„Ort der Begegnung“: Viele Visionen für die Anderlfabrik

Zwei Interessenten wollen Industrieruine beleben. Von Algenzucht bis zum Ort für Events reichen die Ideen. Mitstreiter gesucht.

Erstellt am 01. Dezember 2021 | 04:58
Lesezeit: 2 Min

Fernseh-Dokus und Schriftstücke berichteten über die einst bedeutende „Anderlfabrik“ in der Schremser Katastralgemeinde Kleedorf mit in Spitzenzeiten 275 Beschäftigten. Einige von ihnen wohnten in den zur Firma gehörenden Wohnhäusern oder in der „Kolonie“ etwas abseits. 17 Jahre nach der Stilllegung des Textilbetriebes will nun ein Duo der in die Jahre gekommenen „Industrieruine“ neues Leben einhauchen.

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An sich ist das auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Bauwerk, das 1851 zur Weberei umfunktioniert und während des Zweiten Weltkriegs vom Konzern Felten & Guilleaume genutzt wurde, optisch und auch hinsichtlich seiner Dimension immer noch beeindruckend und daher in der Bevölkerung sehr präsent. Andererseits wurde es viele Jahre lang vernachlässigt, 2006 auch durch das Hochwasser massiv beschädigt, und wurde auch wiederholt Opfer von Vandalenakten. Zahlreiche Räume und Anlagen müssten mittlerweile abgetragen werden.

Um den kompletten Verfall zu verhindern, hat sich der Verein „Pro Cultura – Wahrung und Erhaltung menschlicher Daseinswerte“ gefunden. Der in Wien ansässige Verein hat das Objekt nach 2014 gekauft, der Obmann sucht inzwischen entweder einen Nachfolger oder einen Käufer für die Fabrik. Gefunden hat er bislang mit Fritz Janiba (72) und Matthias Ascher (34) ein Duo, das Ideen für das Areal umsetzen möchte.

Janiba plant eine große Recyclinganlage für E-Schrott und eine Algenzucht für pharmazeutische Zwecke, dafür will er auch mehrere Beschäftigte einstellen. Ascher plant indes einen „Ort der Begegnung“, wie er es bezeichnet. Im Gespräch mit der NÖN erzählt der Musikproduzent aus St. Pölten von seiner Vision, einige Male im Jahr auch größere Musik-Events in zwei der noch voll intakten Hallen abzuhalten. Auch für einige kleinere Veranstaltungen, Seminare oder Treffen von Vereinen könne er sich vorstellen, einen gewissen Bereich zur Verfügung zu stellen.

Gutachten soll erstellt werden

Ganz besonders liege ihm zudem daran, Menschen hier wohnen zu lassen, die alleine sind, hier Zuspruch und Gesellschaft finden sollen, ergänzt Ascher. Und: Ein Anliegen sei es ihm auch, ein grenzüberschreitendes Ferienlager für Kinder samt Betreuung aus Kinderdörfern oder auch Waisenhäusern zu schaffen.

Matthias Ascher ist noch auf der Suche nach weiteren Mitstreitern, die sich am Projekt beteiligen bzw. die erforderlichen Investitionen unterstützen möchten. Er spricht davon, bereits eine Architektin und einen Statiker kontaktiert zu haben, die im Vorfeld eines späteren baubehördlichen Verfahrens ein vollständiges Gutachten erstellen sollen. Ehe überhaupt mit Arbeiten begonnen werden könne, müsse der im Lauf der Jahre zugewachsene Umkreis gerodet werden, meint Ascher: „Hier sind noch Unmengen von Jungbäumen, die interessierte Personen gerne kostenlos ausgraben und mitnehmen können – es wäre schade darum.“ Er will auch die außerhalb des Anwesens liegenden und noch zum Areal gehörenden Wiesen und den Wald pflegen, sagt er.