Schremser Buchhandlung profitiert von Trafik. Grenz-Barriere bringt Trafiken ihr Geschäft zurück – in Schrems belebt das auch den Buchhandel.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 18. Februar 2021 (05:16)

Jeden treffen die Coronavirus-Turbulenzen anders. In der Schremser Buchhandlung Spazierer wurde aus dem Druck der Kontaktminimierung heraus die Idee geboren, ein ungenutztes Nachbargebäude als neue Ausstellungsfläche zu aktivieren – mit Option auf mehr. Und: Die inkludierte Trafik, die jahrelang unterm Tschick-Tourismus nach Tschechien gelitten hat, erfreut sich angesichts quasi geschlossener Grenzen fröhlicher Urständ.

„Froh sein, dass sich Trafikanten vor Corona über Wasser halten konnten.“

Bereits im ersten Lockdown berichtete die NÖN im Vorjahr über stark steigende Umsätze von Trafikanten im Grenzraum, nachdem diese zuvor jahrelang unter teils massivem Kaufkraft-Abfluss nach Tschechien gelitten hatten. „Wer vor Corona wegen Zigaretten rüber gefahren ist, der muss nun froh darüber sein, dass sich die Trafikanten in Österreich dennoch über Wasser halten konnten. Ansonsten wäre es jetzt schwierig“, sagt Geschäftsführer Tobias Spazierer.

Tobias Spazierer kam im Lockdown ohne Kurzarbeit aus.
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Für sein Geschäft in der Budweiser Straße 3 in Schrems war die Trafik auch ein Grund, warum es trotz der Lockdowns geöffnet bleiben konnte – sie hat aus genannten Gründen sogar als zusätzlicher Frequenzbringer gedient. Spazierer: „Wir hatten zwar bis 8. Februar vorübergehend nur vormittags geöffnet, haben aber immerhin ein bisschen was tun können, und ich musste für keine meiner sechs Teilzeit-Mitarbeiterinnen Kurzarbeit anmelden.“

Ausstellungs-Konzept überarbeitet – und erweitert

Die üppiger vorhandene Zeit nutzte er auch, um eine Version seiner traditionellen Schultaschen- und Rucksackausstellung – die größte im Waldviertel und einst eine der ersten in Österreich – zu entwickeln: Das Schloss fiel als Ausstellungsfläche wegen der aktuellen Bauarbeiten aus, abgesehen davon standen hinter einer größeren Ausstellung covidbedingt einfach noch zu viele Fragezeichen. Die Lösung waren eine am vorigen Wochenende mit einigem Erfolg in Zwettl abgehaltene Ausstellung mit Voranmeldungen einerseits, und die Einrichtung einer Dauerausstellung in Schrems andererseits.

Für die Schremser Lösung mietete Spazierer das Nachbargebäude in der Budweiser Straße 1 an, in dem einst ein Handarbeitsgeschäft betrieben worden war, und machte den Schauraum wieder flott. Fußboden, Beleuchtung und Regale wurden erneuert, die Wände ausgemalt. An die 200 verschiedene Schultaschen bzw. Rucksäcke finden auf etwa 100 m 2 Fläche nun Platz, besichtigt werden können sie täglich zwischen Montag und Samstag.

Schauraum: Aus der Not geboren, aber eine langfristige Option

Die Art und Weise des Gustierens ist freilich auch stark durch Covid beeinflusst: Maximal zwei Familien dürfen sich entsprechend der Vorgaben zugleich im Schauraum aufhalten. Um das zu gewährleisten, müssen sich diese vorab über ein Internet-Tool für einen fixen Termin anmelden und haben dann eine Dreiviertelstunde lang Zeit, sich umzusehen. Dann wird eine Viertelstunde lang gelüftet, ehe die nächsten Angemeldeten kommen dürfen.

„Kurzfristig Interessierte können wir natürlich einlassen, falls gerade keine zwei Familien im Schauraum sind“, sagt Tobias Spazierer. Er spricht wie viele Unternehmer von zusätzlichen Aufwänden für geringere Umsätze als vor Corona. Aber: Die geballte Auswahl mache einfach den Reiz seines Schultaschen-Sortiments aus, ziehe Familien auch aus den Bezirken Zwettl und Waidhofen an, „ich glaube, dass diese neue Schaufläche Sinn macht.“

Wenn der Versuch von Erfolg gekrönt ist, dann kann er sich vorstellen, das Nachbargebäude auch außen aufzuhübschen und es auch in den nächsten Jahren als Schauraum anstelle der Ausstellung im Schloss zu nutzen.