Das Jugendheim angezeigt. Sorgerecht / Verlorener Obsorgestreit um zwei Minderjährige, Anzeige gegen Jugendheim, der Protest am Stephansplatz: Ein alleinerziehender Vater und sein Kampf an mehreren Fronten.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. Juni 2014 (12:04)
NOEN, Markus Lohninger
Karl Minow gibt nicht auf.

Karl Minow aus Amaliendorf. Ein etwas schrulliger Frühpensionist, alles andere als auf den Mund gefallen, drei Herzinfarkte, (lange vergangene) Sucht- und Gefängnisvergangenheit. Am Stephansplatz in Wien will der 58-Jährige seine Geschichte der Welt erzählen – vom Kuraufenthalt 2013 zum verlorenen Sorgerechts-Streit um zwei Töchter mit der Bezirkshauptmannschaft Gmünd und bis zur Anzeige gegen die Heimleitung des Landesjugendheims Allentsteig wegen „Unterlassung der Aufsichtspflicht“.

Während des Kuraufenthalts hatte er die 8- bzw. 9-jährigen Halbwaisen im Landesjugendheim Allentsteig-Brücke abgegeben. Dort war unter anderem wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch durch einen bei der Familie wohnenden Freund des Vaters der Ball ins Rollen gekommen. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden eingestellt – der Freund war zum fraglichen Zeitpunkt im Spital gewesen (die NÖN berichtete).

Obsorge auf Bezirkshauptmannschaft übertragen

Die Mädchen wurden aber nach Minows Heimkehr von der Kur wieder in die „Brücke“ gebracht, leben seither dort. Und jetzt wurde die Obsorge über die Mädchen vom Bezirksgericht definitiv von Minow auf die Bezirkshauptmannschaft übertragen. Der Vater darf sie nur noch freitags bis sonntags aus Allentsteig holen, muss sie täglich bis 18.30 Uhr zurückbringen.

„Die sagen, ich hätte den Gesundheitszustand eines 85-Jährigen, würde die Volljährigkeit der Mädchen wahrscheinlich nicht mehr erleben, sie verwahrlosen lassen und nicht erziehen können“, empört sich Minow über „falsche Anschuldigungen“. In der Urteilsbegründung des Bezirksgerichts, die der NÖN vorliegt, heißt es auch, er könne das „kindliche Grundbedürfnis nach Schutz vor Bedrohungen nicht erfüllen“.

Minow: „Das Jugendamt kann nicht sagen, dass die Mädchen jetzt in einer geschützteren Umgebung sind!“

Genau das wirft der 58-Jährige aber nun dem Jugendheim Allentsteig vor. „Zwei andere Mädchen haben dort meine Töchter bedroht und geschlagen, weil sie nicht wollten, dass sie mit mir mitfahren“, behauptet er. Eine Bekannte habe von den Vorfällen durch Einträge der Mädchen im Internet-Dienst Facebook gelesen. Minow: „Das Jugendamt kann nicht sagen, dass sie jetzt in einer geschützteren Umgebung sind!“

Er zeigte die Heimleitung wegen unterlassener Aufsichtspflicht und die beiden Mitbewohnerinnen wegen Erpressung und Körperverletzung am Polizeiposten Schrems an.

Direktor Leopold Schidl vom Jugendheim Allentsteig schließt aus einem Gespräch mit Minow, den Kindern, Sozialpädagogin und sozialpädagogischer Leitung, dass die Mädchen nicht geschlagen oder bedroht wurden. Und er bezweifelt, dass die Facebook-Einträge tatsächlich von einer Tochter Minows verfasst wurden – das Passwort sei durch die Nachlässigkeit eines der zwei Mädchen für Andere frei einsehbar gewesen.

Gespräche zum richtigen Verhalten

Den vier beteiligten Mädchen sei der Zugang zum „Kindernetz“ bis zur Klärung der Anschuldigungen gesperrt worden, zudem habe es bereits Gespräche mit ihnen zum richtigen Verhalten bei Bedrohung, bei Gewalt unter Kindern und zur „richtigen Kommunikation im Internet“ gegeben, sagt Schidl.

Von der Wiener Polizei will Karl Minow bereits grünes Licht für eine Versammlung am Stephansplatz erhalten haben. Er plant hier einen Protesttisch mit großen Plakaten, um auf seinen Fall aufmerksam zu machen.

Minow und Schidl sprechen von guter beidseitiger Kooperation. Eine längerfristige Rückkehr der Mädchen zum Familienvater hält Leopold Schidl für möglich: „Wir sind bemüht, die Zusammenarbeit mit Herrn Minow und der Jugendabteilung zu unterstützen, sodass erste Schritte in Richtung Rückführung der Töchter von Herrn Minow gemeinsam mit der Jugendabteilung geplant werden.“