VOR bittet nach Bus-Fehlstart um "zweite Chance". VOR-Sprecher erklärt Hintergründe zum verpatzten Fehlstart ins neue Schuljahr. Probleme in neuen Busfahrplänen werden nach Prioritäten abgearbeitet.

Von Karin Pollak. Erstellt am 20. September 2019 (06:08)
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In Schrems hat Bürgermeister Karl Harrer auf Anfragen und Beschwerden von besorgten Eltern reagiert: Er hat die Schulleiterinnen der NMS, Romana Weisgram, und VS, Regine Trisko, zum Austausch geladen.

„Wir bitten um eine zweite Chance“, sagt Pressesprecher Georg Huemer nach dem verpatzten Einstieg des Verkehrsverbundes Ost-Region ins Waldviertler Schuljahr. Man wolle nichts beschönigen, bilanziert er: „Am 2. September sind wir auf die Talsohle geklatscht. Wir sind mit größtmöglichen Einsatz daran, alle Beschwerden abzuarbeiten. 104 Fahrplanänderungen sind fixiert, 60 waren es schon vor Schulbeginn.“

Ende September will er wieder „überm Berg“ sein. Dafür wurde das Team aufgestockt, jede verfügbare Kraft wird für die Überarbeitung der Pläne eingesetzt.

Nicht alles daran sei schlecht: „Es ist schade, dass durch die negativen Beispiele untergeht, dass eine neue Öffi-Ära im Waldviertel startete und dadurch die Waldviertler öfter ihr Auto stehen lassen können.“

Im Vorfeld jahrelange Planungs-Arbeit

Wie kam es zu den Änderungen, die die Flut an Beschwerden ausgelöst hatten? „Im Waldviertel waren 104 Buslinien, Tausende Kurse und 300 Gemeinden unter einen Hut zu bringen – und das mit einem ganz neuen System. 120 Personen von der Tarifgestaltung über Juristen bis zum Routenplaner und dem Infosystem haben daran gearbeitet.

Drei engagierte und erfahrene Planer haben sich jahrelang sehr intensiv damit beschäftigt“, erklärt Huemer. Basis für die Planung waren die bestehenden Fahrpläne.

Durch das neue System erhielten auch kleinere Betriebe die Chance auf Aufträge durch den VOR, Linien wurden besser mit der Bahn verknüpft. Huemer: „Dadurch wurde ein Vielfaches an Verbindungen mehr ins Angebot eingegliedert.“

Beschwerden wurden nach Prioritäten gereiht, wobei die Sicherheit der Fahrgäste vor der Herstellung fehlender Verbindungen und dem Komfort steht. Dass einzelne Schüler im Bus stehen müssen, sei gesetzlich gedeckt, Fußwege bis zu zwei Kilometern zur Haltestelle seien tragbar: „Wir wollen sie unterschreiten, wollen auch nicht, dass Kinder eine Bundesstraße queren müssen.“

Viele Hundert Buslenker, die auf den 104 Linien im Waldviertel tätig sind, müssen sich an Fahrpläne und gesetzliche Vorgaben halten, was nicht immer einfach ist. „Da gibt es nicht mehr konzessionierbare Haltestellen ohne Gehsteigkanten“, so Huemer.

Ihm ist klar, dass der VOR seit Schulbeginn unter Beobachtung der Fahrgäste, Eltern und Medien steht: „Natürlich gibt es Druck durch Landesrat Schleritzko, für den die Aufarbeitung der Probleme ein persönliches Anliegen ist. Wir würden es auch ohne diesen Umsetzungsdruck machen.“

Einige Knäuel wurden bereits entwirrt

„Viele Anliegen konnten erledigt werden. Für die noch ausstehenden werden Lösungen gesucht“, erläutert VP-Landesrat Ludwig Schleritzko.

Im Bezirk wurde zur Freude von Abgeordneter Margit Göll etwa erreicht, dass Schüler vom Braunauweg in Amaliendorf durch die Aufnahme der Haltestelle in den Fahrplan wieder eine Verbindung haben, oder dass Schüler aus Brand-Nagelberg nach der vierten Schulstunde heimkommen.

Alle Busse von Schrems nach Gmünd werden nun über das Schulzentrum geführt, um Überfüllungen entgegenzuwirken. – Auch eine Lösung gibt es in Ehrendorf/Wielands: Seit 16. September wird, bis ein Linienbus bestellt ist, ein Kleinbus die Route Ehrendorf-Wielands-Dietmanns übernehmen.

In Schrems machte sich SP-Bürgermeister Karl Harrer im Gespräch mit NMS-Direktorin Romana Weisgram und VS-Direktorin Regine Trisko ein Bild von der Situation – wobei das Problem auch Buslinien außerhalb der Gemeinde betrifft.

Das mache die Sache komplexer, sagt Harrer: „Die Änderungswünsche betreffen einige Buslinien.“ Er habe sie den Zuständigen übermittelt. Gerade in Zeiten von Klimawandel und CO2-Debatten sei es wichtig, dass alle Kinder ohne Pkw-Transporte durch Eltern rechtzeitig zur Schule und retour kommen.

Nach wie vor melden NÖN-Leser Probleme. So gab es eine Beschwerde über eine eingestellte Busverbindung Wien-Prater-stern nach Litschau samstags. „Man kann mit der FJB bis Göpfritz fahren, um 12.06 Uhr geht es mit dem Bus weiter und ist um 13.07 Uhr in Litschau“, entgegnet Huemer.

In Altweitra ist indes am Morgen des 17. September ein Bus an Schülern vorbeigefahren. Ein Vater musste sie nach Gmünd bringen.