Für drei Stunden in St. Pölten acht Stunden im Öffi unterwegs

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:19
Lesezeit: 3 Min
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Georg Huemer (VOR) über den öffentlichen Verkehr: „Sinnvolle Organisation bei wenig nachgefragten Verbindungen schwierig.“
Foto: Archiv/Karin Pollak
Reaktionen auf NÖN-Story über den Bezirk Gmünd als Schlusslicht beim Klimaticket in Niederösterreich. Beispiel Hirschenschlag-St. Pölten zeigt Schwierigkeiten des öffentlichen Verkehrs im Waldviertel. Was wäre die Lösung?
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Einmal von Hirschenschlag (Gemeinde Reingers) nach St. Pölten und wieder zurück. Dazwischen liegen einmal viereinhalb und einmal dreieinhalb Stunden Wegzeit, Umstiege und Warten. Das ist eine der Rückmeldungen auf den Bericht über den öffentlichen Verkehr im Bezirk Gmünd aus der vorigen NÖN.

„Mein Aufenthalt in St. Pölten hat nicht ganz drei Stunden gedauert, denn um die Verbindung nach Hirschenschlag sicher erreichen zu können, musste ich mich nach 14 Uhr schon wieder auf den Heimweg machen“, erzählt Werner Hanko, der unlängst von einem der nördlichsten Teile Niederösterreichs mit Öffis in die Landeshauptstadt unterwegs war.

Schärfer reagiert Grünen-Mobilitätssprecher Christian Oberlechner, der einmal mehr den Zustand der Franz-Josefs-Bahn kritisiert und die Verantwortung dafür nicht bei der Grünen-Ministerin, sondern bei ÖVP-Landesrat Schleritzko sieht. Der veranstalte zum Titel „Ausbau der FJB“ einen „PR-Gag“. Nördlich von Horn gebe es „keine relevanten Verbesserungen“. Ein Mobilitätskonzept rund um die FJB müsse auf durchgehende Zweigleisigkeit, Einbindung aller Bezirkshauptstädte und Holz flächendeckend auf Schiene abzielen (gesamter Leserbrief auf NÖN.at ).

Schlechte Anbindung: Schüler in anderem Sprengel

Dass es keine Direktverbindungen für Reingers-St. Pölten gebe, sei verständlich, meint indes Hanko. Aber: Es brauche zumindest Verbindungen mit passablen Anschlüssen an zentrale Ziele und ohne lange Wartezeiten.

Dass die Takte nicht immer zum Bedarf potenzieller Fahrgäste passen, findet auch der Reingerser Bürgermeister Andreas Kozar. Nur: „Den Bus, der im halben Stunden-Takt durch Reingers fährt, den werden wir nicht bekommen.“ Der Öffi-Verkehr beschränke sich primär auf den Schülertransport, bloß aus dem Bezirk hinaus. Kozar: „Wir würden den Sprengel für die Schulen gerne einhalten und Schüler nach Gmünd schicken. Aber die Verbindung nach Waidhofen ist nun einmal wesentlich besser.“ Von Reingers geht es morgens per Bus mit Umstieg in Litschau in über einer Stunde nach Gmünd. Nach Waidhofen braucht ein Direktbus eine dreiviertel Stunde.

Was sagt der Verkehrsverbund?

Der habe den öffentlichen Verkehr auch im Waldviertel im vorigen Jahrzehnt auf ein „völlig neues Niveau“ gehoben, betont VOR-Sprecher Georg Huemer. Er nennt vervielfachte Fahrgastzahlen auf den Hauptästen Horn-Göpfritz-Waidhofen und Krems-Zwettl-Gmünd.

Auch in peripheren Regionen gebe es abseits der „Schülerzeiten“ ein Grundangebot an Bussen, etwa für Freizeit- oder Arztwege. Aber, so Huemer: „Bei wenig nachgefragten Verbindungen ist eine sinnvolle Organisation schwierig. Dass es auf dieser Relation keine gute Verbindung gibt, sollte nicht zum Argument gegen den Öffi-Verkehr im Waldviertel missbraucht werden.“

Bei aller Kritik: Welche Lösungsansätze gibt es?

Es wird vermehrt darum gehen, die Stärken des Linienverkehrs mit denen des bedarfsgesteuerten Verkehrs zu verknüpfen“, meint Georg Huemer. Regionalbusse seien abseits der Stoßzeiten oder in entlegenen Gebieten nicht immer die beste Option.

Hier könnten – erklärt er – in Zusammenarbeit mit betroffenen Gemeinden flexible Angebote wie Anruf-Sammeltaxis zum Einsatz kommen: „In diese Richtung wird es künftig vermehrt gehen.“ Diese Idee hat auch Bürgermeister Andreas Kozar angesprochen.

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