Stadtamt: VP steigt auf Barrikaden. Massive Kritik der Volkspartei an Plänen für Stadtamt-Umbau. Stadtchef Harrer schießt scharf zurück.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 07. Februar 2018 (04:25)
Visualisierung: ARGE Kratochwil-Waldbauer-Zeinitzer
Hell und freundlich sehen die Architekten die Zukunft des Stadtamtes.

Mit einem über die NÖN ausgetragenen Polit-Streit zwischen der Mehrheits-Fraktion SPÖ und der ÖVP endete die öffentliche Präsentation der Pläne zum barrierefreien Um- und Ausbau des Schremser Stadtamtes am vorigen Samstag.

SP-Bürgermeister Karl Harrer wolle sich mit dem „Prunkbau ein Denkmal setzen“, ätzt VP-Stadträtin Martina Diesner-Wais, nachdem sich ihre Fraktion laut Aussendung nach der Präsentation ein Bild gemacht hatte. Und Parteichef David Süß: „Wir haben vor zwei Jahren gefordert, dass wir unsere gemeindeeigenen Gebäude in Sachen Barrierefreiheit adaptieren müssen.“ Dabei sei es aber um kleine, effiziente Maßnahmen gegangen.

„Ziel war es, das Haus in seiner alten Identität erkennbar zu lassen, es aber dennoch zu entstauben und zu öffnen.“Architekt Klaus Zeinitzer

Solche betreffen in den Plänen der im Wettbewerb siegreichen Architekten-ARGE Kratochwil-Waldbauer-Zeinitzer bloß das Gebäude am Hauptplatz 21, wo Polizei, Zahnarzt und Trauungssaal untergebracht sind, mit Aufzug sowie barrierefreien Toiletten.

Das Stadtamt am Hauptplatz 19 soll aber bei der Gelegenheit generalsaniert werden. Hier sollen körperliche und auch Barrieren zwischen Verwaltung und Öffentlichkeit überwunden werden, wie Architekt Klaus Zeinitzer sagte: Neben Aufzug, barrierefreien Nassräumen oder einem Leitsystem für Sehbehinderte will er eine helle und freundliche zentrale Anlaufstelle schaffen. „Ziel war es, das Haus in seiner alten Identität erkennbar zu lassen, es aber dennoch zu entstauben und zu öffnen.“

Der aktuelle Plan sieht vor, dass es durch den Eingang künftig in ein Foyer mit Aufzug, Infopunkt und Wartebereich geht, das durch einen Lichtschacht erhellt wird und so freie Sicht nach oben und in die Gänge gewährt. Nicht tragende Mauern dazwischen sollen auf allen Etagen entfernt, die Büros vergrößert und mit raumhohen Glas-Fronten zum Gang optisch geöffnet werden. So sollen Bürger- und Tourismusbüro in eine Einheit mit dem Foyer kommen.

Das mächtige Granit-Relief im ersten Stock soll „als Identifikationszeichen für die Region“ (Zeinitzer) genauso wie der Sitzungssaal erhalten bleiben.

Das bisher als Archiv genutzte Dachgeschoß soll künftig 250 m 2 neue Nutzfläche bieten, darin neue Büros für Bürgermeister und Stadtamts-Direktion. Große Teile des Archivs sollen dafür den nun erweiterten Abteilungen direkt zugeordnet werden.

Der ÖVP geht das alles viel zu weit. Ihr Vorschlag beschränkt sich auf eine elektrische Eingangstür, einen Aufzug beim Stiegenhaus und einen Besprechungsraum im Erdgeschoß, den Mitarbeiter des Hauses aufsuchen sollen, wenn Amtstätigkeiten für „Menschen mit Bewegungseinschränkungen“ anfallen. In Zwettl habe Ähnliches eine Million Euro gekostet – nach Schätzungen der Architekten würden die Pläne für Schrems aber Kosten von über vier Millionen Euro aufwerfen, „mindestens so viel wie der Neubau des achtgruppigen Kindergartens“.

Er wisse bald nicht mehr, was die VP wolle, kontert Stadtchef Harrer. „Zuerst klagen sie, es müsse etwas geschehen. Nach dem Grundsatzbeschluss sind sie überall eingebunden, sagen aber im Baubeirat kein Wort und kommen dann über die Presse“, sagt Harrer: An solchem Hickhack beteilige er sich nicht, „ich bleibe den Gesetzen, Mitarbeitern und Bürgern in der Verantwortung.“

Aber gehen die aktuellen Pläne nicht doch über Kernthemen der Barrierefreiheit hinaus? Karl Harrer: „Barrierefreiheit ist mehr als ein Treppenlift“, er spricht ohnehin damit verbundene Maßnahmen auf allen Etagen an: „Der Schritt für die nächsten 20, 30 Jahre muss einfach irgendwann gesetzt werden – er trifft sich mit dem gesetzlichen Zwang, für Barrierefreiheit im Amtshaus zu sorgen.“

Harrer: Änderungen sind immer noch möglich

Die VP-Mandatare würden sich zu wenig im Haus aufhalten, um zu wissen, worum es gehe, ergänzt er, es gehe schlicht auch um zumutbare Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter: „Da zähle ich auch eine flüssige Gestaltung von Abläufen und die Gestaltung des Arbeitsplatzes dazu. Wir reden auch von alten und nassen Mauern, die trocken gelegt werden müssen.“ Dazu brauche es die günstigste und doch effektivste Lösung.

Schrems verliere dennoch den finanziellen Spielraum für andere Projekte wie die B2-Unterführung Niederschrems oder dringende Schul-Sanierungsarbeiten, mahnt die ÖVP. „Wir werden in den nächsten Monaten zahlreiche Vorschläge bringen, wie eine solche Menge Geld für unsere Bevölkerung sinnvoller verwendet werden kann“, kündigt Gemeinderat Tobias Spazierer an: „Solch ein verschwenderisches Projekt wird mit der ÖVP nicht zu machen sein.“

Bis 11. Februar sind noch alle Architekten-Konzepte im Foyer des Kulturhauses einsehbar. In einer Umfragebox und am Stadtamt können Meinungen oder Wünsche zum Siegerprojekt deponiert werden – bis Ende März sind laut Harrer Änderungen möglich, was die ÖVP bezweifelt („Alibi-Aktion“). Bis Mitte April sollen erste Beschlüsse in den Gemeinderat kommen, auch die Finanzierung muss erst geklärt werden. Der Baustart ist jedenfalls noch heuer, die Fertigstellung für das Jahr 2019 geplant.

Umfrage beendet

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