Schon jeder Siebte im Bezirk Gmünd war in Quarantäne. Zwischenbilanz nach drei wilden Monaten im Bezirk Gmünd: 7.700 Tests, 5.300 Abgesonderte, 1.000 CoV-Infizierte, 22 Tote. Rückverfolgbarkeit ist wesentlich höher als im Bundestrend.

Von Markus Lohninger und Karin Pollak. Erstellt am 25. November 2020 (04:14)
Stefan Grusch (links oben) hofft auf ruhigere Zeiten an der Bezirkshauptmannschaft.
Markus Lohninger / Privat

Innerhalb von nicht einmal drei Monaten schnellte die Zahl der positiv auf das Coronavirus getesteten Einwohner des Gmünder Bezirks von 18 in den vierstelligen Bereich hoch: Am Nachmittag des 23. November wurde die Marke von tausend positiven CoV-Tests im früheren Musterbezirk überschritten, bis zum Abend waren 1.004 seit März jemals Infizierte dokumentiert.

Zuletzt im Schnitt jeden Tag ein Todesfall

Im Bezirk mit 36.500 Einwohnern fand somit jeder 36. Einwohner seit September Eingang in die offizielle Coronabilanz. 22 Bürger starben laut Bezirkshauptmann Stefan Grusch bis Montagabend im Zusammenhang mit dem Virus – mehr als die Hälfte binnen zwei Wochen. Die Verstorbenen gehören großteils der Risikogruppe über 65 an, fünf davon waren Bewohner des von einem etwa 30-köpfigen Cluster heimgesuchten PBZ Schrems.

Die weiteren Zahlen zum traurigen Jubiläum: 10.700 Tests wurden bis Montag durch die Behörde veranlasst, im Schnitt ist also nicht ganz jeder zehnte Verdachtsfall auch wirklich eine nachgewiesene Infektion. Etwa 5.300 Personen, also immerhin ein Siebtel der Gesamtbevölkerung im Bezirk, mussten bisher als Infizierte oder Hochrisiko-Kontakte Absonderungs-Bescheide zugestellt werden.

Infektionen im Personal vom Kinderhaus bis zur Schule

In der Vorwoche häuften sich indes positive PCR-Tests unter Pädagogen. Das Kinderhaus Gmünd und der Kindergarten Brand mussten wegen Infektionen im Personal vorübergehend geschlossen werden (NÖN.at berichtete) – in Gmünd ging es mit Wochenbeginn wieder los, in Brand bleiben die Tore bis 30. November zu.

Der Grund laut SP-Bürgermeister Franz Freisehner: „Der Betreuungsbedarf ist in dieser Woche nicht gegeben.“ An sich hätte mit einer Helferin und einer Ersatzkraft für die erkrankte Leiterin weitergemacht werden können.

Auch zwei Schulen beschäftigten die Behörde: Bezirkshauptmann Grusch berichtet von zwei Einrichtungen, in denen Lehrer offenbar am letzten Tag vor dem Lockdown schon infektiös gewesen waren, „Kinder ohne Symptome brachten das Virus dann heim in ihre Familien“. Massentests an Lehrpersonal am 5. und 6. Dezember hält Grusch daher vor dem Neustart an Schulen für sehr sinnvoll.

Immerhin: Endlich Wende bei Neuinfektionen

Insgesamt zeichnet sich seit dem Wochenende immerhin endlich eine Trendwende im Bezirk ab: Erstmals wurden wieder deutlich mehr Genesene als Neuinfizierte registriert, am Montag standen 13 neuen Positivtests 29 Personen gegenüber, die als wieder genesen gelten.

Der Wert zur „7-Tage-Inzidenz“, der Neuinfektionen in Relation zur Einwohnerzahl bringt, sank zum Wochenbeginn auf 424 – Gmünd ist damit noch überm Landes-, aber schon unter dem Bundestrend (NÖ: 347; Ö: 454).

Stefan Grusch hofft auf ruhigere Zeiten an der Bezirkshauptmannschaft.
privat

Die Zahl von 288 aktuell Infizierten blieb zum Wochenstart noch konstant, jene der Bürger in Quarantäne sank deutlich auf 816. Noch vor zwei Wochen war sie bei etwa 900 gelegen.

Bezirkshauptmann Grusch hofft, dass die Infektionszahlen aufgrund der Kontakteinschränkungen in den nächsten Tagen noch weiter nach unten gehen. Klar müsse aber sein, dass Lockerungen auch wieder mehr Kontakte und folglich mehr Risiko nach sich ziehen würden.

Gegen Bundestrend: Mehr als 90 Prozent der Infektionen zuordenbar

Die Nachvollziehung der Infektionsketten ist aktuell eine der großen Herausforderungen. Bundesweit kann nur noch für ein Fünftel aller Ansteckungen die Quelle ermittelt werden, im Gmünder Bezirk spricht Stefan Grusch von einer „Rückverfolgbarkeit von weit mehr als 90 Prozent“ aller Infektionen.

Das gelinge trotz eines im überregionalen Vergleich kleinen Ärzteteams, weil: „Unsere Epidemieärzte stehen leidenschaftlich dahinter und werden von den Mitarbeitern der Bezirkshauptmannschaft voll unterstützt!“