Preißl zu Grippe-Impfstoff: „Bitte noch nicht anrufen!“. Impf-Aktion startet erst Mitte Dezember. Telefone laufen schon heiß.

Von Karin Pollak. Erstellt am 29. Oktober 2020 (05:41)
Ärztevertreter Christoph Preißl bittet bezüglich Impfung um Geduld.
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Die Meldungen über die kostenlose Grippeimpfaktion des Landes lassen die Telefone bei den Ärzten derzeit „übergehen“. Sowohl Bezirksärztevertreter Christoph Preißl als auch die Ärztekammer bitten aber um Geduld. „Diese Aktion wird es erst Mitte Dezember geben. Details über den Ablauf sind auch noch nicht bekannt.“

Laut dem Präsidenten der NÖ Ärztekammer werde das Land 80.000 Grippeimpfstoffe zur Verfügung stellen. Diese müssen dann aber erst abgezählt, verpackt und gekühlt zu niedergelassenen Ärzten geliefert werden.

Aktion könnte erst im Jänner losgehen

Bis die Impfaktion in den Ordinationen starten kann, wird es im besten Fall kurz vor Weihnachten sein, in manchen Fällen auch Jänner – je nach dem, wann geliefert wird. Interessierte sollten daher nicht vor Dezember in den Ordinationen anrufen, um Bedarf an der Impfung anzumelden, sagt er.

Dem Appell schließt sich der Kirchberger Arzt Christoph Preißl in seiner Funktion als Bezirksärztesprecher an: „Bei uns Ärzten laufen die Telefone derzeit heiß. Viele wollen sich für die Gratisaktion anmelden oder einen Termin dafür haben. Aber uns fehlen derzeit die Impfstoffe und auch die genauen Informationen. Bitte nicht bei den Ärzten anrufen, Sie blockieren die Leitungen für wirklich Kranke.“

September-Tranche war sofort weg

Vermutlich werde, so Preißl, der Bedarf für die angekündigte Gratisimpfung genau erhoben. Impfwillige, die keinen Impfstoff in den Apotheken bekommen und einer Risikogruppe angehören, sollen einen Gratis-Impfstoff bekommen.

Genau diese Vorgangsweise bringt Apotheker in ein Dilemma: „Die Nachfrage nach Grippeimpfstoffen ist ungebrochen groß, ständig gibt es Anmeldungen dafür, aber auch wir bekommen den bestellten Impfstoff erst in der zweiten Dezemberhälfte. Ich werde nur 80 Impfstoffe bekommen. Bestellt habe ich 100, brauchen würde ich an die 300“, erklärt Bertram Spacek von der Weitraer Apotheke.

Am Impfstoff vielleicht sogar sitzenbleiben?

Die erste Tranche sei im September gekommen und sofort weg gewesen.

Apotheker Bertram Spacek: „Art der Verteilung ist verheerend.“
privar

„Jetzt warten wir auf die nächste. Nur kommt jetzt dazu, dass sich viele bei uns einen Impfstoff reservieren lassen und gleichzeitig auf die Gratisimpfung setzen. Im Endeffekt könnten wir Apotheker am vorbestellten Impfstoff sitzen bleiben, müssten dann einen Verlust in Kauf nehmen“, erklärt Spacek.

Er bekomme sehr viele Anrufe, auch aus anderen Bundesländern, die auf dieses Szenario schließen lassen. „Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn ich jetzt 500 Seren erhalten könnte. Die wären binnen kürzester Zeit weg.“

„Art der Verteilung verheerend“

Das große Interesse habe sich abgezeichnet: „Die Beschaffung des Impfstoffes erfolgte heuer über die Politik. Leider bewahrheitet sich jetzt wieder: Das, was die Politik in die Hand nimmt, das läuft leider schief.“ Die Industrie richte sich nach dem Bedarf der Vorjahre, zeigt Spacek Verständnis.

Aber die Art der Verteilung sei verheerend. „Den Letzten beißen die Hunde. In diesem Fall sind das wir Apotheker, die entweder viele Kunden nicht zufriedenstellen können, weil es keinen Impfstoff gibt, oder auf dem Impfstoff sitzen bleiben, weil auf die Gratisimpfung ausgewichen wird.“