Breitband im Bezirk Gmünd: Glasfaser war oft Kriterium. Coronakrise ließ Wert des Anschlusses im Ort ansteigen. Gmünder Bezirk profitierte in weiten Teilen von Führungsrolle.

Von Anna Hohenbichler und Markus Lohninger. Erstellt am 19. August 2020 (04:18)
Es wird fleißig gebaut: Die Harbacher Bürgermeisterin Margit Göll besichtigt gemeinsam mit Ortsvorsteher Christian Raab die Baustelle.
Karl Tröstl

Mit den letzten Bauarbeiten wurden Anfang 2020 die Glasfaser-Anschlüsse der letzten von insgesamt 12.000 Haushalten rund um die Bezirkshauptstadt fertiggestellt. Das war auch das Finale für den Breitband-Ausbau der größten NÖ Glasfaser-Pilotregion, der für das Projekt um die Gemeinden Heidenreichstein und Unserfrau-Altweitra erweiterten Kleinregion „Waldviertler StadtLand“.

Bezirk Gmünd war früh ganz vorne dabei. Der Bezirk spielte im Pilotprojekt des Landes auch durch den Waldensteiner Hartwig Tauber als Geschäftsführer der Errichtungs-GmbH die große Rolle – und war im Sog des Gmünder Glasfaser-Pioniers NBG schon davor die treibende Kraft für den Breitband-Netzausbau im ländlichen Raum gewesen. Ein Vortrag eben bei NBG habe ihn früh auf den Plan gerufen, sagt der damalige und heutige Bürgermeister St. Martins, Peter Höbarth: „Ich wusste sofort, wenn wir da nicht mittun, dann haben wir ein Problem.“ Die Gemeinden Großschönau und Bad Großpertholz wurden Verbündete, alle drei verlegten nach 2003 als erste NÖ Gemeinden bei Kanalprojekten automatisch Leerrohre mit (Seiten 4/5).

Bund investierte bisher 11,4 Millionen. Alleine vom Bund wurden bis Ende 2019 rund 11,4 Millionen Euro in den Breitband-Ausbau im Bezirk Gmünd investiert – so viel wie in keinem anderen Bezirk im Waldviertel. Das Land NÖ investierte über die nöGIG über hundert weitere Millionen Euro in vier Pilotregionen, von denen jene im Gmünder Zentralraum die klar größte war.

Trotzdem ist das Netz nicht flächendeckend: Die Gemeinden Haugschlag, Reingers, Eisgarn, Eggern und Moorbad Harbach wurden zuletzt zur Ausbau-Region zusammengefasst, das Netz wird hier aus Mitteln der NÖ Grenzlandförderungsgesellschaft finanziert. „Bei uns wird fleißig gebaut“, sagt Margit Göll, Landtagsabgeordnete und Harbacher Bürgermeisterin. Die Gemeinderäte von Eisgarn und Reingers vergaben gerade erst die Aufträge, in Eggern und Haugschlag gab es Mitverlegungen im Zuge von Bauarbeiten.

„Mir war es ein Anliegen, auch meine Gemeinde zukunftsfit zu machen“, sagt Göll. In der ersten Etappe werden Harbach und einige Grundstücke in Lauterbach angeschlossen. 2021 soll der Rest folgen – mitfinanziert durch Bundesgelder. Herausfordernd für den Breitband-Ausbau seien eben auch die weiten Wege in Streusiedlungen. Glasfaser soll neue Möglichkeiten erschließen, besonders für junge Menschen: „Damit die Arbeit im Homeoffice, das ein Zukunftsthema werden wir, besser funktioniert.“

Stadtgemeinden Weitra und Litschau hinken nach. Ihr großes Ziel sei die flächendeckende Versorgung mit Glasfaser, sagt Göll mit Blick auf Weitra und Litschau, wo die Netzqualität oft von der Zugriffsdichte auf Kupferleitungen abhängt. Litschau ist laut Bürgermeister Rainer Hirschmann ein „Fleckerlteppich“: Teils gebe es Lösungen mit A1, teils mit der nöGIG, teils noch gar nichts. „Die Nachfrage war bis jetzt in den Ortschaften nicht so groß“, sagt Hirschmann. Sie sei aber durch Corona gestiegen, sei besonders bei Klein- und Mittelbetrieben hoch: „Die drängen schon darauf.“

Ähnlich ist der Status quo in Weitra: Die Orte Brühl und Spital seien schon mit Lichtwellenleitern ausgestattet, in der Stadt sei man beim Aufbau, sagt Bürgermeister Patrick Layr. Dort laufe die Datenübertragung noch weitgehend über Kupferkabel, größere Betriebe hätten sich ihren Breitband-Zugang selbst besorgt. Aber: „Bei allen Baustellen – aktuell an der B41 – werden Leerrohre mitverlegt. Eine vernünftige Breitband-Anbindung ist wichtig, Glasfaser wird künftig zur Grundinfrastruktur gehören.“ Für einen flächendeckenden Ausbau in Litschau und Weitra erachtet Abgeordnete Göll eine „Anschubfinanzierung“ als notwendig.

Coronakrise zeigte Wert von Glasfaser auf . In der Kleinregion Waldviertler Stadtland rund um Gmünd und Schrems erinnert indes nur mehr wenig an die einst aufgegrabenen Straßenzüge, die Glasfaser ist schon fest verwurzelt. Das erste Fazit: „Für die Firmen, große wie kleine, war es wichtig“, sagt Waldensteins Vizebürgermeister und Kleinregions-Obmann Christian Dogl. Dass auch Private vom Breitband profitieren, sei in Monaten mit Homeoffice von Arbeitnehmern und Distance Learning von Schülern deutlich geworden: „Gerade die Coronakrise hat uns gezeigt, welcher Riesenvorteil der Glasfaser-Anschluss ist. Wer schnelles Internet hat, hatte einen großen Vorteil“, resümiert Dogl.

Und so dürfte es dazu beitragen, dass die Bauarbeiten in der Kleinregion weitergehen: Der Glasfaser-Anschluss sei für junge Leute eine Grundvoraussetzung beim Kauf von Baugründen.

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