Waldviertler startete Karriere als Uhrmacher. Benedikt Prand-Stritzko aus Langau ist nach der Karlsteiner Schule bei H. Moser & Cie. in der Schweiz gelandet.

Von Karin Pollak. Erstellt am 28. Februar 2021 (03:10)

Seit 1873 werden in Karlstein Uhrmacher ausgebildet, viele Absolventen der Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik haben nach ihrer fundierten Ausbildung in renommierten Unternehmen Karriere gemacht. Einer von ihnen ist Benedikt Prand-Stritzko. Der 22-Jährige aus der Gemeinde Langau (Bezirk Horn) arbeitet beim bekannten Uhrenhersteller H. Moser & Cie. in der Schweiz.

Warum haben Sie sich für den Besuch der Uhrenfachschule entschieden?

Benedikt Prand-Stritzko : Während meiner vorhergehenden Mechatronik-Ausbildung an der HTL Karlstein habe ich meine Leidenschaft für mechanische Zeitmesser entdeckt und mich in meiner Freizeit intensiv damit befasst. Schließlich habe ich zum Ende meiner Ausbildung den Entschluss gefasst, dass ich mich auch beruflich damit beschäftigen und das Handwerk von Grund auf kennenlernen möchte. Der Besuch der Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik in Karlstein, als Knotenpunkt der österreichischen Uhrmacherausbildung, lag damit als nächster Schritt nach der Matura für mich einfach auf der Hand.

Wie war die Ausbildung in Karlstein?

Prand-Stritzko : Die Fachschule dauert im Regelfall vier Jahre und bietet in einer Kombination aus Theorie und Praxis eine Ausbildung auf hohem Niveau in den verschiedenen Facetten der Uhrmacherei. Bei entsprechender Vorbildung, beispielsweise abgelegter Matura, lässt sich die Ausbildungsdauer auch verkürzen. In den ersten zwei Jahren liegt der Fokus auf Grossuhren, dabei wird von jedem Schüler eine vollständige Pendeluhr selbst in der Werkstätte angefertigt und es werden verschiedene Reparaturen durchgeführt. In den beiden letzten Jahren wird man schrittweise an immer kleiner werdende und besondere Taschen- und Armbanduhren herangeführt. Neben dem Durchführen von Standard-Services steht auch die Anfertigung von Neu- und Ersatzteilen im Mittelpunkt. Dazu stehen modernste Maschinen wie beispielsweise Präzisions-CNC-Fräsen und 3D-Drucker für Prototypen zur Verfügung. Das herausragende Betreuungsverhältnis an der Fachschule Karlstein bringt dabei viele Vorteile, beispielsweise bei der Umsetzung individueller Ideen.

Neben dem täglichen Schulalltag finden auch Exkursionen zu Betrieben in Österreich, Deutschland und der Schweiz statt. Darüber hinaus lernt man aufgrund der Einzigartigkeit der Schule Mitschüler aus ganz Österreich kennen.

Was haben Sie danach beruflich gemacht?

Prand-Stritzko : Nach der Abschlussprüfung habe ich, wie viele meiner Kollegen, zusätzlich die Uhrmacher-Meisterprüfung abgelegt. Danach folgte der direkte Berufseinstieg in der Schweiz.

Wie kamen Sie zu dem bekannten Uhrenhersteller H. Moser & Cie. in die Schweiz?

Prand-Stritzko : Während der Fachschule kam ich auf der Suche nach einem Praktikumsplatz das erste Mal in Kontakt mit der Schaffhauser Uhrenmanufaktur. H. Moser & Cie. entwickelt und fertigt mechanische Armbanduhren auf höchstem Qualitätsniveau. Gegründet 1828 und bis in die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts aktiv, kehrte die Marke im Jahr 2005 in den Kanton Schaffhausen zurück und ist seither sehr erfolgreich auf dem internationalen Uhrenmarkt präsent. Ich durfte schließlich ein dreimonatiges lehrreiches Praktikum bei H. Moser & Cie. absolvieren und konnte in der Folge nach meinem Abschluss wieder einsteigen.

Was ist hier Ihre Aufgabe?

