Protest gegen Schließung: 1500 Stimmen für Sonderschule. Binnen kürzester Zeit sprachen sich 1.500 Menschen im Lainsitztal für Zukunft des Modells aus. Göll übergibt Listen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 08. Juni 2017 (06:00)
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Bei der Übergabe von 1.500 Unterschriften gegen das Ende der Sonderschulen vor Schülern, Lehrern & Eltern in Weitra: Stadtchef Raimund Fuchs, Sonderschul-Direktorin Maria Schandl, Abgeordnete Margit Göll, Volksschul-Direktorin Elfriede Reinöhl-Murth, Mittelschul-Direktor Hubert Prinz.

Noch ein halbes Jahr, nachdem SPÖ-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid ein rasches Ende des Sonderschul-Modells in Österreich zur Debatte gestellt hat, hat sich die Unruhe nicht gelegt: Nach dem Treffen zwischen Politikern und Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf im März in Gmünd (die NÖN berichtete) wurde an den Sonderschul-Standorten des Bezirks gegen das Aus mobilisiert.

Das Echo war enorm – bereits zum Start übergab die Weitraer Volksschul-Direktorin Elfriede Reinöhl-Murth am 1. Juni an die ÖVP-Landtags-Abgeordnete Margit Göll 1.500 Unterschriften, die in weniger als einer Woche in den Lainsitztal-Gemeinden gesammelt worden waren. Göll will diese der VP-Bildungslandesrätin Barbara Schwarz überbringen. „Jeder von euch kann manches gut und manches nicht so gut. Dort, wo jemand etwas nicht so gut kann, sollte man ihn unterstützen“, sagte Göll, selbst Kindergarten-Pädagogin mit jahrzehntelanger Erfahrung, zu den Schülern: Die Bildungspolitik werde in Österreich derzeit allerdings von „Wirtschafts-Menschen und nicht von Pädagogen gemacht, die tagtäglich da draußen sind.“

„Warum abschaffen, was gut funktioniert? Wenn Ministerin Hammerschmid möchte, dann kann sie gerne zu uns kommen und sich unser Modell ansehen.“ Elfriede Reinöhl-Murth, Volksschul-Direktorin Weitra

Bürgermeister Raimund Fuchs (ÖVP) strich die „gute Gemeinsamkeit“ zwischen Volks- und Sonderschule hervor, der Weg solle weiter beschritten werden.

Gerade in Weitra sei der Austausch zwischen den Kindern in den normalen Schulklassen und den zwei angeschlossenen Klassen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf sehr eng, betonte indes Volksschul-Direktorin Reinöhl-Murth: „Warum etwas abschaffen, das gut funktioniert? Wenn Ministerin Hammerschmid möchte, dann kann sie gerne zu uns kommen und sich unser Modell ansehen.“ Dieses erlaube eine gezielte Förderung bei dennoch gutem Miteinander – in den Pausen, aber auch bei diversen Projekten und Unternehmungen bestehe reger Austausch. Für Außenstehende sei da die Schulform eines Kindes oft schwer erkennbar. Diskriminierungen seien an der Schule kein Thema, sagte Reinöhl-Murth: „Kein Volksschul-Kind lacht bei uns ein Sonderschul-Kind aus.“

Sie hofft, dass die seit Jahren bestehende Wahl-Freiheit für Eltern aufrecht erhalten bleibt. Letzteres hält auch der Weitraer Mittelschul-Direktor Hubert Prinz für wesentlich. Kommendes Schuljahr wird die NMS immerhin zwei Kinder aus dem Sonderschul-Modell übernehmen, er erwartet dadurch keine unlösbaren Herausforderungen.

Fast 60 Kinder in zehn Sonderschul-Klassen

Derzeit werden im Bezirk insgesamt zehn Sonderschul-Klassen geführt und durch speziell für den Bedarf geschultes Personal betreut. Zwei der Klassen sind an die Volksschule Weitra angedockt, der Rest betrifft die Sonderschulen Gmünd und Schrems. Verteilen sich die fast 60 Sonderschüler des Bezirkes eines Tages auf mehr als nur diese drei Standorte, so wird der Personalaufwand dadurch freilich exponentiell ansteigen.

Im Oktober wird das Parlament aber neu gewählt. Danach werden wohl einige Köpfe in der Bundesregierung ausgetauscht, wodurch auch das Sonderschul-Thema von der Agenda kommen könnte. Zumindest Hammerschmids Genossen aus Niederösterreich distanzieren sich von einem radikalen Schnitt – SPNÖ-Bildungssprecherin Ilona Tröls-Holzweber bekräftigt zwar den Wunsch nach mehr Inklusion. Aber: Man müsse auch an Schüler denken, „die ihr Potenzial nur in kleinen Gruppen in Sonderschulen entfalten könnten“, berichtet der ORF-NÖ.