Runden 3 & 4: Zurück in den Impf-Alltag?. Nach Amaliendorfer Geburtstags-Cluster: Impfstraße öffnet wieder, und Anmelde-Tohuwabohu geht weiter.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. April 2021 (03:05)
Einige Arbeit gab es an der BH Gmünd nach einer privaten Feier.
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Nach der Osterpause geht es am 7. und 10. April in die dritte bzw. vierte Runde der Massenimpfung im Heli-Hangar im Gmünder Access-Industrial-Park. Weitere jeweils 500 Personen pro Tag sollen dabei den Pieks bekommen.

Impfstraße bald „Impfzentrum“ mit Hauptamtlichen? Die Pläne des Landes, pro Bezirk ein zentral organisiertes „Impfzentrum“ zu installieren und mit hauptberuflichen statt ehrenamtlichen Mitarbeiternvzu besetzen (siehe S. 32/33), wurden in Gmünd – anders als in anderen Bezirken – relativ locker aufgenommen. Aber, so Bezirkshauptmann Stefan Grusch: „Wir haben bereits eine sehr leistungsfähige Impfstraße, die auch sechs Tage die Woche ‚bespielbar‘ wäre.“ Sorgen anderer Bezirke, genug Ehrenamtliche zu mobilisieren, kenne man hier sowieso nicht – das Kriterium sei eher die Frage, ob ausreichend Impfstoff den Weg in die Grenzstadt finde.

Während in Waidhofen Termine für diese Woche kurzerhand storniert wurden, wird an den Plänen im Gmünder Zivilschutzzentrum festgehalten, bestätigt dessen Leiter René Schreiber: Fix bleiben demnach der 7. und 10. April sowie Auffrischungen am 21. und 24. April bzw. 5. und 8. Mai. „Der Standort hat sich bewährt, auf die bestehende Infrastruktur kann aufgebaut werden“, sagt er: „Wie die Impfaktion auch weiterläuft, wir werden sie natürlich unterstützen – wichtig ist primär, dass es eben weitergeht.“

Und die Verteilung? Noch besteht freilich das Problem der Verteilung: Die ersten zwei Gmünder Impftage zogen wie berichtet auch viele Impfwillige aus anderen Bezirken an. Für Menschen aus dem Bezirk selbst ist es oft wesentlich leichter, Termine auswärts zu ergattern als zuhause. Das wurmt auch NÖN-Leser Herwig Macho aus der Gemeinde Brand-Nagelberg, der tagelang – auch mit stündlicher Aktualisierung auf impfung.at – vergeblich versuchte, räumlich und zeitlich zusammenhängende Termine für sich (Berufsgruppe) und die Schwiegereltern (65+) zu bekommen. Noch am 6. April hatte er 135 freie Termine in Melk, 79 in Scheibbs oder 76 in Korneuburg am Bildschirm, aber null in Gmünd, Waidhofen und Zwettl.

Immer auf der Hut sein. Das Problem kennt Jürgen Uitz, Stadtamtsdirektor in der Nachbargemeinde Litschau, nur zu gut aus beruflicher Erfahrung. Über hundert Personen konnten dort über ein Gemeinde-Login für Termine in der Region angemeldet werden, „etwa 80 warten immer noch darauf“. Er hat gelernt, mit täglicher – eben oft: stündlicher – Veränderung zu leben, anzumelden, aufzuklären, umzubuchen, auszubuchen, abzuheben, zurückzurufen, Alters- oder Risikogruppen im Auge zu behalten, Doppelbuchungen zu entwirren. Wird ein Termin storniert, wird er binnen Minuten wieder frei – und gibt Impfwilligen wie der Brander Familie Macho vielleicht die Option, doch im Heimatbezirk geimpft zu werden. Storniert diese dann einen in der Ferne reservierten Termin, geht auch dort die Tür wieder auf, und so weiter.

Das umfassende Service für die Bevölkerung leiste man gerne, betont Uitz: „Weil wir da einfach gemeinsam durch müssen. Aber es ist ein sehr großer Aufwand hinsichtlich Personal und Material für die Gemeinden, den sie derzeit nicht ersetzt bekommen.“ Bei NÖN-Redaktionsschluss beriet der Litschauer Gemeinderat daher am „Umlaufweg“ den Vorschlag, möglichst alle Kosten im Zusammenhang mit der Teststraße und dem Service rund ums Impfen vom Bund zurückzufordern.

Infektionskurve zeigte um Ostern steil nach oben. An der Infektionsfront hatte sich über die Ostertage die von Bezirkshauptmann Grusch erhoffte Entspannung nicht eingestellt. Tatsächlich ging die Kurve steil nach oben.

Nur einer der Gründe war ein Cluster in Amaliendorf infolge einer laut Grusch „Feier im privaten Bereich“ – kolportiert wird eine 50er-Feier am Wochenende davor – der die Zahlen ab 1. April hochtrieb. Die Familie sei relativ groß und verzweigt, einzelne weitere Gäste seien dazugestoßen, so Grusch. Nachbarn hätten wohl über den Zaun gratuliert. Bis Ostersonntag-Nachmittag war die Zahl der Infizierten in der Gemeinde laut Behörde auf 29 gestiegen.

Insgesamt kletterte die „7-Tages-Inzidenz“ im Bezirk – für die Infizierte auf 100.000 Einwohner hochgerechnet werden – laut AGES binnen weniger Tage um gut hundert auf bis zu 340 nach oben, Gmünd kehrte nach einigen Wochen ins Spitzenfeld der bundesweiten Statistik zurück. Generell sprach der Bezirkshauptmann von „sehr hohem Infektionsgeschehen“ im Bezirk. Sein Contact-Tracing-Team zählte alleine zwischen 1. April und Ostersonntag 79 Neuinfektionen. Bei der Gesamteinwohnerzahl von 36.300 waren da 192 aktuell Infizierte, 443 Personen in Quarantäne, 2.441 jemals Infizierte vermerkt.

Auch Schrems über kritischer Marke. Weil sich in Kleingemeinden einzelne Infektionen stark auf die Inzidenz auswirken, will Grusch diese nicht überbewerten. Aber: Auch in Schrems, der mit 5.400 Einwohnern bevölkerungsreichsten Gemeinde des Bezirkes, kletterte die Inzidenz bis Sonntag laut Behörde auf mehr als 500 – also klar über die „kritische Marke“ 400. Das sagt schon mehr aus. Angesichts der Entwicklungen wiederholt Bezirkshauptmann Grusch seine Appelle, Maßnahmen einzuhalten und Test-Angebote zu nutzen: Diese seien noch das Um und Auf, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.