Gmünd

Erstellt am 09. November 2018, 04:28

von Karin Pollak und Michael Schwab

Sperrgebiet Waldviertel: Blut-Spender abgelehnt. Salzburger wollte Blutplasma spenden, hielt sich jedoch vorher im Waldviertel auf.

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Da staunte ein Salzburger, als er zur 113. Blutplasma-Spende am 31. Oktober von der Blutspendezentrale angefordert wurde und wegen seines ein paar Tage zurückliegenden Aufenthaltes im Bezirk Gmünd abgewiesen wurde. Der Grund, den man ihm nannte: die Tigermücke, welche in Ostösterreich vorkommt und Krankheiten wie das West-Nil-Virus übertragen kann.

Der Salzburger ist seit Jahren ein eifriger Blut- und Blutplasma-Spender. Sein Blutplasma wird häufig benötigt, so auch am 31. Oktober. Er folgte dem Aufruf und nach dem Prozedere der Anmeldung in der Blutspendezentrale in Salzburg sollte er eigentlich seine Spende leisten. Jedoch fragte die diensthabende Ärztin nach etwaigen Aufenthalten außerhalb von Salzburg nach. Daraufhin musste sie den eifrigen Blutplasmaspender abweisen. Der Bezirk Gmünd ist nämlich ein Tigermücken-Sperrgebiet. „Ich darf erst wieder vier Wochen nach einem Aufenthalt in einem derartigen Sperrgebiet spenden“, betont der Salzburger, der weder von der Tigermücke, noch von dazugehörigen Sperrgebieten wusste.

Andreas Zenker von der Pressestelle des Roten Kreuzes Niederösterreich bestätigt, dass Blut- oder Plasmaspender in Westösterreich nach einem Aufenthalt im Osten Österreichs abgelehnt werden können: „Es geht hier weniger um die Tigermücke, sondern dass Ostösterreich durch den Tourismus und den starken Flugreiseverkehr am Flughafen Wien-Schwechat ein potenzielles Verbreitungsgebiet für das West-Nil-Virus ist. Dieses Virus kann auch von den normalen, heimischen Steckmücken verbreitet werden“, erklärt Zenker.

Test auf West-Nil-Virus ist teuer

Das Risiko sei zwar ein sehr geringes, es habe aber in den letzten Jahren einige Einzelfälle gegeben. Die Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland hat sich darauf eingestellt und testet die Blutspenden auf das West-Nil-Virus. „Dieser Test ist allerdings teuer und wird in Westösterreich nicht routinemäßig durchgeführt, da die westlichen Bundesländer eben kein West-Nil-Virus-Verbreitungsgebiet sind. Daher können Spender dort abgelehnt werden“, erläutert Zenker.

Die Virus- Risikogebiete in Österreich gelten saisonal, heuer ist dies vom 1. Juni bis 30. November der Fall. Seitens des Roten Kreuzes gilt folgende Regel: Personen, welche sich in einem permanenten oder saisonalen West-Nil-Virus-Risikogebiet aufgehalten haben, dürfen ohne Wartefrist nur beim Blutspendedienst für Wien, Niederösterreich und Burgendland sowie bei den Blutspendediensten für Steiermark, Kärnten und Vorarlberg Blut spenden.

Beim Blutspendedienst in Oberösterreich erfolgt bei einem Aufenthalt in einem außereuropäischen Risikogebiet eine Rückstellung von 28 Tagen, bei den Blutspendediensten Salzburg und Tirol erfolgt bei jedem Aufenthalt in einem Risikogebiet eine Rückstellung von 28 Tagen – dies gilt auch bei einem Aufenthalt in Wien, der länger als zwei Tage inklusive zwei Nächten dauerte.

"West-Nil-Virus wurde bei heimischen Gelsen gefunden"

Stechmücken-Experte Bernhard Seidel ist der Ansicht, dass eine Verbreitungsgefahr weniger durch die Tigermücke, sondern viel eher durch heimische Stechmücken besteht. „Seit 2011 hatten wir bei den Tests für die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit keinen einzigen Fall, wo bei einer exotischen Art ein Pathogen gefunden worden wäre. Dafür wurde 2015 in drei Fällen bei heimischen Gelsen das West-Nil-Virus gefunden.“ Die Tigermücke (Aedes albopictus) gebe es seinen Beobachtungen nach gar nicht wirklich in Österreich, allerdings eine sehr ähnliche Schwesterart (Aedes japonicus, japanische Buschmücke), die sehr leicht verwechselbar ist.

„Die Tigermücke wurde bis jetzt erst zwei Mal in Tirol festgestellt, einmal bei Jennersdorf und einmal bei Angath an der Inntalautobahn“, stellt Seidel klar. Ein Virus würde bei heimischen Gelsenarten viel größere Verbreitungschance haben, da diese Arten den Winter überleben und den Erreger bei der Fortpflanzung über die Keimbahn weitergeben. Heuer habe es eine deutliche Zunahme der Krankheitsfälle gegeben. „Dies könnte darauf hindeuten, dass es in einem oder zwei Jahren einen West-Nil-Virus-Ausbruch geben könnte“, warnt Seidel.

Laut europäischem Seuchenkontrollzentrum ECDC gab es heuer 273 gemeldete Fälle von West-Nil-Fieber in der EU (Stand: 16. August). Im Vorjahr waren es 204. Derzeit ist das Risiko, sich in Österreich mit dem Virus anzustecken, noch sehr gering.