Thema Wolf: Opferzahl erhöhte sich. Elf bestätigte Wolfsrisse im Bezirk Gmünd. Und: Weiteres Schaf im Lainsitztal gerissen. Kein dokumentierter Warnschuss in der ersten Woche der Erstmaßnahme.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 29. August 2018 (08:39)
F: privat
Vermutlich das 32. Wolfsopfer im Waldviertel in einem Monat.

Im Bezirk Gmünd forderte(n) der Wolf oder die Wölfe vorige Woche ein weiteres Tieropfer, im Bezirk Zwettl gab es indes ein erstes mediales Opfer.

Letzteres sorgte für die erhofften Online-Klicks – und Empörung: Ein Gratisblatt hatte einen „Schnappschuss“ einer „Wolfssichtung in Großpertenschlag bei Arbesbach“ mit mehreren Wölfen verbreitet und nach Protesten wegen unnötiger Panikmache und falscher Ortsangabe kleinlaut zurückgerudert. Das abgebildete Rudel war nicht im Waldviertel auf Beutezug, sondern eingesperrt in einem Wildgehege. Der Beitrag machte dann Platz für einen Text über eine massiv übertriebene Darstellung der Gefährlichkeit von Wölfen.

WWF fordert eine sachliche Informations- und Beratungskampagne

Proteste gab es auch nach dem NÖN-Bericht über eine unter anderem von Nationalrats-Abgeordneter Martina Diesner-Wais, den Bürgermeistern Klaus Tannhäuser (Bad Großpertholz) und Andreas Maringer (Langschlag) sowie Bauernkammer-Obmann Markus Wandl initiierte Unterschriften-Aktion zwecks Freigabe des Abschusses. Die Plattform „Wolfsrevier Österreich“ kritisierte den Wunsch als „Aufforderung zu einer Straftat“, das österreichische Jagdrecht könne angesichts geltender EU-Richtlinien nicht angewandt werden. Die Schätzung von Bezirksjägermeister Ernst Strasser, wonach um die 30 Wölfe im Einzugsgebiet des Bezirkes leben würden, halten die Betreiber der Seite für falsch. Sie diene dazu, „Panik zu verbreiten, um den Wolf bejagen zu können“. Der WWF forderte eine sachliche Informations- und Beratungskampagne durch einen eigenen Wolfsbeauftragen des Landes Niederösterreich.

Diesner-Wais spricht indes von einer sehr erfolgreichen Petition. Alleine in Langschlag seien in einer Woche schon 600 Unterschriften gesammelt worden. „Das Feedback auf die Aktion ist unterschiedlich“, sagt die ÖVP-Bezirkschefin: „Viele sagen, dass etwas getan werden muss. Es gibt aber auch Menschen, die klar eine andere Meinung vertreten.“

Der Reichenauer Bio-Pionier Martin Artner hält an seiner ablehnenden Haltung gegenüber der Tötung von Wölfen fest, obwohl diese seine fünf Schafe am Gewissen haben. Anderer Auffassung ist die Familie Prinz aus Angelbach, die vorige Woche ein sechstes Schaf an den Wolf verloren haben dürfte: Das Tier, das bei der Attacke Anfang August davongelaufen war, wurde von einem Wanderer im Wald zwischen Angelbach und Großpertholz aufgefunden.

Schafbesitzer kritisiert Informations-Politik

Unter anderem die frischen Wunden an Hals und Schlegel bestärken Johann Prinz im Glauben daran, dass es erst jetzt getötet wurde.

Prinz wiederholt seine Kritik am Umgang mit den Besitzern der getöteten Schafe. „Man bekommt keine Informationen, kein DNA-Ergebnis. Man kriegt sein Geld rasch und unkompliziert, aber damit ist die Sache auch schon erledigt“, sagt er.

Bezirkshauptmann Stefan Grusch macht um die nachgewiesene Opferzahl von „Meister Isegrim“ allerdings auf NÖN-Nachfrage gar kein Geheimnis. „Alle elf im vergangenen Monat getöteten Schafe im Bezirk Gmünd wurden inzwischen eindeutig als Wolfsrisse bestätigt.“

Für das „Monitoring“ sei jedoch der Wolfsbeauftragte Georg Rauer zuständig. Der beteuert gegenüber der NÖN, geschädigte Tierbesitzer sehr wohl über das Ergebnis der Tests zu informieren, was teils jedoch an der Erreichbarkeit der Betroffenen erst verzögert geschehe.

Die Möglichkeit, den Wolf in den betroffenen Revieren (im Bezirk Gmünd: Großpertholz, St. Martin, Harmanschlag) mit Gummigeschoßen und Schreckschüssen zu „vergrämen“, halten Jäger und Bauern wie berichtet nicht wirklich für zielführend. Immerhin 61,2 Prozent aller Teilnehmer an einer Umfrage auf gmünd.NÖN.at sehen darin hingegen sehr wohl ein erfolgversprechendes Mittel.

Bis dato ist laut Bezirkshauptmann Grusch noch kein Schuss in Richtung Wolf abgegeben worden – die Jäger sind wie berichtet im Fall der Fälle zur umgehenden Meldung verpflichtet.