Bezirk Gmünd: Leichte Entspannung auf hohem Niveau . Erstmals wieder mehr Genesene als Neuinfizierte. Die Grenzkontrollen werden neuerlich intensiviert.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 15. Oktober 2020 (05:46)
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Nach wie vor nicht abgeflaut ist die Ausbreitung der CoV-Pandemie im Gmünder Bezirk. Vorige Woche war das erste Todesopfer in Zusammenhang mit dem Virus zu beklagen, die Zahl der Neuinfektionen bleibt auf hohem Niveau. Aber: Erstmals seit der Bildung des Schremser Hotspots vor einem Monat wurden zuletzt wieder mehr neu Genesene als neu Infizierte registriert.

Nebel lichtet sich

So ist der Bezirk zwar mit einem Stand von bisher 153 CoV-Fällen per 13. Oktober drauf und dran, in der Gesamtbilanz nach Horn auch Waidhofen (163) zu überholen. In der 7-Tages-Bilanz stehen jedoch laut Behörde den 52 in der Zeit Genesenen nur 30 Neuinfizierte gegenüber.

Damit lichtet sich der Nebel etwas, zumal kein zweiter Cluster in Sicht ist: „Aktuell ist kein klares Muster mehr erkennbar“, registriert Bezirkshauptmann Stefan Grusch primär Infektionen aus den Bereichen Freizeit, Familie, Schule und Kindergarten, die nach privaten Feiern oder teilweise auch Gasthaus-Besuchen jedoch keine allzu großen Kreise ziehen.

Infektionsherde aus Nachbarbezirken, Wien (durch Pendler) oder Tschechien – wo derzeit deutlich mehr Infektionen auftreten als in Österreich – würden ebenfalls fallweise in den Bezirk ausstrahlen, sagt der Bezirkshauptmann. Er sieht bei aller Freude über den Zusammenhalt im Bezirk – von den Teams der Behörde über die Polizei bis zu Bürgermeistern und Bundesheer – die lange Staatsgrenze an den Rändern als Herausforderung: „Hinsichtlich der Informationen aus Tschechien gibt es viel Luft nach oben.“

Sorge um zusätzliche Nachtschwärmer

Die Bezirksverwaltungen seien in Tschechien im späten 20. Jahrhundert aufgelöst worden, daher fehlen direkte Ansprechpartner. Grusch: Dass drüben die Sperrstunde auf 20 Uhr vorverlegt wurde, habe er erst aus der Videokonferenz aller Orange-Bezirke mit Minister Anschober erfahren.

Dabei habe das auch Auswirkungen auf den Bezirk Gmünd. „Wenn drüben geschlossen ist, ist bei uns mit stärkerem Aufkommen von Nachtschwärmern zu rechnen“, fürchtet der Bezirkshauptmann. Er ordnete eine Rückkehr zu verstärkten Grenzkontrollen an.

Erster eigener Epidemie-Mitarbeiter

Die Behörde selbst hat in der Verwaltung mittlerweile Zugriff auf – je nach aktuellem Bedarf – bis zu drei Soldaten aus der Kuenringerkaserne Weitra, die unter anderem bei der Aufarbeitung und Nachbearbeitung der Kontakte von Infizierten unterstützen. Auch ein erster eigener Epidemie-Mitarbeiter aus dem Bezirk wurde eingestellt, der ausschließlich für Angelegenheiten im Zusammenhang mit Covid-19 zuständig ist. „Das sind wichtige Verstärkungen für uns“, freut sich Grusch.

Man sei extrem bemüht, positive Fälle rasch auszuleuchten und das Contact Tracing verlässlich innerhalb von 24 Stunden abzuschließen, um weitere Infektionen zu verhindern. Die Zahl der Personen in Quarantäne – Erkrankte und Hochrisiko-Kontakte – hat sich im Schnitt bei 260 bis 290 eingependelt.

„Folgeschäden sind Thema“

Unter den aktuell Infizierten befinden sich „gar nicht wenige“ schwerer Erkrankte, betont Bezirkshauptmann Grusch. Auch dramatische Folgeschäden seien absolut ein Thema, berichtet er selbst von einem 25-jährigen Halbmarathon-Läufer, der einen Monat nach einer CoV-Infektion beim Stiegensteigen immer noch um Luft ringe.

Vorige Woche forderte das Virus ein erstes dokumentiertes Todesopfer im Bezirk. Ein 55-Jähriger, bei dem Covid-19 beim Routinetest vor der Spitals-Aufnahme festgestellt worden war, hatte bereits bei Einlieferung im September künstlich beatmet werden müssen. Dass es sich bei ihm um einen Schremser Gemeindebürger handeln soll, bestätigt der Bezirkshauptmann nicht. Der Mann habe Vorerkrankungen gehabt, so Stefan Grusch: „Ohne Corona wäre er aber sehr wahrscheinlich nicht zu diesem Zeitpunkt gestorben.“