Tiere nur Kurzzeit-Trend?. Anfragen im Tierheim Krems während der Lockdowns gestiegen, Anschaffung von Tieren will aber trotzdem gut überlegt sein. Gasterner Heim hadert mit Spendenausfällen.

Von Karin Pollak, Sebastian Dangl und Johannes Mayerhofer. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:47)
Symbolbild
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„Solche Überraschungen kommen immer wieder vor“, sagt Nina-Maria Zinn-Zinnenburg, Obfrau des Kremser Tierschutzverbandes. Gerade als das NÖN-Interview beginnen soll, klopft ein Mann an die Eingangstür des zu dem Zeitpunkt geschlossenen Kremser Tierheimes: Er möchte gerne eine Futterspende abgeben. Nach wenigen Minuten hat Zinn-Zinnenburg fünf Gefäße mit Katzenfutter gefüllt und reflektiert die aktuelle Situation des Tierheims und die vergangenen zehn Monate seit Beginn der Corona-Krise.

Zahl der Anfragen stieg mit jedem Lockdown

„Wir haben mit Beginn des ersten Lockdowns einen gewaltigen Anstieg der Anfragen von Leuten erlebt, die sich gerne ein Tier zulegen wollen“, sagt Zinn-Zinnenburg. Gleichzeitig habe es in diesen März- und Aprilwochen keinen einzigen Menschen gegeben, der ein Tier abgeben wollte. „Das Tierheim war ja geschlossen zu der Zeit, aber über Mail- und Telefonanfragen haben wir dieses deutlich größere Interesse mitbekommen.“

Anikó Peter ist im Tierheim Krems für Nagetiere und Kaninchen zuständig.
Johannes Mayerhofer

Die Zahl der Anfragen habe sich fast im Gleichklang mit dem gesundheitspolitischen Wechselbad aus Lockdowns und Lockerungen wellenartig mit bewegt: „In der warmen Jahreszeit gingen die Anfragen wieder zurück, mit dem erneuten Lockdown seit Herbst ist das Interesse an Heimtieren wieder am Steigen.“

Auch in „normalen Zeiten“ appelliert die Tierheim-Chefin an alle Interessenten, sich die Anschaffung eines Tieres - egal ob aus dem Heim oder vom Züchter - gut zu überlegen.

Gasterner Tierheim nicht überfüllt

Auch wenn mancherorts bereits von überfüllten Tierheimen aufgrund von Corona-Langeweile berichtet wurde, ist die Pandemie indes im Gastener Tierheim Schlosser bisher nur bedingt angekommen. „Wir sind eigentlich ganz gut ausgelastet, aber nicht überfüllt. Schön langsam wird die Anzahl der Tiere aber größer“, berichtet Obmann Erwin Schlosser. Aktuell befinden sich acht Hunde, 18 Katzen, ein Hase und ein Papagei in seiner Obhut.

Dass seit der Pandemie signifikant mehr Tiere abgegeben werden, kann Schlosser nicht bestätigen: „Es hat sich nicht wirklich etwas verändert.“ Die Gründe, warum Tiere ins Tierheim gebracht werden, seien immer noch fast zu viele, um sie alle aufzuzählen, bedauert er: „Umzug, Scheidung, Allergien, Oma/Opa gestorben.“

Besuche im Tierheim gegen die „Decke auf dem Kopf“, allerdings nur mit einer telefonischen Voranmeldung. Regelmäßigen Besuch gebe es auch weiterhin von „Spaziergehern“. „Leute können sich einen Hund holen und ein bis zwei Stunden mit diesem spazieren gehen, ganz ohne Verpflichtungen.“

Vor allem ältere Menschen, die sich keinen eigenen Hund mehr anschaffen wollen oder nicht die Zeit aufbringen können, nutzen dieses Angebot öfter. „Man merkt schon, dass während des Lockdowns einige Menschen gerade deswegen zu uns kommen. Sie gehen dann einfach mal eine entspannte Runde mit dem Hund, bevor ihnen daheim die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Schlosser.

Spendenbereitschaft in Gastern im Vergleich zu Krems geringer

„Merklich gesunken ist die Spendenbereitschaft. Ich nage jetzt nicht am Hungertuch, aber wenn es noch lange so weitergeht, kann es knapp werden“, sagt er. Fixkosten könne man nicht abstellen: Der Tierarzt, das Futter und die Erhaltung des Gebäudes. Auf Förderungen kann Schlosser nicht hoffen: „Ich muss mit den Spenden und dem, was ich selbst erwirtschafte, auskommen.“

Bezirkshauptmannschaft Gmünd in enger Verbindung mit Tierheim Krems

„Bei Fällen, in denen die Behörde wegen Missständen in der Tierhaltung einschreiten muss, wird oftmals auch dieses Tierheim involviert“, erklärt Gmünds Bezirkshauptmann Stefan Grusch. Das passiere dann, wenn die Tierhaltebestimmungen nicht eingehalten werden, es ist Aufgabe der Gmünder Amtstierärztin Elisabeth Osterberger.

Die „härteste“ Maßnahme bei gravierenden Missständen ist laut Grusch die „Tierabnahme“ – was vorwiegend bei Hunden vorkomme. Diese Tiere werden auf Kosten des Tierhalters in ein Tierheim gebracht – für den Bezirk Gmünd ist das Tierheim Krems zuständig. Den Tierhaltern blüht ein Strafverfahren und im schlimmsten Fall ein Tierhalteverbot.

Tierarzt und Tierheim arbeiten zusammen

Aber nicht nur Tiere, die auf Anordnung der Bezirkshauptmannschaft vom Tierhalter weggebracht werden, kommen ins Tierheim Krems. Auch ausgesetzte Katzen und Hunde werden dort betreut. „Nach einer Fundmeldung am Gemeindeamt jener Gemeinde, wo das Tier gefunden wurde, und bei der Bezirkshauptmannschaft wird das Kremser Tierheim informiert“, sagt die Gmünder Tierärztin Katia Waitz: „Wenn sich kein Besitzer meldet, wird es von einem Tierheim-Mitarbeiter abgeholt, oder wir bringen es nach Krems.“ Auch mit dem Tierheim Schlosser arbeitet sie eng zusammen.

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