Angeklagte waren auch Opfer. Angeklagter, der Lebensgefährtin zu Hilfe kam, muss möglicher Täterin Schmerzensgeld zahlen. Diese muss zum Psychiater.

Von Karin Pollak. Erstellt am 28. März 2020 (04:36)
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Das Opfer als Täter und umgekehrt – bei der Verhandlung am Bezirksgericht (noch knapp vor coronabedingten Ausssetzungen der Verhandlungen) gab es einigen Erklärungsbedarf. Dazu trugen auch einige Zeugen bei. Auch weitere Delikte wurden bei der Gelegenheit mitverhandelt…

Eine 49-Jährige aus dem Norden des Bezirkes Gmünd und ein 37-Jähriger aus dem Weinviertel mussten sich wegen Körperverletzung verantworten.

„Das ist alles sehr auffällig, wir werden daher Ihre Zurechnungsfähigkeit von einem Psychiater überprüfen lassen.“Bezirksrichter zur Angeklagten

Der Weinviertler soll die 49-Jährige bei einem Fest im Oktober 2019 mit der flachen Hand geschlagen haben. „Ich war alkoholisiert und kann mich nicht mehr erinnern“, betonte der Mann.

Außerdem hätte er nur seiner Lebensgefährtin helfen wollen, die von der Angeklagten an den Haaren gezogen und getreten worden sei. Die Angeklagte hätte davor seiner Lebensgefährtin ein Getränk über den Kopf geleert. – Dazu wurde auch die Lebensgefährtin des Angeklagten befragt, die von ihrer Kontrahentin, die grundlos auf sie losgegangen sei, 15 Euro für die Reinigung ihres Dirndls und 50 Euro Schmerzensgeld bekam. „Mir fehlen vier Stunden, ich weiß nicht, was passiert ist“, meinte die 49-Jährige dazu.

Der Lebensgefährte, der seiner Partnerin zu Hilfe gekommen ist und dabei auf die 49-Jährige eingeschlagen haben soll, kam mit einer Diversion davon. Er muss 700 Euro inklusive Pauschalkosten zahlen, 150 Euro bekommt sein „Opfer“ als Schadenswiedergutmachung.

Für die 49-Jährige war die Verhandlung aber noch nicht vorbei. Sie soll bei einem anderen Vorfall einem Litschauer einen Kinnhaken versetzt haben, durch den er zu Sturz gekommen und sich eine Steißbeinprellung zugezogen habe.

Weiters soll sie in Gmünd beim Überqueren eines Zebrastreifens auf einen wartenden Audi eingetreten und sich auch noch auf die Motorhaube gesetzt haben. Am Audi sei dadurch ein Schaden von über 1.000 Euro entstanden.

Psychische Probleme kommen alle zwei Jahre

Schon im Zuge der Zeugenvernehmungen kündigte der Bezirksrichter an, ein psychiatrisches Gutachten von der Angeklagten einfordern zu wollen. Laut Zeugen hätte sie nach dem Kinnhaken in Litschau Gras gegessen und ihren Pass zerrissen, ehe sie von der Polizei und Rettung beruhigt werden konnte. Auch bei der Beschädigung des Audi in Gmünd wäre die Angeklagte, wie sie selbst betonte, in einer psychischen Krise gesteckt und habe Alkohol getrunken gehabt: „Ich habe ziemliche Probleme, die Krisen kommen alle zwei Jahre“, meinte sie dazu.

Der Audibesitzer hat mittlerweile seinen Schaden auf zivilrechtlichen Weg eingefordert. Es wurde mit der 49-Jährigen eine Ratenzahlung vereinbart.

Die offenen Verhandlungspunkte wurden vertagt. „Das ist alles sehr auffällig, wir werden daher Ihre Zurechnungsfähigkeit von einem Psychiater überprüfen lassen“, meinte der Richter zur Angeklagten.