Wildsau-Schäden massiv gestiegen. Jäger, Land- und Forstwirte sehen Politik am Zug – die reagiert.

Von Karl Tröstl, Markus Lohninger und Lisa Röhrer. Erstellt am 20. November 2019 (05:13)
Die Wildsau: Putzig anzusehen, aber schwer zu ertragen für Jäger, Land- & Forstwirte wie Walter Sprinzl.
Tröstl, shutterstock.com/Eric Isseelee

Jagdpächter und Landwirt Walter Sprinzl aus Steinbach bei Nagelberg beklagt enorme Schäden durch Schwarzwild: „Die Wildschweine sind für mich eine doppelte Herausforderung.“ Er erleidet als Landwirt, Wald-, Feld- und Wiesenbesitzer große Schäden, muss aber zugleich als Jäger gemeinsam mit Jagdkollegen Bauern die erlittenen Schäden ersetzen. Diese sind in Mais- und Kartoffelfeldern, vor allem in waldnahen Wiesen enorm.

„Wir haben rundum große Wälder, also sehr viele Wildsäue. Mein Wunsch ist es, dass sich nicht nur die Jägerschaft, sondern auch Waldbesitzer am Schadenersatz beteiligen“, sagt Sprinzl. Immerhin hätten sie durch die Jagd einen Nutzen.

„Gute Idee“, sagt Bezirksjägermeister Ernst Strasser. Doch: Die Politik müsse aktiv werden, das Jagdgesetz ändern. Er bestätigt der NÖN hohe Schäden durch Schwarzwild, wobei konkrete Zahlen mangels vollständiger Meldungen aus der Landwirtschaft nicht bekannt seien. „Alleine in einem Revier mit 1.060 Hektar haben wir für Wiesenschäden des vergangenen Jahres 3.000 Euro bezahlt. Im gesamten Bezirk Gmünd gibt es aber rund 80.000 Hektar an Jagdrevieren“, so Strasser. – Im Norden des Bezirkes ortet Bauernkammer-Obmann Markus Wandl die größten Probleme. Grund des massiven Auftretens könne die Einstellung der Maisanbauten in Tschechien sein.

Vor politischem Ja: „Das Schnitzel ist in Gefahr“

Die durch Käfer & Co gebeutelten Waldbesitzer dürfte der Aufruf zur Kostenbeteiligung jedenfalls wenig freuen: Bei der Wald-Diskussion von NÖN und Landwirtschaftskammer NÖ in Edelhof (Seite 32) kamen dringende Forderungen, es müsse was gegen das überhandnehmende Schwarzwild getan werden. Die Jagd bringe schon wesentlich mehr Einkommen als der Wald an sich, hohe Wildbestände würden Wiederaufforstungen massiv behindern. Dieses Problem sieht auch Strasser.

Die Politik signalisiert Handlungs-Bereitschaft: Schon ein Seuchen-Fall reiche aus, um die gesamte Schweinefleisch-Produktion lahmzulegen. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) meint gar: „Das Schnitzel ist in Gefahr.“

Mit einer befristeten Änderung des Jagdgesetzes will der Landtag am 21. November das Schießen der nachtaktiven Tiere erleichtern: Nachtsichtgeräte, Wärmebildgeräte oder Lampen können dann voraussichtlich ab Mitte Jänner legal am Gewehr befestigt werden. Für Landesjägermeister Josef Pröll erleichtert das nicht nur Jägern die Arbeit, es sei auch tierwohlgerechter als Scheinwerfer.

Geplant sind aber strenge Vorgaben für deren Verwendung: Nachtzielhilfen sollen nur bei der Wildschwein-Jagd erlaubt und Jägern vorbehalten sein, die mindestens drei Jahre lang im Besitz einer Jagdkarte waren oder eine Schulung haben. Außerdem soll die Maßnahme wissenschaftlich evaluiert werden. – SPÖ und FPÖ wollen dem Antrag zustimmen.