Schul-Impfaktion: Nachfrage enttäuschte

Kein weiterer Anlauf zu CoV- Schulimpfung im Bezirk Gmünd. Wegen insgesamt steigender Rate: Nur jeder siebente Kontakt muss in Quarantäne.

Erstellt am 22. September 2021 | 04:24
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Enttäuschung bei Bezirkshauptmann Stefan Grusch nach Schulimpfungen.
Foto: Archiv

Nur von einem „sehr überschaubaren Erfolg“ kann Gmünds Bezirkshauptmann Stefan Grusch nach den beiden Tagen der Schulimpfungen im Zivilschutzzentrum berichten: Insgesamt sei es dabei auf freiwilliger Basis und nach intensiver Aufklärung lediglich zu etwa 40 Covid-Impfungen gekommen, „viel weniger, als wir uns erwartet hatten“.

Die Arbeit eines sehr engagierten Teams sei von Impfgegnern „sehr vehement kaputt gemacht worden“, rekapituliert Grusch. Er hatte im Vorfeld nicht nur von positiven Reaktionen auf das Angebot, sondern auch von Kritik bis zu Beschimpfungen gesprochen. Eine weitere gezielte Aktion nur für Schulen werde es nicht mehr geben, „das war jetzt unser Angebot“. Dennoch wird freilich die Aufklärungs-Arbeit fortgesetzt und daran gearbeitet, vor allem auch für junge Menschen weitere Möglichkeiten mit unkomplizierten Wegen zum Stich zu schaffen.

„Im Regelfall etwa 40 Prozent der Schüler geimpft."

Zum Beginn der dritten Schulwoche waren im Bezirk die Infiziertenzahl auf 52 und die 7-Tage-Inzidenz auf 88 hochgeklettert, Letztere lag aber noch klar unterm Bundes-, Landes- und Waldviertel-Trend. 104 Personen hatten laut Stefan Grusch einen gültigen Absonderungsbescheid. Ein Gutteil der Infektionen sei im Zusammenhang mit massiven Testungen an Schulen ans Tageslicht gekommen, sagt er. Durch die Delta-Variante stellte sich nach einem Positivtest häufig die ganze Familie als infiziert heraus.

In der zweiten Schulwoche mussten vier ganze Klassen aus dem Bezirk „abgearbeitet“, aber nicht geschlossen werden, wie Bezirkshauptmann Grusch betont: „Im Regelfall sind aktuell etwa 40 Prozent der Schüler einer Klasse geimpft, manchmal etwas weniger, manchmal bis zu 50 Prozent.“ Geimpfte kommen aber, solange sie nicht infiziert sind, nicht in Quarantäne, sondern werden als „verkehrsbeschränkt“ eingestuft – mit FFP2-Maske dürfen sie zum Beispiel auch normal zur Schule oder zur Arbeit gehen. Menschen-Ansammlungen sollen sie meiden.

Wegen der in Summe doch schon hohen Impfrate sind laut Behörde aktuell immerhin 600 Kontaktpersonen im Bezirk nicht in Quarantäne, sondern eben verkehrsbeschränkt.

Verwirrung um Quarantäne-Bestimmungen

Bei nicht gegen Covid geimpften Mitschülern von Infizierten ist die Sache schon komplexer. Vor allem hat sich zuletzt laut Grusch auch Ärger aufgeschaukelt, weil lockerere neue Modalitäten medial kolportiert worden seien, bevor er die entsprechende Anordnung vom Ministerium am Tisch hatte: „Eltern glaubten nach einer Kundmachung am Wege der Kronen Zeitung und des ORF an kürzere Absonderungszeiten, doch wir als Behörde hatten noch gar keine Bescheide. Natürlich gab es da Unmut.“

Ein Freitesten schon nach fünf Tagen sei daher erst ab Freitag rechtlich möglich geworden, das Anpassen von Bescheiden und Absonderungen für etlich Schüler habe die Behörde am Wochenende intensiv beschäftigt.

Streitfrage im Job: Was darf der Chef wissen?

Herausforderungen sieht Bezirkshauptmann Grusch auch in Betrieben. „Wird etwa auf einer Baustelle eng zusammengearbeitet und ein Arbeiter ist covid-positiv, ist das Virus bald weitergegeben“, gibt er zu bedenken. Dass die Betriebsleiter wegen des Datenschutzes keinen Anspruch auf Kenntnis des Impfstatus ihrer Beschäftigten haben, hält Grusch daher für gefährlich. „Ich bewerte den Gesundheitsschutz höher als den Datenschutz“, sagt er. Unentschlossene ruft er dazu auf, ein kostenloses Impfangebot anzunehmen: „Sich selbst schützen zu wollen ist das Eine. Aber wer sich nicht impfen lässt, der gefährdet damit auch andere!“