„Viele trauen sich mit Kind nicht Radfahren“. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 14. August 2019 (04:58)
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Symbolbild 

Einen Monat ist der tragische Unfall in Hoheneich her, bei dem ein Radfahrer sein Leben verlor. Bei allen Meldungen über Unfälle mit Radfahrern stellt sich auch im Bezirk die Frage nach der Sicherheit dieser Verkehrsteilnehmer.

Das Thema soll auch auf die Agenda der Gmünder Radlobby, die sich derzeit formiert, kommen. Kristin Harrich, begeisterte Radfahrerin und Vertreterin dieser Radlobby, nennt im NÖN-Gespräch die Beweggründe: Aktiven Radfahrern seien Probleme in der Umsetzung von Radwegen und Gefahrenstellen aufgefallen. Die Sicherheit für Radfahrer im Bezirk allgemein bewertet sie als mittelmäßig. „Kinder und Senioren sind leider wesentlich größerem Risiko ausgesetzt.“

Dass das Radfahren mit Kind eine Herausforderung darstellt, sagt auch Christian Dogl, Obmann der Kleinregion Waldviertler Stadtland und Vizebürgermeister in Waldenstein. Wenn seine Gattin und er mit der sechsjährigen Tochter unterwegs sind, versuchen sie möglichst auf Ausweichstrecken zu fahren. Aber: „Oft geht es gar nicht anders und wir müssen auf der Bundesstraße fahren.“ Sorgen bereitet den Eltern vor allem, wenn sie von Autos überholt werden. Ein Radanhänger für Tochter Elena wäre für Christian und Marina Dogl nie infrage gekommen. Dogl sieht hohen Bedarf nach Radwegen: „Auch Gäste der Region Gmünd weisen immer wieder auf das Problem hin, viele trauen sich mit Kind gar nicht Rad fahren.“ Das Thema sei aber oberste Priorität aller Bürgermeister der Kleinregion. Dogl: „Wir sind uns einig, dass das Radwegnetz nicht ausreichend ist. Der Ausbau und Lückenschluss steht aber für alle ganz oben auf der Agenda.“

In der Kleinregion Lainsitztal gebe es für Radler beschilderte Wege, sagt der Obmann und Weitraer Bürgermeister Raimund Fuchs. Mit diesen Routen wolle man vor allem Familien mit Kindern und Gelegenheitsradfahrern eine Alternative abseits der Bundesstraßen bieten. Im innerstädtischen Verkehr in Weitra gibt es einen einzigen Radweg – vom Rathaus in Richtung Doktor-Kordik-Platz. Der Ausbau des Radwegnetzes in der Stadt sei aus Platzgründen sehr schwierig, zeigt Fuchs auf.

Großes Netz, aber kaum echte Radwege

Drei Mal pro Woche radelt Günter Binder zur Arbeit von Weitra ans Bezirksgericht Gmünd, dessen Amtsleiter er ist. Für ihn steht der Nutzen für die Gesundheit und die Bewegung im Vordergrund. Umso mehr beschäftigt auch der Sicherheitsaspekt beim Radeln. Weil er das Fahren auf der Bundesstraße als zu gefährlich einstuft, weicht er auf Nebenstrecken aus. Binder betont: „Wenn die Bundesstraße der einzige Weg wäre, um von Weitra nach Gmünd zu kommen, würde ich sicher nicht mit dem Rad fahren.“ Großen Aufholbedarf sieht er im Radwegnetz: „Das ist im ganzen Waldviertel mangelhaft. Beim Straßenbau sollten die Radwege auch gleich mitgeplant werden.“

Angesprochen auf die Sicherheitslage für ältere Radfahrer sagt Roland Ernst, Alltagsradler aus Alt-Nagelberg: „Gerade als älterer Radfahrer sollte man nicht so viel riskieren und auf die anderen Verkehrsteilnehmer achten.“ Der 70-Jährige streicht ebenfalls den Mangel an Radwegen hervor.

Rainer Hirschmann, Obmann der Kleinregion Waldviertel Nord und Litschauer Bürgermeister, wertet die B5 als eine der größten Problemstellen für Radfahrer in der Nordregion. Die Straße führt von Waidhofen über Heidenreichstein bis zur Staatsgrenze in Grametten. Vor allem die geringe Fahrbahnbreite stelle eine Gefahr dar, betont Hirschmann im NÖN-Gespräch: „Es gab bereits Gespräche mit dem Land NÖ wegen einer Straßenverbreiterung.“ Mittelfristig sei das aber schwer umsetzbar und müsse Teil langfristiger Planungen sein, zeigt er auf.

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