewohnungen wegen Preissteigerungen beim Bauen und neuer Kreditvergabe-Richtlinien gefragter sind, kann zumindest die Gmünder Bürgermeisterin Helga Rosenmayer nicht bestätigen: Wartelisten seien zuletzt nicht merklich länger geworden.

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