Impfung: Keine Hilfe für 226 Senioren im Bezirk Gmünd. Die Gemeinden im Bezirk Gmünd konnten viele Corona-Impftermine für Über-80-Jährige nicht buchen. Zugang wurde abgedreht.

Von Karin Pollak. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:15)
Symbolbild
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Mit „Diese Generation hat sich einen entsprechenden Umgang verdient und nicht, dass sie wegen eines gut gelösten, aber menschlich nicht durchdachten Systems Stress wegen ihrer Corona-Impfung bekommt“, bringt Bezirksärztevertreter Christoph Preißl neuerlich seinen Unmut zum Chaos bei der Terminvergabe für die Corona-Impfung von Über-80-Jährigen zum Ausdruck. Viele schafften es auch am 17. Februar wieder nicht, einen Impftermin zu bekommen. Jetzt schaltet sich Landtagsabgeordnete Margit Göll in diese Causa ein.

Stellungnahme eingefordert

Gemeindebund-Obfrau Margit Göll schäumt vor Wut.
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In ihrer Funktion als Gemeindebund-Obfrau fordert Margit Göll eine Stellungnahme von NÖ-Impfkoordinator Christof Chwojka. „Ich will eine Erklärung, warum im Bezirk Gmünd so wenig Impfstoff zur Verfügung gestellt wird. Das können wir uns nicht gefallen lassen“, poltert Göll.

Geärgert hat Göll auch, dass die angekündigten Extra-Zugangszeiten für die Gemeinden, die vielen Über-80-Jährigen bei der Terminbuchung behilflich sind, nicht eingehalten wurden: „Diese wurden von Notruf Niederösterreich abgedreht.“

Mittlerweile wurden von der Bezirkshauptmannschaft die Anzahl jener Bürger erhoben, die über die Gemeindeämter einen Impftermin bekommen wollten, aber leer ausgingen – 226 Über-80-Jährige müssen sich weiterhin gedulden. „Die Gemeinden leisten wertvolle Arbeit und dann werden sie so enttäuscht“, meint Göll.

Klare Richtlinien

Diese Kritik lässt Notruf-Niederösterreich-Pressesprecher Stefan Spielbichler nicht gelten: „Es gibt einfach zu wenig Impfstoff. Für die Über-80-Jährigen und die an Trisomie-21-Erkrankten bekamen wir 4.000 Dosen pro Woche in Niederösterreich. Diese sind nach der Anzahl der Bewohner auf die Bezirke verteilt worden.“ Dass die Gemeinden keine Extra-Zugangszeiten bekommen, habe Christof Chwojka bei den Video-Bürgermeisterkonferenzen schon im Vorfeld der Terminbuchungen bekannt geben.

Ein anderes System gewünscht

Viel Unverständnis bringe das Buchungssystem. „Damit ich mitreden kann, habe ich selber einen Termin für einen Herrn gebucht. Das hat sogar funktioniert.

Bezirksärztevertreter Christoph Preißl will mehr Impfstoff für den Bezirk.
Harald Winkler

Bei dem Buchungsvorgang muss man aber schon sehr technikaffin sein“, erzählt Preißl. Dieses Prozedere sei alles andere als der Wunsch vieler Ärzte: „Wir haben uns ein System gewünscht, bei dem die Senioren wohnortnahe in den Arztpraxen geimpft werden. Die Anmeldung dazu wäre über die zuständigen Gemeinden viel fairer, die Anlieferung der Impfstoffe über einen Koordinator viel einfacher. Aber so läuft es leider nicht.“

Im Waldviertel gebe es auch zu wenige Impfstellen

„Das liegt aber nicht an den Ärzten. Ich habe elf Impfstellen aus dem Bezirk Gmünd bei Notruf Niederösterreich gemeldet. Aber mangels Impfstoff kommen nur sehr wenige Ärzte zum Impfen.“ Warum es in der Region um St. Pölten viel mehr Impfstoff geben würde, kann Preißl nicht beantworten. „Ich wünsche mir, dass jener Impfstoff, der dort nicht gebraucht wird, zu uns ins Waldviertel geschickt wird. Es ist nicht gescheit, mit den Senioren durchs ganze Land zum Impfen zu fahren. Wir sind generell benachteiligt und das ist jetzt auch bei den Corona-Impfungen so.“

Viele verärgerte NÖN-Leser

Viele Anrufe und Mails gingen dazu auch in der Gmünder NÖN-Redaktion ein (siehe Leserbriefe unten). Eine Beschwerde kam von Johann Pönwalter aus Biedermannsdorf, der einen Termin für seine 88-jährige Mutter aus Großneusiedl fixieren wollte. „Ich konnte 14 Mal einen Termin auswählen, acht davon waren zu buchen. Doch es kam immer eine Fehlermeldung, warum?“

Diese Frage deponierte er bei Notruf Niederösterreich via Mail. Die lapidare Antwort sei prompt gekommen: „Bitte schließen Sie Ihren Browser und versuchen Sie, den Anmeldevorgang zu wiederholen. Die Herkunft der Fehlermeldung ist uns noch nicht bekannt.“ Biedermanns EDV-Experte bestätigte, dass das Problem durch das Anmeldesystem verursacht wurde.

„Es liegen die Daten von den angemeldeten Personen vor. Da wäre es einfach, alle dem Alter nach zu impfen. In Wien funktioniert das“, so Biedermann.