Grenzkontrollen: Leben radikal anders in České Velenice. České Velenice leidet wegen der Reisebeschränkungen auch an niedrigen Umsätzen.

Von Alexandra Popel, Markus Lohninger und Karin Pollak. Erstellt am 23. Januar 2021 (05:10)

Mit 14. Jänner wurden viele Grenzübergänge geschlossen, die NÖN hat vorab berichtet. An drei Stellen kann derzeit unter bestimmten Voraussetzungen in den Bezirk Gmünd eingereist werden: Gmünd-Böhmzeil – České Velenice, Gmünd-Nagelberg – Halámky, Grametten – Nová Bystřice. Diese Übergänge sind 24 Stunden geöffnet und besetzt. Es finden Grenzkontrollen statt, Einreisende müssen sich mit wenigen (unter anderem beruflich bedingten) Ausnahmen verpflichten, im Anschluss eine zehntägige Quarantäne anzutreten. Alle anderen Grenzübergänge im Bezirk sind geschlossen. Wie lange, das ist nicht klar.

Binnen weniger Monate hat sich das Leben in den Nachbarstädten Gmünd und České Velenice mit zusammen 8.800 Einwohnern radikal verändert. „Es ist komisch. Ich konnte mir nicht vorstellen, was passieren müsste, damit sowas geschieht“, sagt Jaromír Slíva, Bürgermeister von Velenice, dem Online-Portal idnes.cz. Der Einkauf von Gemüse oder Käse und die tschechische Sprache im Geschäft in Gmünd seien für ihn „ein normaler Teil des Lebens“ gewesen.

Jetzt könne man nicht einmal mehr Ausflüge in den wenige Minuten entfernten Naturpark Blockheide unternehmen. Österreichern bleibt neben den beliebten Radwegen auch der Besuch im Friseurladen, Lebensmittelgeschäft, Restaurant oder der Massagendienst auf unabsehbare Zeit verwehrt: „Diese Zeit hat gezeigt, dass ein großer Teil der Kunden aus Österreich stammt. Sind sie nicht hier, merkt man es an den Umsätzen.“ – Der gegenseitigen Abhängigkeit sind sich auch die Gmünder angesichts der Schließungen bewusst geworden, wie Bürgermeisterin Helga Rosenmayer gegenüber idnes.cz betonte.

Ungewohnte Abendruhe

Dem zum Erliegen gekommenen Grenzverkehr trauern in Velenice freilich nicht alle nach: Vor allem abends herrsche nach dem Schließen von Nachtclubs und Glücksspiel viel mehr Ruhe, erzählen Einwohner dem Online-Portal: „Früher konnte man manchmal nicht richtig einschlafen.“

Mit Wochenbeginn wiesen die Nachbarbezirke České Budějovice und Jindřichův Hradec „7-Tages-Inzidenzen“ von 449 bzw. 501 auf – mehr als dreimal so hohe wie der Bezirk Gmünd (134).