Kälte hat Bezirk Gmünd im Griff. Litschau und Oberlainsitz waren Kältepole. Tiefster März- Wert seit 31 Jahren könnte fallen. Urlaubssperre für Pannenfahrer, perfekte Pisten für Skifahrer.

Von Karin Pollak, Michael Schwab und Markus Lohninger. Erstellt am 28. Februar 2018 (04:00)
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Eis über Windschutzscheibe – ein vertrauter Anblick dieser Tage.

Alte Bauernregel für den 24. Februar: Mattheis bricht‘s Eis, hat er keines, dann macht er eines. Für 2018 passt die Regel perfekt, just am 24. Februar um 7 Uhr früh meldete Ö3 Oberlainsitz (Gemeinde St. Martin) mit -18 Grad als kältesten Ort Österreichs. Am 26. Februar um 6.30 Uhr schaffte Litschau selbiges mit -20 Grad, in Oberlainsitz war die Quecksilbersäule sogar auf -25 Grad gefallen.

Derartige Kälte gab es bei uns zu einem so späten Februar- Zeitpunkt seit Jahren nicht mehr. In der Wettermessstation der Firma Agrana in Gmünd trug Helmut Dorr (mittlerweile pensioniert) seit 1951 die Werte zusammen. Eine massive Kältewelle in der zweiten Februar-Hälfte hat er zuletzt anno 1986 verzeichnet, mit Temperaturen bis zu -24 Grad. Immerhin -17 Grad registrierte er Anfang März 2005, -12,2 Grad am 7. März 2010. Beide Extremwerte könnten in der Nacht auf 1. März unterboten werden.

Kaputte Batterien & Co: ÖAMTC & ARBÖ auf Tour

„Da keine starken Schneefälle vorhergesagt sind, ist die Kälte für uns kein Problem“, sagt Straßenmeister Helmut Rausch von der Straßenmeisterei Schrems. Statt Straßenglätte plagen aber kältebedingte technische Pannen die Autofahrer. „Am Samstagnachmittag ging es los, am Sonntagnachmittag hatten wir schon Hochbetrieb. Heute fahren wir mit allen Pannenfahrzeugen, die wir haben“, sagte ÖAMTC-Stützpunktleiter Ewald Braunstein am Montag zur NÖN.

Pannenursache Nummer eins seien altersschwache Batterien, die im milden Jänner genug Strom liefern konnten und nun reihenweise aufgaben, gefolgt von verstopften Kraftstofffiltern bei Dieselfahrzeugen, die durch Aufwärmen „aufgetaut“ werden müssen. Auch nicht ausreichend kältefester Scheibenfrostschutz machte Probleme.

Während am Gmünder ARBÖ-Stützpunkt an Montagen im Schnitt zwei bis fünf Einsätze anfallen, waren es diesen Montag 24. Die Techniker waren mit zwei Autos im Dauereinsatz, wegen der anhaltenden Kälte wurde eine Urlaubssperre verhängt. Häufigste Pannenursache waren hier defekte oder schwache Batterien vor ausgeflocktem Diesel und vor zugefrorenen Türen.

Perfekte Pisten, leere Heizmaterial-Speicher

Den Arbeitsmarkt im Bezirk belastet die späte Kälteperiode noch nicht, hält AMS-Leiter Gerhard Ableidinger fest. Er erwartet die große Welle an Wiedereinstellungen erst nach Ostern, „bin dahin hat die Wetter-Entwicklung wenig Auswirkungen.“

Die Liftbetreiber haben Freude an der Kälte. Aber: „Der Jänner war einfach zu warm. In der Zeit hätten wir die jetzige Kälte gebraucht“, meint Geschäftsführer Peter Weinberger von den Arra-Liften Harmanschlag nach einer durchwachsenen Saison. Vereinzelt würden noch Schulen kommen, auch das Flutlicht ziehe noch, aber „die Luft ist immer nach den Semesterferien heraußen“. An sich herrschen am Arra perfekte Pistenverhältnisse. „Wer kommt, dem stehen Traumpisten zur Verfügung“, betont Weinberger.

Wolfgang Landl: "Saison ist gut gelaufen"

Selbiges sagt Wolfgang Landl, Geschäftsführer der Aichelberglifte, für Karlstift. Er war schon vor der Kältewelle zufrieden. „Die Saison ist sehr gut gelaufen, wir hatten immer eine gute Schneelage und seit 9. Dezember durchgehend Betrieb“, sagt er. Bei starker Kälte ist das Präparieren der Pisten am einfachsten. „Nur die Leute wollen bei strengem Frost oft nicht mehr so recht“, schränkt Landl ein.

Während sich die Hänge leeren, erlebt eine andere Branche einen späten Boom: Heizöl und Pellets werden seit der Vorwoche, wie es seitens Eigl und Avia in Zwettl heißt, vermehrt bestellt – Tendenz weiter steigend! „Viele schauen jetzt auf ihren Vorrat beim Heizmaterial und bestellen nach. Außerdem ist das Öl billiger geworden“, weiß Claudia Scharitzer, bei Eigl für den Verkauf und die Disposition von Heizöl und Pellets zuständig. Produziert werden die Pellets übrigens im Eigl-Hauptwerk in Rastenfeld und bei der Firma Eschelmüller in Rothfarn.