Pensionierter Bankchef Pollak zum Euro: „Die Vorteile überwiegen"

Erstellt am 22. Januar 2022 | 04:59
Lesezeit: 2 Min
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Johann Pollak hat die Währungsumstellung bei der Bank hautnah miterlebt.
Foto: privat
Der pensionierte Raiffeisen-Geschäftsleiter Johann Pollak im Gespräch über den Euro.
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NÖN: Wenn Sie an die Währungsumstellung zurückdenken: Welche Erwartungen hatte man dem Euro gegenüber?

Johann Pollak: Von Bankseite habe ich damals gehofft, dass die Stabilität der Währung auch für den Euro gilt. Die Informationen, die wir im Vorfeld bekommen haben, gingen in die Richtung, dass diese Stabilität gewährleistet ist.

Was waren die Bedenken?

Pollak: Das komplizierte Umrechnen und die notwendige doppelte Information waren eine Herausforderung. Etwa bei Konten wurden eine Zeit lang Euro und Schilling angegeben. Speziell die ältere Bevölkerung, die damals schon um die 70 war, hat sich anfangs wirklich schwergetan.

Wie ist es den Kunden insgesamt damit gegangen?

Pollak: Ich kann mich noch erinnern, dass die Kunden oft gefragt haben: Und wie viele Schilling sind das? Sie haben auch nach zwei Jahren noch umgerechnet. Ich kann mich an den ersten Tag erinnern, wo die Startpakete ausgegeben wurden. Wir wurden völlig überrannt, die Bank war von früh bis abends voll. Es war doppelt so viel zu tun, es gab durch die Tauschpakete hohe Kundenfrequenz und gleichzeitig mussten wir die Leute beraten und informieren – was aber auch unser Job war. Trotzdem war es sehr anstrengend.

Ist es später noch vorgekommen, dass getauscht wurde?

Pollak: Ich habe es so wahrgenommen, dass der Großteil des Umtausches im ersten Jahr passiert ist, danach nur mehr sporadisch. Vor allem Papiergeld ist sehr rasch getauscht worden.

Wie sehen Sie die Entwicklung der gemeinsamen Währung?

Pollak: Ich denke immer noch, dass die Vorteile überwiegen, weil Österreich vom Euro und vom Euroraum profitiert hat – im Sinne von Arbeitsplätzen und mehr Wertschöpfung im Bruttoinlandsprodukt. Natürlich sind auch Schattenseiten aufgetreten: Das Zinsniveau hat eine Entwicklung gemacht, die für Sparer überhaupt nicht zufriedenstellend ist. Ich glaube aber trotzdem, dass auch so etwas innerhalb einer Währungsunion einfacher ist.

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