Prand-Stritzko : Ich arbeite als Konstrukteur und Projektleiter in der Abteilung „Research and Development“. Meine Aufgabengebiete umfassen neben der Entwicklung und Optimierung von Uhrwerkskomponenten auch die Bereiche Industrialisierung und Automatisierungstechnik. Hier kann ich vor allem von der Kombination meiner beiden Ausbildungen aus der HTL und der Uhrmacherfachschule profitieren.

Gefällt Ihnen diese Arbeit?

Prand-Stritzko : Als ich entschieden hatte, die Fachschule zu besuchen, habe ich genau von einer solchen Anstellung geträumt. Ich kann behaupten, in einem dynamischen Team mit wunderbaren Kollegen meinem Traumberuf in einem Betrieb nachzugehen, der nebenbei noch einige der schönsten und exklusivsten Uhren der Welt herstellt. Die aktuelle Kollektion umfasst derzeit Uhren mit mechanischen Automatik- und Handaufzugswerken, unter anderem mit hochkomplexen Komplikationen wie dem „Ewigem Kalender“, Minutenrepetition, Tourbillon oder Chronographenfunktion. Die Werke werden von H. Moser & Cie. intern selbst entwickelt, gefertigt und montiert. Besonders hervorzuheben ist dabei die Herstellung von Unruhspiralen, da generell nur wenige Unternehmen weltweit das nötige Know-how besitzen. Jährlich werden rund 1.500 Uhren gefertigt und über ein exklusives Händlernetzwerk vertrieben, wie beispielsweise Juwelier Bucherer in Wien. All das motiviert natürlich ungemein.

Wohin soll Ihr beruflicher Weg noch führen, welche Ziele haben Sie?

Prand-Stritzko : Die verschiedenen Gebiete der Haute Horlogerie sind extrem umfangreich. Trotz der langen Tradition gibt es noch immer technische Bereiche mit Potenzial. Neben der Umsetzung komplexer und optimierter Uhrwerksmechanismen interessiert mich besonders der Bereich Materialforschung. In jedem Fall möchte ich noch tiefer in die Materie eindringen, möglicherweise auch im Zuge eines berufsbegleitenden Studiums.

Haben Sie noch Kontakt in Ihre Heimat?

Prand-Stritzko : In meinem Heimatort Langau hatte ich das Glück, in einem sehr aktiven Vereinsleben unter anderem mit Musikkapelle, Sportverein und Landjugend aufzuwachsen. Die aktuelle Situation lässt auf der einen Seite nicht zu, oft nach Hause zu reisen, auf der anderen Seite kann ich online dennoch bei vielen Vereinstätigkeiten mitwirken. Wir veröffentlichten beispielsweise mit der Musikkapelle Langau regelmäßig in den letzten Monaten individuell aufgenommene und dann zusammengefügte Musikvideos. Auch in Schaffhausen war ich von Beginn an sehr gut eingebunden, dennoch reise ich, wann immer die Möglichkeit besteht, sehr gerne zu Familie und Freunden nach Österreich zurück.

Welche Eigenschaften sollte ein Jugendlicher haben, der die Schule in Karlstein besuchen will?

Prand-Stritzko : An erster Stelle steht, meiner Meinung nach, das Interesse an der Uhrenbranche und am praktischen Arbeiten. Das ebenfalls notwendige Fingerspitzengefühl entwickelt man automatisch im Laufe der Ausbildung.

Können Sie Jugendlichen diese Schule empfehlen?

Prand-Stritzko : Die Uhrmacherei ist ein einzigartiges und wundervolles Handwerk. Vor kurzem wurde es auch von der UNESCO als immaterielles Weltkulturerbe definiert. Die breit gefächerte Ausbildung an der Fachschule für Präzisions- und Uhrentechnik in Karlstein ist die Basis für vielfältige nationale und internationale Berufsmöglichkeiten. Nicht nur in der Uhrenbranche, sondern auch für andere ebenso mechanisch anspruchsvolle Tätigkeiten, sind das handwerkliche Geschick und das technische Verständnis der Karlsteiner Absolventen mehr denn je gefragt. Sowohl als primären als auch als zweiten, ergänzenden Bildungsweg bietet die Fachschule Karlstein ausgezeichnete Perspektiven für Jugendliche.