Kinos in Gmünd und Zwettl: „Wir kämpfen uns durch“. Kinochefin Gaugusch-Prinz trotzt der Hollywood-Flaute – und setzt auf deutschen Blockbuster.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Oktober 2020 (04:43)
Den neuen Bond wird es heuer nicht mehr spielen, dafür freut sich Kinochefin Julia Gaugusch-Prinz über die nächste Klappe für die im Waldviertel zuletzt hoch erfolgreichen Eberhofer-Krimis: „Kaiserschmarrndrama“ läuft Mitte November in Gmünd und Zwettl an. Insgesamt liegen ihre Waldviertler Kinos im Coronajahr 2020 aktuell bei weniger als der Hälfte des Vorjahres-Ergebnisses.
Lohninger

Die News zum Thema Kino lesen sich in Coronazeiten wie ein schlechter Film.

„Neue Rückschläge für die Kinoindustrie“ ist zu lesen, oder: „Kann das Kino Corona überleben?“ Kinos würden „am Tropf“ hängen bzw. „kurz vor der Pleite stehen“, heißt es. Dann: „Jetzt muss James Bond die deutschen Kinos retten“. Schließlich das böse Ende: „Verschiebung des Bond-Films trifft Kinos ins Mark“.

Die Filmindustrie hält ihre Blockbuster wegen CoV zurück, Branchenriese Cineworld musste seine Kinos in den USA und Großbritannien schließen, in Horn und Krems gab Cinemaplexx auf.

Gaugusch-Prinz: „Zweite Schließung ist keine Option“

Die positiven Nachrichten liefert allerdings Julia Gaugusch-Prinz von den „Waldviertler Kinos“ mit Sitz in Gmünd und dem zweiten Standort in Zwettl: „Das Geschäft läuft alles andere als prickelnd, doch wir werden nicht zusperren – wir kämpfen uns durch!“

Eine zweite Schließung nach dem Lockdown im Frühjahr sei einfach keine Option, würde in der Vorweihnachtszeit auch noch das Gutschein-Geschäft einbrechen lassen.

Bayern liefert den Bond-Ersatz

Sie habe sich nach der neuerlichen Verschiebung des schon etwas alten neuen Bond-Filmes „No Time to Die“ ins Jahr 2021 mit der Entscheidung Zeit gelassen. „Sowas tut sehr weh, es wäre der große Herbstfilm gewesen“, sagt die Kinochefin.

Das erhoffte positive Signal sei aus Deutschland gekommen: Constantin-Film lässt ab 12. November Kult-Ermittler Franz Eberhofer für „Kaiserschmarrndrama“ in niederbayerischen Provinz-Machenschaften schnüffeln. Die leicht schrägen Eberhofer-Krimis nach Romanen von Rita Falk haben sich im Waldviertel bereits eine große Fan-Schar aufgebaut, so wurde „Leberkäsjunkie“ im Vorjahr in Gmünd und Zwettl von insgesamt immerhin etwa 2.000 Besuchern gesehen.

Umsatz 60 Prozent hinter Vorjahres-Niveau

Alles in allem liegen die Waldviertler Kinos laut Gaugusch-Prinz heuer bisher um etwa 60 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zum selben Zeitpunkt – inklusive der Monate Jänner und Februar und der von der Regierung verordneten Schließungszeit.

„Gut gehen derzeit vor allem Filme, die Kinder und Jugendliche ansprechen, etwa der zweite Teil von ‚After Truth‘“, analysiert sie: Zwettl laufe dabei wesentlich besser als Gmünd, wo das Aufpoppen des Schremser Hochzeits-Clusters eindeutige Spuren hinterlassen habe.

Eine der sieben zur Kurzarbeit angemeldeten Angestellten habe das Unternehmen aus eigenen Stücken verlassen, der Rest blieb und soll in die Kurzarbeits-Phase drei übernommen werden. Auch geringfügig Beschäftigte sind teils wieder zurück.

Greta erobert Waldviertler Kinos – inklusive Diskussion

Für einigen Zulauf dürfte ab 30. Oktober indes die über Nacht weltbekannt gewordene Klima-Aktivistin Greta Thunberg in den Waldviertler Kinos sorgen: Da soll die in Österreich von WEB Windenergie und „oekostrom“ unterstützte Film-Doku „I Am Greta“ in Gmünd und Zwettl anlaufen.

Für 5. November ist im Zwettler Kino im Anschluss an den Film (19 Uhr) ein Podiums-Gespräch mit den beiden WEB-Vorständen und der „Parents For Future Waldviertel“-Gründerin Sabine Nagl geplant.