Thomas Schindl: Mit Leidenschaft zum Erfolg getrommelt. Thomas Schindl aus Brand im Bezirk Gmünd fand zu seinem Wunschorchester, den Symphonikern. Über Höhen, Tiefen – und ganz perfekte Töne.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 17. Januar 2021 (06:05)
Thomas Schindl aus Brand ist Schlagzeuger bei den Wiener Symphonikern.
Julia Wesely

Es war eine große Portion Unbekümmertheit, die Thomas Schindl zu seinem Probespiel beim Göttinger Symphonie Orchester in Deutschland mitgebracht hatte. Als er von Runde zu Runde weitergekommen ist, wurde ihm der Ernst der Lage klar: „Deshalb habe ich absichtlich einen Fehler eingebaut.“ Der ist aufgefallen – das Talent Schindls aber auch. Der damals 21-Jährige bekam eine Zusage, die er nach einigem Überlegen angenommen hat.

Thomas Schindl aus Brand ging eine beachtliche Karriere von der Musikschule über die Militärmusik NÖ bis zu den Wiener Symphonikern. Dort ist er seit 13 Jahren tätig.

Wie alles begann

„Beim 40. Geburtstag meines Vaters hat die Kapelle bei uns vor dem Haus gespielt. Sie haben meinem Vater gesagt, am Schlagzeug suchen sie jemanden“, erzählt Schindl. Bald darauf ging es für ihn in die Musikschule.

Die Erkenntnis als jugendlicher HTL-Schüler in Hollabrunn: „Die HTL hat mich weniger interessiert, die Musik dafür mehr. Ich habe aber immer darauf geachtet, dass die Noten in Ordnung sind. Deshalb haben mir die Lehrer wahrscheinlich meine Fehlstunden verziehen.“ Dass er die Schule nicht abgebrochen hat, sollte ihm später berufliche Sicherheit geben.

Das Pech des Alters

Die Matura schloss Thomas Schindl mit ausgezeichnetem Erfolg ab. Dabei legte er zeitgleich Grundsteine für seine Musikkarriere: Genau in der Woche der schriftlichen Prüfungen stand der „Prima la Musica“-Bundeswettbewerb in Kärnten an – Thomas Schindl sollte freilich dabei sein.

Blöd nur, dass sein Auftritt auf den Tag der Deutsch-Matura fiel. Er gab die Prüfung eine Stunde verfrüht ab. Ein Lehrer brachte ihn nach Wien, von dort aus ging es per Zug nach Klagenfurt. Bei Prima la Musica wurde er Bundes-Zweiter. Weil: „Mein Pech war, dass Martin Grubinger immer in meiner Altersstufe war.“ Dafür gab es auf die Matura ein „Sehr gut“.

Ein prägender Einfluss

Bei der Trachtenkapelle Brand spielt Thomas Schindl immer noch. Denn in der Kulturlandschaft sei alles wichtig – von der Blasmusikkapelle bis zum Symphonieorchester. „Deshalb schätze ich die Trachtenkapelle sehr“, sagt er. In seiner Schulzeit nahm er Schlagzeug-Unterricht bei der aus Dobersberg stammenden Maria Jenner. Diese Zeit habe ihn besonders geprägt, er bezeichnet das als „wichtigste Weichenstellung“ für seine Karriere.

Nach der Matura ging es zur Militärmusik. Gleichzeitig begann er in Wien Schlagzeug als Konzertfach zu studieren, stieg dort aber nach einem Jahr auf Instrumental- und Gesangspädagogik um und setzte das Konzertfach-Studium in Linz fort.

Umzug nach Deutschland

Was folgte, war das Übersiedeln nach Deutschland für die Tätigkeit beim Göttinger Symphonie Orchester. Denn anders als ursprünglich geplant, blieb Schindl länger als ein Jahr dort: „Das war eine Riesenerfahrung. Ich habe die Zeit genutzt, um Kontakte zu bekommen. Es sind viele Freundschaften entstanden, die bis heute halten.“ Später ist auch seine Partnerin Angelika zu ihm gezogen, hat dort Harfenunterricht gegeben und sich gut eingelebt.

Musikalische Arbeit ist mentale Arbeit

Nach einigen Jahren beim Orchester in Göttingen standen wieder Bewerbungen an. Wieder ging es zu Probespielen. Und doch war es anders: „Je mehr Spiele ich gemacht habe, umso schlechter ist es geworden. Das war schon ein Tief.“ Die Unbekümmertheit war weg – und die Nervosität da.

2005 hatte er das erste Probespiel bei den Wiener Symphonikern, nach der zweiten Runde war allerdings Schluss. Es kam die Erkenntnis, wie unverzichtbar mentale Stärke für Profimusiker ist: „Das ist wichtig, um auf der Bühne die Leistung zu erbringen, die auch beim Üben möglich ist.“ Deshalb griff er 2007 zu akribischen Vorbereitungen für das erneute Probespiel bei den Symphonikern.

Mit Erfolg. Thomas Schindl wurde beim zweiten Versuch aufgenommen und ist seitdem ein Teil des knapp 130 Musiker umfassenden Orchesters. Er ist am Schlagzeug eingesetzt, Stellvertretung auf der Pauke und Obmann des Orchestervorstandes. In regulären Jahren bringen es die Wiener Symphoniker auf etwa 160 Auftritte pro Jahr. Sie bespielen hauptsächlich das Wiener Konzerthaus und den Musikverein. Die Symphoniker seien sein Wunschorchester gewesen: Das Repertoire sei eben anders als bei Opernorchestern.

Covid-19-Pandemie hat auch die Symphoniker betroffen

Kurz vorm ersten Lockdown stand die Premiere der Fidelio-Produktion unter der Regie von Christoph Waltz im Theater an der Wien an. „Da waren schon alle Klopapier kaufen“, scherzt Schindl.

Der Termin wackelte, die Musiker wurden unruhig. Schließlich wurden bei den Proben Mitschnitte für Radio und Fernsehen angefertigt. Ende Mai ging es wieder auf die Bühne. Ob der Besucherbeschränkungen wurden Konzerte doppelt gespielt.

Im zweiten Lockdown entstanden „Wohnzimmerkonzerte“, die online verbreitet wurden. Für die Musiker standen wöchentliche Covid-Tests an.

Wie viel Zeit bleibt für die Familie? „Das Wochenende gibt es nicht. Ich war aber nie der Typ, der von Montag bis Freitag arbeiten wollte“, sagt Thomas Schindl. In seiner Wiener Wohnung habe er sogar Blick aufs Konzerthaus. Trotzdem: Die Zeit in seinem Elternhaus in Brand ist ihm und seiner Familie wichtig.

Und wenn eine seiner drei kleinen Töchter per Mausklick Gustav Mahlers Musik abspielen lässt, wird klar, dass ihnen die Musik in die Wiege gelegt worden sein muss.

Zurück nach Göttingen

Dass er mit Anfang 20 den Job in Deutschland angenommen hat, bereue er nicht, sagt Schindl. Inzwischen sitzt er bei Probespielen selbst in der Jury. Deshalb weiß er, dass nicht nur jeder Ton stimmen muss – sondern auch die persönliche Komponente der Orchester-Anwärter. Vielleicht war es genau das, was die Jury beim Göttinger Symphonie Orchester über den Fehler des bodenständigen Schlagzeugers hinwegschauen hat lassen.